Ausgerechnet die Humanistenstadt Basel ist mit dem Latein am Ende

Bildungsökonomisierung
Ausgerechnet die Humanistenstadt Basel ist mit dem Latein am Ende

Latein stirbt seinen zweiten Tod: In der Humanistenstadt Basel legt kaum noch jemand eine Lati-Matur ab. Eine Geschichte über die Wissenschaft und die Ökonomisierung der Bildung.

Benjamin Rosch
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Es sind kaum mehr als einige Handvoll: Nur gerade 30 Lati-Schülerinnen und -Schüler in Basel-Stadt zählte das vergangene Schuljahr auf vier Stufen. Damit machen sie etwas mehr als ein Prozent der gesamten Schülerschaft aus, steht im aktuellen Zahlenspiegel Bildung des Kantons. Es braucht kein Orakel von Delphi für die Behauptung, die alte Sprache werde sich von diesem zuletzt so rasanten Zerfall nicht mehr erholen. Sechs Jahre und eine Umstrukturierung an den Basler Gymnasien zuvor waren es immerhin noch 100 Schülerinnen und Schüler, die sich mit Ovid, Caesar und Cicero auseinandersetzten. Heute gibt es keine reinen Lateinklassen mehr, nur noch Splittergruppen, verteilt auf immer weniger Schulstandorte. Basel ergeht es wie vielen Städten Westeuropas, und doch ist die Entwicklung hier eine Besondere, nicht zuletzt in einer historischen Betrachtung.