Skurrile Situation

Bernhard Burgener stellt sich nicht mehr als Präsident zur Wahl, bleibt aber der Boss beim FC Basel

FCB-Präsident Bernhard Burgener kommt den Forderungen seiner Kritiker teilweise nach. Er stellt sich an der GV, die auf den 9. November terminiert wurde, nicht mehr als Vereinspräsident zur Wahl.

FCB-Präsident Bernhard Burgener kommt den Forderungen seiner Kritiker teilweise nach. Er stellt sich an der GV, die auf den 9. November terminiert wurde, nicht mehr als Vereinspräsident zur Wahl.

FCB-Präsident Bernhard Burgener zieht sich im November aus dem Vereinsvorstand zurück. Doch für seine Kritiker ist das nicht genug.

Bernhard Burgener verhindert seine Abwahl mit einem Trick. Bevor der FCB-Präsident an der kommenden Generalversammlung aus dem Vereinsvorstand gewählt werden könnte, entscheidet er lieber selbst über seine Zukunft. Gestern Nachmittag verkündet Burgener über die vereinseigene Website, dass er sich gar nicht mehr zur Wahl stelle. Die Wiederwahl wäre aufgrund der jüngsten Entwicklungen auch eine grosse Überraschung gewesen. Bereits in den vergangenen drei Jahren waren die Ja-Stimmen für Burgener von 82 über 78 auf 65 Prozent gesunken. Durch die vor einer Woche ins Leben gerufene Bewegung «Yystoo für e FCB!», der mittlerweile über 9000 Personen folgen, wurde die Abwahl von Burgener, CEO Roland Heri und Vereinsvorstand Peter von Büren weiter forciert. Alle drei werden sich am 9. November an der FCB-GV im Joggeli nicht mehr zur Wahl stellen.

Aufgrund der speziellen Konstellation beim FCB mit Verein, AG und Holding bedeutet das aber nicht, dass sich Burgener und Co – wie von vielen Fans gewünscht und von «Yystoo» gefordert – ganz zurückziehen. Die drei verzichten lediglich auf den Einsitz im Vereinsvorstand, der zu 25 Prozent an der FC Basel 1893 AG beteiligt ist. Die übrigen 75 Prozent gehören der FC Basel Holding AG, deren Mehrheitsaktionär wiederum Burgener ist.

«Yystoo» hatte gemäss Burgener keinen Einfluss

Die Doppelfunktion von Burgener als Vereinsdelegierter und Verwaltungsratspräsident wurde bereits an der letzten GV moniert. Damals hatte der FCB einen Antragsteller juristisch abblitzen lassen und dann angekündigt, die veralteten Statuten aufs kommende Jahr hin selbst anzupassen. Jetzt hat Burgener seine Lösung präsentiert. Er sagt: «Wir entflechten die Strukturen der AG und des Vereins und kommen damit einem auch von den Mitgliedern geäusserten Bedürfnis nach.» Die Mitglieder sollen jetzt einen neuen Vereinspräsidenten und einen Vorstand wählen, der ihre Interessen wunschgemäss vertritt. Burgener verkauft seinen Rückzug als «Prozess, der mit der vergangenen GV eingeleitet wurde». Eine Reaktion auf «Yystoo» oder die öffentliche Kritik an seiner Person sei das «überhaupt nicht».

Bei «Yystoo» freut man sich über die Entscheidung von Burgener. «Das ist eine sehr gute Entwicklung. Wir begrüssen die Entflechtung», sagt Sprecher Patrick Fassbind. Auch wenn Burgener das nicht zugeben will, ist sich Fassbind sicher, dass die schnelle Verbreitung von «Yystoo» und der dadurch entstandene Druck auch zu dieser Entscheidung beigetragen haben. Fassbind weist aber auch darauf hin, dass «Yystoo» noch nicht am Ziel ist: «Eine Forderung von uns ist noch nicht erfüllt, da die Herren Burgener und Heri dem FCB erhalten bleiben.» Und daran wird sich auch nichts ändern. Im Interview auf der FCB-Website sagt Burgener: «Ich habe mehrfach betont, dass ich den FCB in einer solchen Situation mit all den anstehenden sportlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen sicher nicht im Stich lasse.»

Verzicht auf das Verzichtbare

Burgener verzichtet also nur auf das Verzichtbare. Als Eigentümer und Verwaltungsratspräsident hat er nach wie vor die Entscheidungshoheit. Mit dem unabhängigen Vereinsvorstand, deren Präsident ebenfalls als Delegierter in der AG sitzen wird, will Burgener in Zukunft zwar «zusammenarbeiten und die besten Lösungen für die Herausforderungen des FCB suchen». Aber er kann ihn mit seinen Verwaltungsratskollegen auch jederzeit überstimmen.

Noch ist unklar, wer neu in den Vereinsvorstand gewählt werden soll und wer Burgener dort als Präsident beerbt. «Wir warten gespannt, wie das Prozedere bei der Auswahl aussehen wird», sagt Fassbind. Der FCB selbst hat noch keine Kandidaten präsentiert. Klar ist nur, dass die Zusammenarbeit für beide Seiten alles andere als einfach werden wird.

Sowohl FCB als auch «Yystoo» klagen darüber, dass der jeweils andere noch keinen Kontakt zur Gegenseite aufgenommen hat. Am Wochenende gab Heri ein Radiointerview, in dem er sagte, dass er es schade finde, dass sich die Initianten nicht beim FCB gemeldet hätten. Am Montag postete «Yystoo» dann als Reaktion ein Statement auf der Website mit dem Titel «Nichts gelernt». Fassbind und Co kritisieren darin den Umgang der FCB-Führung mit ihrer Bewegung. «Eine weitsichtige Klubführung versucht von sich aus, Konflikte zu entschärfen, und wartet nicht, bis sich jemand bei ihr meldet», heisst es da unter anderem. «Yystoo» wird wohl erst zufrieden sein, wenn Burgener und Co auch ihre übrigen Ämter beim FCB abgegeben haben.

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