Coronapandemie
Steigende Fallzahlen, aber noch kein neuer Anbieter für Contact-Tracing in Basel gefunden

Die Firma, die Basel-Stadt ohne Ausschreibung ausgewählt hat, darf den Auftrag vorerst weiter ausführen.

Helena Krauser
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Der Kanton sucht eine externe Firma fürs Contact-Tracing.

Der Kanton sucht eine externe Firma fürs Contact-Tracing.

Bild: Alexandra Wey

Die Corona-Fallzahlen sind in den letzten Tagen wieder gestiegen. Am Dienstag vermeldete das Gesundheitsdepartement 42 neue Fälle. Nun rückt das Contact-Tracing wieder in Fokus, werden Stimmen laut, dass Contact-Tracing wieder an Wichtigkeit gewinnt. «Insbesondere bei der direkten Unterbrechung von Infektionsketten ist das Contact-Tracing von grosser Bedeutung», sagt Valentin Kressler vom Gesundheitsdepartement.

In den letzten vier Wochen seien 412 Neuinfektionen im Kanton Basel-Stadt registriert worden, heisst es im Coronavirus-Bulletin vom Dienstag. Dabei konnten 66 Prozent der Neuinfektionen bekannten oder vermuteten Ansteckungsquellen zugeordnet werden. Von den bekannten Quellen haben sich nach Angaben des Kantons die meisten Personen in der Familie (39 Prozent), auf Reisen (20 Prozent), bei der Arbeit (7 Prozent) oder bei einem Familientreffen (7 Prozent) angesteckt.

Firma aus Freihandverfahren hat Auftrag weiterhin

Das Contact-Tracing in Basel-Stadt sei sehr gut aufgestellt für einen kommenden Anstieg der Fallzahlen, sagt Kressler. Allerdings konnte der Kanton noch keinen neuen Anbieter für die Umsetzung des Contact-Tracings finden. Die erste Ausschreibung vom Juni dieses Jahres wurde im September wegen einer missverständlichen Formulierung abgebrochen. Im Oktober folgte deshalb die zweite Ausschreibung mit neuen Fristen. Von Ende Oktober wurde der geplante Beginn für die Zusammenarbeit nun auf den ersten Januar verschoben. Somit würde die externe Firma ihre Tätigkeit erst mitten im Winter aufnehmen, wenn die Fallzahlen erfahrungsgemäss am höchsten sind. Das sei aber kein Problem, denn: «Bis zum Abschluss dieses Verfahrens wird das Contact-Tracing vom bisherigen externen Leistungserbringer unterstützt.»

Dieser bisherige Leistungserbringer ist die Divendo GmbH. «Der Auftrag wurde aufgrund der Dringlichkeit letzten Herbst im Freihandverfahren befristet an eine in Basel ansässige Firma vergeben», sagte Kressler im Juni zu der bz.

Da inzwischen die vergaberechtlichen Grenzwerte überschritten seien und der Bestand der Dringlichkeit aufgrund der zwischenzeitlich verbesserten epidemiologischen Lage nicht mehr geltend gemacht werden könne, sei das Gesundheitsdepartement gemäss Gesetz über öffentliche Beschaffungen dazu verpflichtet, diese Leistungen künftig im Rahmen eines ordentlichen Ausschreibungsverfahrens zu vergeben.

Arbeitsvolumen vom Verlauf der Pandemie abhängig

Nun suche man einen Partner aus dem Callcenterbereich für eine längerfristige Zusammenarbeit, so Kressler. Das Unternehmen solle für das Gesundheitsdepartement einen Contact-Tracing-Stand-by-Betrieb unterhalten, welcher im Falle wieder ansteigender Fallzahlen in der Lage wäre, rasch Kapazitäten hochzufahren. Innerhalb von einer Woche müsste das Unternehmen beispielsweise fähig sein, 920 Anrufe pro Woche zu tätigen. Nach 14 Tagen sollten dann die gesamten Kontaktaktivitäten übernommen werden können. Vorgesehen sei ein Vertrag, welcher einen Sockel an Stand-by-Leistungen finanziert. Operative Leistungen im Contact-Tracing würden nur abgegolten, wenn sie effektiv anfallen, es also Fälle gibt. Das Kostendach für die Vertragslaufzeit bis Ende 2022 beträgt insgesamt 700'000 Franken.

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