Corona-Impfung
Basel drosselt das Impftempo – dem Unispital-Direktor platzt der Kragen

Unispital-Direktor Werner Kübler fordert seine Belegschaft unverhohlen dazu auf, nicht auf eine Basler Impfung zu warten. Kantonsapothekerin Ammann beschwichtigt.

Benjamin Rosch
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«Tatsächlich fällt Basel bei der Covid-19-Impfung des Gesundheitspersonals im nationalen und internationalen Vergleich ab»: Werner Kübler (r.) nimmt kein Blatt vor den Mund.

«Tatsächlich fällt Basel bei der Covid-19-Impfung des Gesundheitspersonals im nationalen und internationalen Vergleich ab»: Werner Kübler (r.) nimmt kein Blatt vor den Mund.

Nicole Nars-Zimmer

Es gab eine Zeit, da galt Basel-Stadt als Musterkanton der Corona-Bekämpfer. Das Impfzentrum in der Messehalle stand zu einem Zeitpunkt betriebsbereit, da begannen in anderen Teilen der Schweiz erst die Vorbereitungen dazu. Bald setzte Basel die ersten Spritzen, steil stieg kurz darauf die Zahl der Geimpften. Auch beim Pflegepersonal beging der Stadtkanton einen Sonderweg: Das Unispital erhielt bereits im Januar 200 Impfdosen für ihre Leute an der Front, das Kinderspital weitere 100 – sogar der CEO gönnte sich dort eine (zu) frühe Dosis.

Inzwischen ist Basel-Stadt zurückgekehrt zum Protokoll des Bundes. Sprich: Primär bestimmt das Alter über den Zeitpunkt der Impfung. Generell wurde das Impftempo gedrosselt. Aktuell dümpelt Basel-Stadt im unteren Drittel der Kantone, deutlich unter dem Schweizer Schnitt der Impfquote. Das ruft einen prominenten Kritiker auf den Plan. Unispital-Direktor Werner Kübler setzte gestern im Intranet der Klinik zu einer Volte an, die kaum anders verstanden werden konnte, denn als Angriff auf Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger und dessen Departement.

«Bajour» zitierte aus dem Text: «Tatsächlich fällt Basel bei der Covid-19-Impfung des Gesundheitspersonals im nationalen und internationalen Vergleich ab.» Nur durch Druck und viele Verhandlungen hätte das Unispital bislang 2860 Impfdosen erhalten, bei insgesamt 7500 Mitarbeitenden. Küblers Rat an die Belegschaft: Man solle sich selber um eine Impfung kümmern, «unabhängig davon, wo das geschieht».

Die Antwort der Kantonsapothekerin Esther Ammann liess nicht lange auf sich warten

«Wir alle wünschen uns, dass wir schneller mehr Leute impfen können», schreibt sie auf Anfrage. Am Universitätsspital gehörten allerdings mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden nicht zur Gruppe des Gesundheitspersonals mit direktem Patientenkontakt, darunter zusätzlich auch viele, die ihren Wohnsitz nicht im Kanton Basel-Stadt haben. «Würden wir sämtliche Angestellten des USB prioritär impfen, würden wir die Basler Bevölkerung benachteiligen.» Die letzten Dosen ans Unispital für Mitarbeitende mit Patientenkontakt verspricht der Kanton in der ersten Maiwoche zu liefern.

Die verlangsamte Impfprozedur erklärt Ammann derweil mit befürchteten Lieferengpässen: «Der Wunsch, nicht unnötig Dosen zu horten, ist verständlich. Aber wir müssen gewisse Reserven haben, um Lieferschwierigkeiten auffangen zu können.»