Die Baselbieter Sicherheitsdirektorin Sabine Pegoraro hat die Jugend gebetsmühlenartig dazu aufgefordert, den Harassenlauf in organisierte Bahnen zu lenken. Drei junge Bierfreunde wollten diese Herkulesaufgabe stemmen: Im Sommer stellten sie sich in den Medien vor. Ende Jahr wollten sie ihr Konzept präsentieren. Stattdessen kapitulieren sie nun. Zwei SP-Politikerinnen wundert das nicht. Sie kritisieren das Vorhaben der Sicherheitsdirektorin harsch.

«Es war eine naive Idee, die Probleme mit diesem Komitee lösen zu wollen», urteilt Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer. Sie verstehe, dass die Jungen diese Verantwortung nicht tragen wollten: «Denn das können sie gar nicht.» Auch die Birsfelder Landrätin Regula Meschberger hatte von Anfang an das Gefühl, dass es nicht funktionieren werde: «Man kann nicht etwas, das über Jahre gewachsen ist, einem unerfahrenen Komitee übergeben.» Sie habe das Gefühl, dass die drei OK-Mitglieder «sehr optimistische, idealistische Leute sind, die aber keine Ahnung haben, wie man so etwas anpackt».

«Kanton soll neuen Anlauf wagen»

Meschberger schlägt einen anderen Weg vor: «Der Kanton sollte einen runden Tisch organisieren mit allen Beteiligten, die sich angesprochen fühlen.» Danach solle der Kanton potenzielle Organisatoren stärker unterstützen: «Dafür wäre es nicht zu spät. Man könnte Anfang Januar damit beginnen.»

Die Kritik an Pegoraro irritiert ihren Sprecher Dieter Leutwyler: «Diese Stimmen haben wir bis jetzt nicht gehört. Es hat nie jemand Kritik am Vorgehen oder einen anderen Vorschlag geäussert.» Einen neuen Anlauf für einen organisierten Harassenlauf unterstützt er aber: «Wir appellieren an alle, die den Anlass organisieren möchten, sich bei uns zu melden.»

Überhaupt kein Verständnis hat er hingegen für Leuteneggers Vorschlag. Sie verlangt, dass Pegoraro vor dem nächsten Harassenlauf eine öffentliche Auseinandersetzung über das Polizeiaufgebot führt. Auf diese Weise will sie ein weiteres Polizei-Grossaufgebot mit Militärhelikopter verhindern: «Man kann in einer Jugendbewegung nicht alles kontrollieren. Man kann die Behörden nur zu Besonnenheit mahnen.»

Leutwyler will einen erneuten Grosseinsatz nicht ausschliessen. Eine politische Debatte im Vorfeld über das Polizeiaufgebot hingegen schon: «Es kann doch nicht sein, dass der Landrat polizeitaktische Entscheide trifft. Um ein ungeordnetes Massenbesäufnis mit Schwerverletzten oder gar Todesopfern zu verhindern, muss die Polizei situativ entscheiden können.» Diese Gründe findet Leutenegger lächerlich: «Die Teilnehmer des Harassenlaufs sind doch keine kriminellen Gegner, sondern Teil der Gesellschaft.»

«Neues Komitee soll es richten»

Die Hoffnung, dass sich ein anderes Komitee finden lässt, hat FDP-Landrat Patrick Schäfli noch nicht aufgegeben: «Vielleicht braucht es dazu Kompromisse auf beiden Seiten.» Denn ein erneutes Grossaufgebot wäre falsch: «Es braucht ein massvolles Polizeiaufgebot wie an jedem Orientierungslauf. Aber ein gigantisches Aufgebot gegen ein paar friedliche Bierläufer ist absurd.»