Basel

Cliquen-Auftritte sorgen am Drummeli für gute Stimmung

Alles in allem kann sich - ausser jenen in den ersten Reihen des Musical-Theaters - niemand ernsthaft beklagen: Musikalisch war die zweite Auflage des Drummelis im neuen Spielort ein durchschlagender Erfolg.

Herausragend der satte Trommelvortrag der Olymper, die mit ihrem «Römer» einen Klassiker der Trommelkunst stilgerecht zelebrierten.

Der Rahmen dagegen ist - wie fast allewyl - zwar gut gespielt, aber sehr Kürzungs-bedürftig. Es klemmt aber nicht nur beim Rahmen, es raucht und nebelt auch noch unnötig viel. Darum war es durchaus sinnvoll, dass der Sprecher des Fasnachts-Comités dauernd nach einem Arzt im Publikum gesucht hat, wenn er nicht gerade ebenso verzweifelt nach dem Fahrer jenes Jeeps mit BL-Nummernschild fahndete, der seinen Wagen umparkieren sollte.

Danach war mit der Seibi bereits ein optischer Leckerbissen auf der Bühne: Ihr «Hanswurscht» vor Pieter Breughels «Der Kampf zwischen Karneval und Fasten» ist stimmungsvoll. Und wie sich gelangweilt wartende Trampassagiere blitzschnell in eine Fasnachtsformation verwandeln lassen, demonstrierte d Pfluderi, deren «Festival Marsch» aber wohl noch etwas Schliff braucht.
Als weiterer «roter Faden» meldet sich auch immer wieder d «Drummeli Leidstell». Sie soll ebenso verbindend wirken wie die Zwischenspiele mit pointierten Texten. Die haben dem Personal des Drummeli-Ensembles (in alphabetischer Reihenfolge) mit Urs Bihler, Heidi Diggelmann, Charlotte Heinimann, Marcel Mundschin, Andrea Phähler und Kurt Walter Gelegenheit zu solistischen Einlagen gegeben.

Mit einem ganzen Harst Trommler und Pfeifer präsentiert sich die Jungi Lälli, die als erste junge Garde überhaupt ihr 100-jähriges Bestehen feiert und dazu ihren von Roman Huber komponierten «Jubelmarsch» - melodiös und präzis - uraufgeführt hat. Dass ihnen danach der Stamm mit der «Regimentstochter» ein gepflegtes Ständchen gebracht hat, reichte da und dort in der näheren Umgebung auch für ein paar rührungsbedingte Tränchen.

Gestylte choreografierte Tiere

Gestylt choreografiert waren auch die Aagfrässene, die ihren «Leopard» in der Serengeti oder so zur Uraufführung gebracht haben.

Um Tiere ging es auch beim ersten eigentlichen Rahmenstiggli. Bei denen kämpfte die erstmals Regie führende Bettina Dieterle häufig mit der Grösse der Bühne, die sich nicht immer so vorteilhaft für sportliche Eskapaden einsetzen liess, wie eben bei diesem «Plätzli gsuecht», wo sich - neben dem Schosshündchen Tamara - vorwiegend SVP-Prominenz wie der lustige Karli aus Riehen, der ganz rüde Rüde Chaspar, der eine starke Führungshand braucht, aber auch der «Schnüsel» Sommeli tummelte, der schon so oft seinen Besitzer gewechselt hat.
Mit dem «Lisettli» liess der Barbara Club danach ebenso schöne, wie alte Zeiten aufleben, wie nach ihnen d Giftschnaigge, die als alte Kameraden und dem gleichnamigen Marsch den HD Läppli wieder einmal auf die Bühne brachten.

Ungewohnt verhalten präsentierte sich der Schwoobekäfer, der erstmals einen Drummeli-Auftritt hatte. Der sonst so akkurat artikulierende Comité-Bänggler blieb diesmal eher blass. Das wiederum waren die Pfadfinder der Wiehlmys nicht, die zwar durch den Wald irrten, aber den gleichnamigen Marsch gemeinsam intonierten.

Märtplatz und Messingkäfer

Nach einem weiteren Zwischenspiel kam die «Märtplatz» zu ihrem Auftritt: Ihr neue Marsch «Gendarme», den Stephan Trüb für die Pfeifer arrangiert hat - der Trommeltext stammt von Andri Obrist - wusste zu gefallen. Genau so wie danach die spritzige Beach-Party, der jubilierenden Guggemuusig Messingkäfer.

Der Versuch, die Bühne für den Rahmen auf ein Kasperlitheater zu reduzieren, ist nur halbwegs gelungen. Gleiches gilt auch für die Balkonszene, der es ebenfalls Spritzigkeit fehlt.
Halten wir uns also an die musikalischen Spitzen: An die CCB-Version des «Prisonnier de Hollande», die der Central Club hinter Gittern intoniert. Oder an den von Werner Hagen arrangierten Rätz Bossa Nova, den der gleichnamige Stammverein mit vielen ungewohnten Perkussionsinstrumenten vor einer Hafenkulisse zelebriert. Den Vogel abgeschossen hat aber der Dupf-Club, der seine gestandenen Mannen in der Kulisse des Wiener Neujahrskonzerts auf ihren Bäuchen den Radezky-Marsch klatschen lässt, bis diese ganz rot geworden sind.

«Sodeli» heisst es nach dem «Gspänschtli» der Rootsheere-Clique. Die Hommage der Naarebaschi an das unvergessene Bötschli und die Kuttlebutzer - komponiert von Beery Batschelet und einem Trommeltext von Yvan Kym - hat berührt.

Das sollte eigentlich auch der Rahmen mit dem Namen «Papperlapapp - oder die alti Fasnacht kunnt». Tat es aber nur bedingt. Danach setzte die Nebelorgie als «zarte Winterstimmung» für die Basler Bebbi und ihr «Na Sdarowie» so richtig ein...

Aber lassen wir das: Mit der Uraufführung von Mark Bächles «Escamilo» setzten die Opti-Mischte vor allem ihrem Kastagnetten-Ensemble ein schönes Denkmal. Super! Das gilt auch für den Comité-Bäggler Singvogel, der mit seinem «Plutonium macht vergässlig» einen Running Gag eingebaut hatte, den das gut gelaunte Premieren-Publikum schnell verinnerlicht hatte.

Bliebe noch das grandiose Finale, das von den «Gaischter der Karibik» der jubilierenden Gugge Grunz Gaischter eingeblasen wurde, sich über die Musical-Reverenz «s Comité präsentiert» und die präzise «Pfyffer Daagwach» der Muggedätscher und Verschnuuffer fortsetzte, bis sich all diese Elemente zum tollen Schlussbild formierten. Da kann man nur sagen: Chapeau!

Meistgesehen

Artboard 1