Kommentar

Bio, bio! Wofür die neue Nationalratspräsidentin Maya Graf wirklich steht

Maya Graf

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Maya Graf wurde gestern mit einem Glanzresultat zur höchsten Schweizerin gewählt. Doch was ist die 50-jährige Sissacherin nun am meisten? Grüne, Frau, Baselbieterin, Bäuerin oder Biobäuerin?

Mit 173 von 183 gültigen Stimmen ist Maya Graf gestern zur Nationalratspräsidentin gewählt worden. Es ist dies das fünftbeste Resultat seit Einführung der Zauberformel vor über 50 Jahren. Maya Graf ist die erste Vertreterin der Grünen Partei in diesem Amt. Sie ist erst die elfte Frau in dieser Position und die vierte Vertreterin des Kantons Baselland seit 1848. Sie ist als Biobäuerin nach dem Bauern Hansjörg Walter (SVP/TG) bereits die zweite Vertreterin der Landwirtschaft in Folge. Wenn man Weinbauingenieur Jean-René Germanier (FDP/VS) dazuzählt, ist sie sogar die dritte Landwirtschaftsvertreterin in Folge auf dem Präsidentenstuhl des Nationalrats.


Grüne, Frau, Baselbieterin, Biobäuerin - für welche dieser Rollen ist es am wichtigsten, dass Maya Graf jetzt Nationalratspräsidentin ist? Die naheliegende Antwort lautet: für die Grüne. 30 Jahre lang musste die Grüne Partei darauf warten, dass einer ihrer Vertreter in das höchste Amt der Schweiz gewählt wurde. 1995 hätte es Hanspeter Thür beinahe geschafft. Er scheiterte aber im vierten Wahlgang am Liberalen Jean-François Leuba. Dass Maya Graf als Grüne mit einem so guten Resultat gewählt worden ist, darf sicher auch als Anerkennung für die Partei gelesen werden. Wenigstens für ihren realpolitischen Flügel: Eingefleischte Grüne machen sich gerade darüber Sorgen, dass eine Vertreterin der Grünen so salonfähig geworden ist.


Oder ist es die Tatsache, dass mit Maya Graf die elfte Frau den Nationalrat präsidiert? Erst die elfte Frau, ist man geneigt, auszurufen. 1977, vor gerade einmal 35 Jahren, präsidierte Elisabeth Blunschy (CVP/SZ) als erste Frau den Nationalrat, 1981 gefolgt von Hedi Lang (SP/ZH) und 1993 von Gret Haller (SP/BE). In den letzten Jahren hat die Kadenz der Präsidien in weiblicher Hand zwar zugenommen - die Tatsache, dass es immer noch bemerkenswert ist, ist bedenklich genug.


Bemerkenswert an der Wahl ist, dass der Kanton Baselland nach sieben Jahren schon wieder den Nationalratspräsidenten stellt. Zum Vergleich: Der letzte Natonalratspräsident aus Basel-Stadt war Alfred Schaller - und das ist jetzt 46 Jahre her.
Das alles ist interessant. Wirklich bemerkenswert scheint mir aber, dass Maya Graf Biobäuerin ist. Nicht der Bäuerin wegen - Landwirte haben aus geheimnisvollen Gründen in einem Land, das eigentlich von seinen Städten lebt, traditionell viel zu sagen -, sondern weil sie „bio" ist. Maya Graf stellt damit unter Beweis, dass «bio» kein weltfremdes Label von Träumern ist, sondern im Zentrum der Schweizer Gesellschaft angekommen ist.

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