Der 64-jährige Kadermann des Tages-Anzeigers hat bereits gestern seine Stelle bei der BaZ angetreten, wie das Zürcher Medienunternehmen Tamedia ausrichten liess. Dort sass Bollmann nämlich mehrere Jahre in der Geschäftsleitung.

Erstaunlich an der Auswahl von Bollmann sind mehrere Aspekte. Eine Tatsache fällt besonders auf: Zwar gibt der Zürcher Medienmann die Leitung des Unternehmensbereichs Medien Zürich von Tamedia ab, wird dem Medienkonzern aber bei der Weiterentwicklung der regionalen Medien im Raum Zürich bis Ende 2014 auf Mandatsbasis unterstützen.

Das ist in der Medienbranche unüblich. Naheliegend wäre, wenn Bollmann seine Beziehung zu Tamedia abbrechen würde. Für Filippo Leutenegger, Verwaltungsratspräsident der Basler Zeitung, ist Bollmanns Engagement bei Tamedia kein Problem: «Für uns bedeutet das keine Konkurrenz, denn es geht lediglich um zwei Verwaltungsratsmandate in Zürcher Regionalzeitungen.»

Zürcher Herkunft ist kein Thema

Darüber, dass Bollmanns Wurzeln in Zürich liegen, ist indes der Basler SP-Nationalrat Beat Jans alles andere als begeistert. Er habe gehofft, dass die Konzernführung bei der BaZ in regionalen Händen bleibe. «Die BaZ soll Sprachrohr der Region sein. Eine Zeitung, die hier verwurzelt ist.» Je länger, je mehr würde allerdings Zürich übernehmen. Die Glaubwürdigkeit der BaZ als Gesamtprodukt stellt Jans allerdings nicht infrage.

Aus Bollmanns persönlicher Sicht erstaunt, dass dieser mit einem Bein bereits in der Pension stand - bei Tamedia war diese auf 2013 vorgesehen. Auch das Alter des frisch engagierten CEO ist für Leutenegger kein Argument gegen eine Anstellung: «Rolf Bollmann verfügt über viel Erfahrung im Bereich der Regionalzeitungen. Er ist voller Tatendrang, und ich bin froh, dass er sich der neuen Herausforderung als CEO bei der Basler Zeitung stellt.» Und dass Bollmann aus Zürich stammt, sei nicht relevant: «Es geht hier um das Verlagsgeschäft, um den Anzeigemarkt und die Distribution. Die BaZ ist eine wichtige Regionalzeitung, und dazu braucht es ein ganz spezifisches Know-how.»

Leuteneggers Erwartungen

Dieses hat Rolf Bollmann, war er doch ab 2005 Mitglied der Unternehmensleitung der Tamedia. Drei Jahre später übernahm er die Leitung des Unternehmensbereichs Medien Zürich. Im Jahr 1999 gründete er die Pendlerzeitung «20 Minuten». Hinzu kommt, dass er den Newsroom beim Tages-Anzeiger aufgebaut hat. Als Folge davon musste er sich aber damals von 30 Prozent der Regionaljournalisten trennen, wie er im Juni 2009 mitteilte.

Die Erwartungen an Rolf Bollmann formuliert Filippo Leutenegger klar: «Er hat die Aufgabe, die BaZ wieder zu einer erfolgreichen Basler Regionalzeitung zu machen.» Und: «Rolf Bollmann wird alle Unternehmensbereiche der BaZ unter die Lupe nehmen.» So auch die Druckerei, die unter einer tiefen Auslastung leide. «Langfristig ist ein Druckstandort Basel kaum aufrechtzuerhalten, da wir in der ganzen Schweiz massive Überkapazitäten haben.»

Rolf Bollmann war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.