Podium

Brutschin diskutiert mit Anwohnerinnen über Gift im Klybeck - Das Unbehagen bei vielen bleibt

Blick auf das Klybeck plus Areal.

Blick auf das Klybeck plus Areal.

Seit Jahren erhebt Altlastenexperte Martin Forter Vorwürfe an das Amt für Umwelt und Energie AUE. Im Klybeck sei nie systematisch nach den 2'000 Stoffen gesucht worden, die die chemische Industrie einst im Klybeck nutzte. Weil das AUE nie nach allen Stoffen suchte, habe es die Altlastenverordnung nie richtig umgesetzt, so der Vorwurf. Gestern diskutierten Regierung, Experte und Anwohnerinnen über die Altlasten im Klybeck.

Es gebe keine feste Sitzordnung im Podium, informiert Basta-Grossrätin Tonja Zürcher Christoph Brutschin, als dieser seinen Platz sucht. Wie selbstverständlich setzt sich der Umweltvorsteher ganz aussen hin – in grösster Entfernung zu Martin Forter, Altlastenexperte und Geschäftsführer der Ärztinnen und Ärzte für den Umweltschutz (AefU). Dazwischen nehmen Tonja Zürcher und Moderatorin Claudia Kenan vom «SRF Regionaljournal» Platz. Eingeladen haben die AefU und die IG Klybeckinsel. Als Vertreterin von Letzterer begrüsst Basta-Co-Präsidentin Heidi Mück das Publikum im Stream und im Quartiertreffpunkt Klybeck-Kleinhüningen.

Seit Jahren erhebt Forter Vorwürfe an das Amt für Umwelt und Energie AUE. Nie sei systematisch nach den 2000 Stoffen gesucht worden, die die chemische Industrie einst im Klybeck nutzte. Etwa das blasenkrebserregende Benzidin, von dem laut Forter bis 1950 2'000 bis 4'000 Tonnen verwendet wurden. Weil es nie nach allen Stoffen suchte, habe das AUE die Altlastenverordnung nie richtig umgesetzt.
Forter, Zürcher und Brutschin geben sich in der Debatte betont freundlich. Journalistin Kenan moderiert hingegen sehr bestimmt. Zum Einstieg fragt sie Brutschin, ob Forter beim Recherchieren «überbeisse». «Das will ich nicht beurteilen», antwortet Brutschin. Er schätze das Engagement. Inhaltlich stellt sich Brutschin auf den Standpunkt, der Kanton sei der «falsche Adressat» für die Vorwürfe. «Damit mehr als 2000 Stoffe überwacht werden, braucht es eine Änderung der Altlastenverordnung.» Man müsse auf Bundesebene ansetzen.

Im Dezember suchte das AUE auf Brutschins Wunsch im Klybeck erstmals nach Benzidin. Weil die im Grundwasser gefundene Konzentration unter den Grenzwerten liegt, soll die Untersuchung einmalig bleiben. Auch dies wurde kritisiert.

Reihenweise Fragen und Forderungen

Ob es um die frühere Chemiedeponie neben dem Spielplatz Ackermätteli geht, Kritik an den Messmethoden oder die Frage, wer zahlt, wenn in den Klybeck-plus-Arealen Sanierungen nötig sind: Brutschin betont, dass die jeweils verantwortlichen Behörden professionell arbeiten und aus Fachpersonen bestehen. «Anders als Martin Forter und ich: Wir sind beide keine Experten.» Grossrätin Tonja Zürcher ist mehrfach «ungut überrascht»: Darüber, dass Brutschin die Verantwortung an die Bundespolitik weitergibt, oder darüber, dass eine «rot-grüne Regierung auf dem Minimum besteht». Als Quartierbewohnerin erwarte sie, dass überall gesucht werde, wo man mit einer Belastung rechnen könne.

Eine Lehrerin aus dem Schulhaus Ackermätteli sagt, sie sei bis heute befremdet von
den «widersprüchlichen Meldungen» zu den Untersuchungen um den Spielplatz. Brutschin lädt sie zur Einsichtnahme ins AUE ein. Von einer «schwer beunruhigten» Bevölkerung, einem Amt, das kein Vertrauen herstellt, und «einem Regierungsrat, dem vielleicht nicht bewusst war, wie drängend das Thema ist», spricht Christoph Moerikofer vom Verein Zukunft Klybeck. Er fordert eine Begleitgruppe, wie es sie bei der Deponie im jurassischen Bonfol gibt. «Was ich mitnehme, ist, was Sie sagen», reagiert Brutschin. Auch eine Begleitgruppe könne er sich gut vorstellen.

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