Flugverkehr
Bruchlandung wegen Corona: Euro-Airport mit Passagier-Rückgang von 71 Prozent

Der binationale Flughafen zählte im vergangenen Jahr 2,6 Millionen Passagiere – im Vorjahr waren noch 9,1 Millionen Fluggäste via Basel–Mülhausen geflogen. Angesichts der unsicheren Aussichten werden jetzt Bauprojekte eingefroren und es gibt einen Einstellungsstopp.

Benjamin Wieland
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Der EAP kämpft weiterhin mit der Pandemie. Weil, wie hier im März 2020, etliche Flüge ausfielen, ist das Geschäftsergebnis getrübt.

Der EAP kämpft weiterhin mit der Pandemie. Weil, wie hier im März 2020, etliche Flüge ausfielen, ist das Geschäftsergebnis getrübt.

Kenneth Nars/bz-Archiv

Nach dem Rekordjahr folgt der Einbruch. 2019 flog der Euro-Airport (EAP) mit 9,1 Millionen abgefertigten Fluggästen das beste Ergebnis seiner Geschichte ein. Das Coronajahr 2020 beendete den Höhenflug abrupt. Die Zahl der Passagiere ging um 71 Prozent auf 2,6 Millionen zurück – und die Aussichten sind weiterhin trüb, wie EAP-Direktor Matthias Suhr an der Jahres-Medienkonferenz des Flughafens am Donnerstag bekanntgab. Doch es gibt auch positive Nachrichten vom binationalen Airport. Bei der Fracht wurde im vergangenen Jahr gar ein Wachstum verzeichnet.

Auch die Geschäftszahlen sind weniger schlecht, als man angesichts der miserablen Umstände erwarten könnte. Der Umsatz ging 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent zurück, von rund 160 Millionen auf 80 Millionen Euro. Beim Betriebsergebnis werde jedoch eine «schwarze Null» erwartet, sagte Vize-Direktor Frédéric Velter an der Medienkonferenz. Netto verbleibe ein Minus von 20 Millionen Euro. Der definitive Rechnungsabschluss liegt aber noch nicht vor, es handelt sich also um vorläufige zahlen.

EAP kann mit eigenen Mitteln bis Ende 2021 überleben

Direktor Matthias Suhr sagte, trotz «annus horribilis» 2020 brauche man sich derzeit um den EAP keine Sorgen machen: «Wir können garantieren, dass wir genügend Liquidität haben. Wir können von unseren Reserven leben. Wenn die Situation jedoch noch lange andauert, also über 2021 hinaus, werden auch wir in Schwierigkeiten geraten.» Es würden jedoch weiterhin, betonte Suhr, keine staatlichen Finanzhilfen angestrebt, mit Ausnahme der jeweiligen Kurzarbeitsregelungen Frankreichs und der Schweiz. Je nachdem, auf welches Land ein Arbeitsvertrag von EAP-Angestellten ausgestellt ist, kommt eine der beiden Regelungen zum Tragen.

Der EAP versuche, seine Kosten zu senken, sagte Suhr. So sei ein Anstellungsstopp verfügt worden, ebenso gebe es Anreize zu Frühpensionierungen. Ziel sei es, die Arbeitsplätze möglichst zu erhalten. Auch Infrastrukturprojekte wurden sistiert, etwa die Planungen für ein neues Parkhaus. Eine Ausschreibung zur Erneuerung von Terminanlagen wurde abgebrochen, die teilweise bereits umgesetzte Modernisierung des Ankunftsbereichs wird derzeit nicht fortgesetzt.

Pristina am beliebtesten, Easy Jet bleibt Platzhirsch

Bei den Destinationen rutsche Pristina auf den ersten Platz, vor Istanbul, London, Amsterdam und Berlin. Platzhirsch Easy Jet legte während des ersten Lockdowns im Frühling seine Flotte praktisch still. Die Billigairline bleibt jedoch klar die Nummer 1 am EAP. 2020 hat Easy Jet einen Marktanteil von 59 Prozent, vor Wizz Air (12 Prozent) und Pegasus (4 Prozent). Bei den bedienten Destinationen fiel der Rückgang überschaubar aus. Statt 100 Flugzielen wie im Sommer 2019 waren es im vergangenen Sommer deren 80, im Winterflugplan standen 65 Destinationen im Angebot (2019:80). Was bei den Flugbewegungen erstaunt: Das Total sank um fast 50 Prozent, von fast 99'313 Bewegungen 2019 auf noch 51'577 im vergangenen Jahr. Doch bei den Privatflugzeugen resultierte ein Plus von beachtlichen 9 Prozent. Das seien zu einem grossen Teil Sportflugzeuge, hiess es an der Medienkonferenz.

Suhr beklagte sich gegenüber der bz über die Ungleichbehandlung der Verkehrsträger, was die staatlich auferlegten Restriktionen betrifft. Beim Flugverkehr sei man wesentlich strenger bei Einreisen als beim Bahn- und beim Autoverkehr. «Da fragt man sich: Befällt das Virus nur die Luftfahrt? Für uns ist das ein Killer», sagte Surh. Der Bundesrat gab bekannt, dass ab 8. Februar alle in die Schweiz einreisenden Flugpassagiere einen negativen Coronatest vorweisen müssen, für Risikoländer gilt zudem eine Quarantänepflicht. Frankreich hat schon zuvor ähnliche Regelungen erlassen.

«Als Flughafenchef sehe ich das nicht ein»

«Ich weiss nicht genau, was die Überlegungen hinter den unterschiedlich strengen Regelungen sind. Als Flughafenchef sehe ich das nicht ein.» Eine Erklärung könne sein, ergänzte Suhr, dass der Flugverkehr sehr gut organisiert und kontrolliert sei, die Massnahmen also auch tatsächlich umgesetzt und überprüft werden könnten.