Landwirtschaft

Bringt Biozwang durch den Staat Bauern in Nöte?

Biomilch aber kein Biopreis (Symbolbild)

Biomilch aber kein Biopreis (Symbolbild)

Wie die Gemeinde Riehen fordert auch die Stadt Basel als Bauernhofbesitzerin bei Pächterwechsel zumeist eine Umstellung auf Biostandards. Ein Baselbieter Landwirt kritisiert diese Praxis.

Biomilch aber kein Biopreis: Die Geschichte von Yvon und Hermann Arni Karle vom Hof Maienbühl in Riehen, die trotz der zweijährigen Umstellung auf die vorgeschriebenen Standards von Bio Suisse für ihre Milch weiterhin nur den Preis für konventionelle Milch erhalten, sorgte bei vielen Leserinnen und Lesern für Kopfschütteln. Das Problem: Das Angebot von Biomilch ist zu gross. Auch Susanna und Christian Schürch vom Neuhof in Reinach haben sich nach dem Artikel in der bz bei der Redaktion gemeldet.

Der Neuhof gehört der Stadt Basel und ist so wie der Hof Maienbühl, der der Gemeinde Riehen gehört, in Staatsbesitz. «Die Biostandards passen nicht zu allen Betrieben und deren Infrastruktur und Bedingungen», erklärt Christian Schürch. Zudem seien mit den nötigen Umstellungen hohe Ausgaben verbunden, die von den Steuerzahlern getragen werden müssen. Als Vertreter beider Basel sitzt Christian Schürch im Vorstand von IP-Suisse. 18500 Bäuerinnen und Bauern sind Mitglieder bei diesem Verband, dessen Ziel es sei, sich in den kommenden Jahren zum nachhaltigsten Label im Schweizer Lebensmittelmarkt zu entwickeln. «Das Beispiel vom Hof Maienbühl zeigt, dass man nicht einfach nur Bio fordern kann und meinen, damit seien alle Probleme gelöst», betont Christian Schürch. Denn die Nachfrage nach Bio sei nicht so gross, wie viele glauben mögen. Die höheren Preise für Bioprodukte seien «absolut gerechtfertigt», aber für viele Konsumenten halt zu teuer.

Notsituationen durch Bioumstellung?

Mit der Verpflichtung zur Umstellung auf Bio könnten gewisse Höfe auch in Notsituationen gebracht werden, warnt Schürch. Statt einfach generell Bio zu fordern, sollte heutzutage auch IP-Suisse als Alternative geprüft werden. Dieses Label erfülle in den Bereichen Biodiversität, Klimaschutz, Ressourceneffizienz und Tierwohl bereits heute sehr hohe Anforderungen. Gleichwohl seien die Produkte günstiger als Bioprodukte und dadurch lasse sich ein grösserer Kundenkreis für eine natur-, tier- und klimafreundliche Landwirtschaft gewinnen.

Nach der Pensionierung des Pächterpaar Schürchs in rund drei Jahren möchte die Stadt Basel den Neuhof auch auf Bio umstellen, glauben Susanna und Christian Schürch. Rolf Borner, Geschäftsleiter von Immobilien Basel-Stadt, wehrt sich gegen den Vorwurf, sie würden als Verpächter prinzipiell Bio fordern. «Die Vorgabe einer Biolandwirtschaft erfolgt nur, wenn dies aus betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoll und umsetzbar ist.» Der Kanton lasse sich dabei vom Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain in Sissach beraten. Eine solche Beurteilung fände vor allem bei Neuvergaben der Pacht statt. Dass es dabei auch um eine Vorbildrolle des Staates als Hofbesitzer gehe, wie dies die Gemeinde Riehen sein möchte, sagt Rolf Borner nicht. Die Stadt Basel besitzt insgesamt sieben Höfe, von denen vier nach den Biostandards und zwei nach IP-Suisse betrieben werden: Bäumlihof (Riehen), Brohegasse (Bettingen), Klosterfiechten (Basel), St. Margarethen (Binningen), Neuhof (Reinach), Neumatthof (Aesch) und Oberaesch (Duggingen).

Dass der Kanton Basel-Stadt Bauernhöfe besitzt, rührt noch aus den Zeiten der beiden Weltkriege, als der Staat Pachthöfe erworben hat, um damit die Versorgungssicherheit der Basler Bevölkerung zu gewährleisten und zu unterstützen. Heute solle mit den Pachthöfen den Einwohnern der Stadt Basel der Zugang zum landwirtschaftlichen Gewerbe ermöglicht werden, erklärt Rolf Borner, Geschäftsleiter von Immobilien Basel-Stadt.

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