Jugendgewalt
Bewaffnete Minderjährige sind Einzelfälle

Die Tat erschreckt: Zwei Minderjährige halten zwei anderen Jugendlichen eine Pistole unter die Nase und verlangen deren Geld. Die Waffe war nicht geladen. Das Delikt sei dennoch ernst zu nehmen, sagt die Basler Jugendanwaltschaft.

Pascale HOfmeier
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Eine Pistole (Symbolbild)

Eine Pistole (Symbolbild)

Keystone

Der Raub ereignete sich am Mittwochabend beim Basler Münster (bz vom Freitag). Die beiden türkischstämmigen Täter wohnen in der Stadt Basel. René Gsell von der Basler Staatsanwaltschaft schliesst nicht aus, dass der 15-jährige und der 16-jährige Jugendliche die Waffe von daheim mitgenommen haben. «Sie könnte zu Hause gefunden worden sein.»

Dahinter steht mit grösster Wahrscheinlichkeit illegaler Waffenbesitz, bestätigt Gsell. Gemäss Artikel 7 des Waffengesetzes ist türkischen Staatsangehörigen der Erwerb, Besitz, das Anbieten und auch das Tragen von Waffen grundsätzlich verboten.

Vermutlich weitere Delikte

Momentan ermittelt die Staatsanwaltschaft, ob die beiden Jugendlichen schon früher straffällig wurden. «Bei einer so drastischen Tat ist es möglich, dass vorher schon andere Delikte begangen wurden», sagt Gsell. «Sicher ist aber: Wenn Kinder oder Jugendliche straffällig werden, ist es ein Notruf an die Gesellschaft und ein Hinweis, dass etwas schiefläuft», sagt Gsell. Er sei von der Tat betroffen, es sei generell eine Verrohung der Gesellschaft feststellbar.

«Es handelt sich um einen Einzelfall, das ist kein Trend», sagt die Basler Jugendanwältin Verena Schmid Lüpke auf Anfrage. «Die Waffe war nicht geladen und die Jugendlichen hatten keine Munition dabei.» Wollten die beiden also nachahmen, was sie in TV-Serien gesehen haben? «Das müssen wir noch abklären», sagt Schmid. Es sei möglich, dass es in diese Richtung gehe, der Fall dürfe aber nicht verharmlost werden. Was für eine Strafe die beiden erwarte, sei schwierig abzuschätzen.

«Ausnehmen» hat zugenommen

Gemäss Schmid kam es in Basel schon lange nicht mehr vor, dass Jugendliche mit einer Schusswaffe erwischt wurden. Auch Tätlichkeiten mit Messern seien die Ausnahme. Ein Blick auf die Basler Jugendkriminalstatistik zeigt, dass die Zahl der angezeigten Gewaltdelikte in den vergangenen Jahren stabil war. 2009 wurden in Basel 216 registriert, 2011 waren es 213. In die Statistik gehen auch Fälle von Gewalt auf dem Pausenhof ein. Aufgeschlüsselt nach Art des Deliktes zeigt sich, dass Verstösse gegen das Waffengesetz tendenziell eher abgenommen haben. Waren es 2009 noch 25, kam es 2011 noch in 16 Fällen zur Anzeige.

«Was wir feststellen ist, dass das ‹Ausnehmen› zugenommen hat», sagt Schmid. Auf der Strasse würden andere um Zigaretten oder Geld «angeschnorrt». Werde der Forderung nicht entsprochen, werde auch mal zugeschlagen. «Häufig ist Alkohol im Spiel.» Es handle sich aber nicht um organisierte Gruppen, die tätlich würden, das geschehe spontan.