Circus Monti
Zirkus feiert Premiere: Unter diesem Zelt dreht sich die Welt ein Stück traumhafter

Der Circus Monti sorgt mit der Inszenierung seiner Gründungsgeschichte für Standing Ovations.

Tanja Opiasa-Bangerter
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Bis zum 29. August ist der Circus Monti in Basel. Danach ziehen die Artistinnen und Artisten weiter nach Aarau.

Bis zum 29. August ist der Circus Monti in Basel. Danach ziehen die Artistinnen und Artisten weiter nach Aarau.

Bild: zvg

«Geographie», schreibt der Lehrer auf die Wandtafel. Aus der Ferne klingt subtil eine pentatonische Tonleiter. Seine Schüler tuscheln. Einer wippt rhythmisch mit dem Fuss. Ein anderer schnippt mit den Fingern. Gemeinsam verfällt das Ensemble einer mitreissenden Choreografie. Und das Basler Premierenpublikum gleich mit. Bis Ernesto, der Pädagoge mit zurück gekämmtem Haar, einen strengen Blick in die Reihen wirft – und fasziniert innehält.

In schwindliger Höhe bilden seine Schützlinge – darunter auch sein Schwarm Helmina – eine Pyramide. An deren Spitze hält eine Artistin verträumt eine Weltkugel in den Händen. Ein Lächeln huscht über Ernestos Gesicht, das er gleich wieder verbirgt. Doch spätestens als die Wandtafel zu rollen beginnt und sich dahinter eine neue, bunte Welt verbirgt, ist er erwacht – der Traum vom Leben im Zirkus.

Eine Hommage an das Gründerpaar

In der ersten Spielzeit nach der Zwangspause gelingt dem Circus Monti vor neuem Bühnenbild und dem Programm «Cirque je t`aime» eine traumhafte Hommage an dessen Gründer Hildegard und Guido Muntwyler. Das ehemalige Lehrerehepaar tauschte das Klassenzimmer mit der Manege und gründete 1985 ihren eigenen Zirkus.

Der Bezug zum Gründerpaar wurde durch die ganze Vorstellung hindurch offensichtlich.

Der Bezug zum Gründerpaar wurde durch die ganze Vorstellung hindurch offensichtlich.

Bild: zvg

Die Erfolgsgeschichte die sich zwischen Faszination, Herzblut und Beharrlichkeit bewegt wird in den nächsten zwei Stunden unter der Regie von Kanadierin Marie-Josée Gauthier zu einem anspruchsvollen und authentischen Gesamtkunstwerk. Dem 14-köpfigen internationalen Ensemble, das mehrheitlich aus Jungabsolventen der Montréaler Talentschmiede École Nationale de Cirque stammt, gelingt es Artistik in neue Sphären zu heben.

Theaterlicht statt Spezialeffekte

Neuland betreten auch Ernesto und Helmina, inszeniert vom französischen Schauspieler und Zirkusartist Antoine Boissereau und der Luftring-Artistin Julia Stewart. «Es ist eine Ehre diese Geschichte spielen zu dürfen», sagt die Kanadierin und schwärmt von dem theatralischen Charakter des Programms.

«Wann sind wir Schauspieler und wann Zirkusartisten?»,

fragt Stewart und erklärt, wie intensiv man an diesen Finessen gearbeitet habe.

Sechs Monate Manegenzeit später stolpert Ernesto in einen ersten Tanz mit Helmina. Und nach zwei Jahren legt er am Vertikaltuch schliesslich jede Unbeholfenheit ab. Die Strenge in seinen Gesichtszügen ist einem gelösten Ausdruck gewichen.

Johannes Muntwyler ist der Direktor des Circus Monti.

Johannes Muntwyler ist der Direktor des Circus Monti.

Bild: Claudio Thoma
«Wir zelebrieren den Traum meiner Eltern weiter»,

sagt ein sichtlich bewegter Johannes Muntwyler hinter den Kulissen. Im letzten Jahr sei ihm bewusst geworden, wie sehr er die Welt des Zirkus vermisst habe. Für ihn sei deshalb klar gewesen: «Wenn wir zurückkommen, dann analog und nahe am Publikum.» Auf ein ausgeklügeltes Lichtdesign oder Spezialeffekte habe er verzichtet und stattdessen Theaterlicht verwendet.

Familienzirkus als Seltenheit

Die euphorische Atmosphäre im Zelt gibt ihm Recht. Die leisen Zwischentöne und langen Nummern fesseln auch die Kleinsten. Zu einem Solo von Saxofonisten und Kapellmeister Piotr Gunia performt Akrobat Antino Pansa mit einer galanten Leichtigkeit auf seinem Schlappseil. «Ich konnte nicht mehr aufhören zu grinsen – das Publikum war «Feuer und Flamme», betont der in Französisch-Guayana geborene Schlappseiltänzer, der das Leben im Zirkuswagen geniesse und mit Nachdruck sagt:

«Es ist einer der letzten echten Familienzirkusse.»

Nach einer rasanten Performance der Schleuderbrettpartner Oskar Norin und Anton Persson kündet sich die Zukunft von Ernesto und Helmina durch ein Zelt in Miniaturformat an. «Dieses 27-jährige Original sicher zu transportieren, ist für mich der stressigste Moment der Show», scherzt Clown Stefan Swoboda. Dieses schwebt sicher über den Manegenboden. An den Begeisterungsstürmen der Zuschauer gemessen, scheint sich auch der Zelthimmel ein wenig zu heben.

Weitere Informationen und Tickets unter: www.circus-monti.ch

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