Kommentar

Corona-Massnahmen: Lex Rave

Patrick Marcolli
Wegen der Coronakrise geschlossene Restaurants in der Steinenvorstadt im April 2020.

Wegen der Coronakrise geschlossene Restaurants in der Steinenvorstadt im April 2020.

Schon wieder müssen Vereine, Nachtclubs, Sportvereine, Restaurants mit Bars sowie Kultur- und Konzertveranstalter über die Bücher. In den Nordwestschweizer Kantonen gilt bis Ende Jahr ein neues Coronaregelwerk. Die Behörden ziehen die Schrauben an. Das trifft Branchen, die vom Virus und der politischen Reaktion darauf sowieso schon arg gebeutelt worden waren. Nun wird munter weitergebastelt werden müssen. Wer darf sich wo, wann, zu wievielt unter welchen Schutzmassnahmen aufhalten? Der unternehmerischen Fantasie sind bei der Umsetzung erneut kaum Grenzen gesetzt. Dem entsprechenden Ärger und den ökonomischen Nöten wohl ebenso nicht.

Je länger die Corona-Krise andauert, desto problematischer ist dieses Hin und Her. Die Menschen können und wollen nicht mehr alles im Namen des Gesundheitsschutzes nachvollziehen. Ausdruck dieser Gegenbewegung – dieses Tanzes auf dem Vulkan – sind die Rave-Partys, die in jüngster Zeit als Orte des Superspreadings in die Schlagzeilen geraten sind. Auch darauf haben die Behörden nun reagiert. Jede Einschränkung der persönlichen Freiheit muss künftig aber noch besser durchdacht und begründet werden als zu Beginn der Pandemie. Man fragt sich bei den gestern verkündeten Massnahmen: Warum gerade jetzt? Warum nur die Nordwestschweizer Kantone? Warum diese Strenge? Aus dieser Intransparenz folgt unweigerlich: Die Front im Kampf gegen diese Pandemie wird immer mehr bröckeln.

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Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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