Die geplante Tagesklinik auf dem Bruderholz ist das Schlüsselelement des künftigen Universitätsspitals Nordwest. Anstelle des heutigen stationären Spitals mit dem Bettenhochhaus aus den 1970er-Jahren wollen das Kantonsspital Baselland (KSBL) und das Universitätsspital Basel (USB) im Rahmen ihrer Fusion ein Ambulatorium bauen, das zudem zum führenden orthopädischen Kompetenzzentrum der Schweiz werden soll. Allerdings wird das neue Angebot – vor allem von Politikern aus der Stadt – infrage gestellt. Neben Zweifeln am medizinischen Sinn und Zweck der neuen Klinik stösst vor allem der Standort auf Kritik: Warum den Fehler von vor 50 Jahren wiederholen und erneut auf dem Hügel im Grünen neu bauen, fernab eines Bahnhofs oder einer Tramlinie?

Die Verantwortlichen von USB und KSBL wollen mit allen Mitteln vermeiden, dass die Tagesklinik auf dem Bruderholz an einer Debatte über die Verkehrsanbindung scheitert. So hat KSBL-CEO Jürg Aebi intern angeregt, dass das Universitätsspital Nordwest allenfalls ein eigenes Transportangebot fürs Bruderholz auf die Beine stellt. Zwei Ideen möchte Aebi gemäss Recherchen der bz näher prüfen lassen: Das Spital könnte selber einen Shuttle-Bus betreiben, der zwischen dem Basler Unispital-Standort, dem Bahnhof SBB und der neuen Klinik auf dem Bruderholz verkehrt. Oder aber das Spital schliesst einen Vertrag mit einem Taxi-Unternehmen, das Patienten gratis und franko aufs Bruderholz bringt.

KSBL-Chef Aebi preschte vor

Laut USB-Sprecher Thomas Pfluger ist die Idee Aebis im Steuerungsausschuss der Spitalgruppe noch nicht diskutiert worden. Dafür sei es noch zu früh, sagt Pfluger. Es stünden verschiedene Ideen und Visionen im Raum. «Zusammen mit den beiden Transportunternehmen BVB und BLT werden wir Verbesserungen für die Anbindung an den öffentlichen Verkehr prüfen», sagt Pfluger auf Anfrage.

Bei der BLT heisst es dazu, es seien mit dem Bruderholzspital schon Gedanken über Möglichkeiten einer Bahnhofsverbindung ausgetauscht worden. «Konkrete Verhandlungen zwischen dem KSBL und der BLT hat es aber bisher keine gegeben», sagt Fredi Schödler, stellvertretender Direktor des Unternehmens. Im Übrigen ist man bei der Spitalgruppe der Meinung, dass das Bruderholz bereits heute für Patienten und Besucher «bestens» mit dem öV oder dem Auto erreichbar sei. 25 Minuten dauere die Fahrt vom Bahnhof SBB, zehn Minuten ins Birs- oder Leimental, sagt Pfluger.

Überangebot in der Orthopädie

Allerdings: Eine öV-Verbindung aus der Stadt aufs Bruderholz ohne Umsteigen gibts – obwohl bereits vor Jahren politisch gefordert – bis heute nicht. Der Basler SP-Grossrat Kaspar Sutter schüttelt über die Beteuerungen, das Bruderholz sei bereits heute gut angebunden, den Kopf. «Die Bemühung der Spitäler für einen Shuttle zum Bruderholz zeigen ja deutlich, dass die Spitalverantwortlichen selber mit der heutigen Erreichbarkeit nicht zufrieden scheinen», sagt er. Warum auf dem Bruderholz fernab der Patientenströme ein Ambulatorium aufgebaut werden soll, sei schwierig zu erklären. Es gebe punkto Erreichbarkeit sicher viel bessere Standorte als das Bruderholz, findet Sutter. Etwa das Dreispitz-Areal. Oder auch Muttenz.

Mélanie Krapp (FDP), Gemeindepräsidentin von Bottmingen, auf dessen Boden das Ambulatorium zu stehen kommt, lobt zwar die «entspannende und schöne Lage im Grünen mit Aussicht». Sie erklärt aber auch, dass ein Spital mit regionaler Ausstrahlung von den bevölkerungsreichsten Gemeinden im Leimental und Birstal ohne Umsteigen zu erreichen sein sollte.

«Gerade im Bereich der Orthopädie ist die Erreichbarkeit entscheidend, so ist die Merian Iselin-Klinik von fast allen Punkten der Stadt einfacher erreichbar als das Bruderholz», sagt Kaspar Sutter. Viel kritischer als die Erreichbarkeit ist aber das heutige Überangebot in der Orthopädie im Raum Nordwestschweiz.

Das Basler Gesundheitsdepartement sei derzeit daran, eine Orthopädiestudie zu verfassen. So lange deren Ergebnisse nicht bekannt seien, sollten keine solchen Grossinvestitionen im Bereich der Orthopädie geplant werden, weder auf dem Bruderholz noch anderswo.