Bottmingen
Bottmingen bangt um sein Wohlstandssymbol

Die Bottminger befürchten, ihr Schloss zu verlieren. Sie könnten aber bald selber zum Mitbesitzer des Wahrzeichens werden. Morgen werden über 5000 Unterschriften gegen die Schlossverkäufe eingereicht.

Jürg Gohl
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Schoss Bottmingen

Schoss Bottmingen

Nicole Nars-Zimmer

Ausgerechnet seine reichste Gemeinde hat der Kanton mit seinen Sparvorschlägen brüskiert. Aus der Zeitung haben die Bottmingerinnen und Bottminger erfahren, dass die Regierung zwei der drei Schlösser, die sich in Kantonsbesitz befinden, verkaufen will. Damit will «Liestal» künftig einen kleinen Teil der anvisierten 180 Millionen Franken sparen. Vom Verkauf bedroht ist neben dem Schloss Wildenstein auch das Bottminger Weiherschloss, das Wahrzeichen der Gemeinde und zugleich das Symbol ihres Wohlstands. Es passt ins Klischee, dass sich die Küche
im frühbarocken Weiherschloss mit 15 «Gault Millau»-Punkten zieren darf.

Sparbemühungen sind den Bottmingern fremd. Die Unterbaselbieter Gemeinde weist derzeit den tiefsten Steuerfuss im ganzen Kanton aus: Noch vor sechs Jahren lag er bei 50 Prozent, seit drei Jahren beträgt er noch 42 Prozent und gleichwohl reicht es noch, um Schulden zu tilgen und grosszügig abzuschreiben. Bottmingen zahlt überdies am meisten in den Topf des Finanzausgleichs. 4,1 Millionen Franken flossen zuletzt an Empfängergemeinden. 6144 Einwohner zählt der Basler Vorort gemäss Angaben auf seiner Website, auf deren Willkommensseite – selbstverständlich – stolz das Schloss prangt.

«Es befremden mich verschiedene Aspekte dieses geplanten Schlossverkaufs der Regierung», sagt Gemeindepräsidentin Anne Merkofer, «angefangen bei der Nicht-Kommunikation.» Sie spielt damit auf die Benachrichtigung durch die Medien an. Noch mehr erstaunt sie aber, dass ein Brief des Gemeinderats an die Regierung noch immer nicht konkret beantwortet ist. Darin wurden nähere Angaben zu den Verkaufsplänen gefordert. Doch die Antwort aus Liestal lässt auf sich warten. Das Vorhaben hätte für Bottmingen keine finanziellen Folgen: Seit 1957 kommt der Kanton für den Prunkbau auf, der nun vielleicht in andere Hände übergeht. Das weiss auch Anne Merkofer. «Gelichwohl ist die Verunsicherung in der Bevölkerung gross. Sie will wissen, was mit dem Schloss passiert, das sie für das ihre hält.»

In der Standortgemeinde möchte man die Gewähr haben, dass das Schloss und der Park weiterhin öffentlich bleiben und dass das Durchgangsrecht bestehen bleibt. Denn weil die vorderste Mauer des Schlosses nicht verschoben werden darf, führt das normale Trottoir teilweise durch das Schlossareal. «Doch es geht uns nicht nur um Eigeninteressen», sagt Merkofer, «es ist schlicht undenkbar, dass der Kanton seine Kulturdenkmäler an Auswärtige verscherbelt.»

Geschürt werden solche Befürchtungen auch von Hans Rudolf Tschopp. Der frühere Liegenschaftsverwalter des Kantons und heutige Fremdenführer im Schloss Wildenstein hat sogleich eine Petition gestartet, als er von den Plänen der Regierung erfuhr. Darin wird wörtlich vor «russischen Oligarchen und arabischen Scheichs» gewarnt, die sich Wildenstein oder das Bottminger Wasserschloss aneignen könnten.

Tschopp ist sehr erfolgreich unterwegs. Auf der Liste der zwanzig prominenten Erstunterzeichner finden sich die SVP-Schwergewichte Caspar Baader, Christian Miesch und Dieter Spiess, SP-Ständerat Claude Janiak, die Grünen-Nationalrätin Maya Graf sowie die früheren Regierungsräte Erich Straumann und Peter Schmid, die mit ihrer Unterschrift ihren früheren Amtskollegen auf die Finger klopfen. Auch Erwin Müller, Gemeindepräsident der Wildenstein-Gemeinde Bubendorf, war bei diesen Ersten, welche mitunterzeichneten. Nicht aber die gleichermassen betroffene Anne Merkofer. «Wir wollten bewusst erst die Antwort der Regierung abwarten», erklärt sie ihr anfängliches Zögern. Das Unterschreiben ist längst nachgeholt.

Obschon Tschopp beim Sammeln keine Organisation, etwa eine Partei,
zur Verfügung stand, wird er morgen um 10 Uhr dem Baselbieter Landschreiber deutlich mehr als 5000 Unterschriften übergeben. Diesen Erfolg wertet er als klares Zeichen, dass die Bevölkerung die Schlösser nicht hergeben will, und er erhält seine Befürchtung aufrecht, «dass die Schlösser an einen reichen Russen verkauft werden, halte ich zumindest für denkbar. Ich glaube kaum, dass jemand Geld investiert und das Schloss gleichwohl der Öffentlichkeit zugänglich bleibt.»

«Das Bottminger Schloss an Russen verkaufen? Diese Wahrscheinlichkeit liegt nahe bei null», zerstreut Gerhard Läuchli diese Bedenken. Er ist Leiter
des kantonalen Liegenschaftsverkehrs und damit ein Nachfolger von Tschopp. Läuchli will und kann den politischen Behörden nicht vorgreifen. Doch diese dürften kaum einer Lösung mit einem reichen Oligarchen zustimmen. Gleichwohl stellt er fest: «So oder so hat eine lokale oder regionale Lösung den Vorzug. Es ist aber noch gar nichts entschieden.» So liegt es auf der Hand, dass Läuchli beim Bottminger Schloss ein Angebot der Gemeinde, sich am Erwerb oder Unterhalt in einer Form zu beteiligen, sehr begrüssen würde. «Ein konkretes Angebot würde bestimmt geprüft», sagt er.

«Wir könnten zumindest Teil der neuen Trägerschaft sein», stimmt Anne Merkofer zu, «wir könnten doch wenigstens mitdenken. Aber bisher wurden wir trotz unserer Anfrage nicht kontaktiert.»