Fehlende Liste
Coronatest beim Hausarzt? Nur Baselland sagt nicht, wo es möglich ist

Basel-Stadt und Solothurn veröffentlichen Listen aller Hausärzte, die Covid-19-Abstriche anbieten. Auch im Baselbiet helfen Arztpraxen, das kantonale Testzentrum zu entlasten. Der Kanton hat aber weder selbst eine Übersicht, noch möchte er eine Liste publizieren. Die Begründung irritiert.

Michael Nittnaus
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Mittlerweile kann man sich auch bei vielen Hausärzten testen lassen - aber längst nicht bei allen. (Symbolbild)

Mittlerweile kann man sich auch bei vielen Hausärzten testen lassen - aber längst nicht bei allen. (Symbolbild)

bz

Die Corona-Fallzahlen in der Region steigen genauso wie die Unsicherheit in der Bevölkerung. Daher lassen sich auch immer mehr Menschen auf das Virus testen. Das wiederum bringt die Kapazitäten der kantonalen Testzentren an den Anschlag. Sie bilden das Rückgrat der Testinfrastruktur: So stemmte das Universitätsspital Basel-Stadt vergangene Woche 2794 der 4197 Covid-Abstriche im Kanton. Beim Spenglerpark in Münchenstein waren es 3016 von total 4893 Tests im Baselbiet. Dies zeigen Zahlen des Bundesamts für Gesundheit sowie der Kantone, die der bz vorliegen.

Spenglerpark schraubt Testkapazität weiter hoch

349, 541 und nun 611. Schon seit drei Wochen stellt der Montag jeweils Rekorde auf, was die Zahl der Coronatests in der Baselbieter Abklärungs- und Teststation Spenglerpark in Münchenstein angeht. Fast im Gleichschritt erhöht der Kanton die Kapazitäten der Einrichtung – immer in der Hoffnung, dass es bis zur Eröffnung des neuen Testzentrums Feldreben in Muttenz am 14. November ausreicht. Wie Rolf Wirz, Sprecher der Gesundheitsdirektion, auf Anfrage festhält, liege die aktuelle Kapazität bei 700 bis 800 Tests pro Tag. Das sind rund 300 mehr als noch vor einer Woche. Unverändert bleiben weiterhin die eher kurzen Öffnungszeiten. Dabei hatte FDP-Landrat Sven Inäbnit in einer vergangene Woche als dringlich überwiesenen Motion deren Ausweitung gefordert. Wirz erteilt diesem Anliegen eine Absage: «Das wird vom Team als wenig sinnvoll beurteilt, da der Ansturm jeweils am grössten ist, wenn die Teststation öffnet.» (mn)

Vor allem der Spenglerpark arbeitet nahe an seiner Kapazitätsgrenze (siehe Kasten). Entlastung könnten die Baselbieter Hausärzte bringen. Der Kanton hat denn auch schon zusammen mit der Ärztegesellschaft (AeGBL) dazu aufgerufen, dass die Niedergelassenen in ihren Praxen wenn möglich Coronatests anbieten sollen. Mit überschaubarem Erfolg, wie die bz vor zwei Wochen schrieb. Und Besserung scheint nicht in Sicht: «Die Bereitschaft der Hausärzte ist vorhanden, aber es gibt noch Luft nach oben», formuliert es Andrea Bürki vom Baselbieter Krisenstab diplomatisch.

Erstaunlich ist dabei vor allem etwas: Weder die AeGBL noch der Kanton können auf Anfrage sagen, wie viele und welche Arztpraxen genau in Baselland Covid-Abstriche anbieten. Ganz anders in Basel-Stadt und Solothurn: Hier gibt es öffentlich einsehbare Listen auf den kantonalen Coronawebseiten. Auf einen Blick sieht jeder Bürger, wohin er neben den grossen Testzentren gehen kann.

Auch in Basel machen erst 41 Arztpraxen mit

«Die Bevölkerung sollte sich über die verschiedenen Testmöglichkeiten informieren können», sagt Anne Tschudin, Sprecherin des Basler Gesundheitsdepartements. Die Liste ist bereits seit dem Sommer online und wird laufend ergänzt. Mit den aktuell 41 Anlaufstellen zeigt sich Tschudin zufrieden. Der Basler Hausarzt Stefan Kradolfer, Präsident der Hausärzte-Vereinigung beider Basel, ist sich dagegen bewusst, dass dies «nur einem Bruchteil der Basler Hausärzte entspricht». Er hält die Einbindung der Niedergelassenen für sehr wichtig: «Die medizinische Grundversorgung ist unsere Kernaufgabe und dazu zähle ich aktuell auch Coronatests.»

Wenn es eine Liste gibt, stehen morgens um Acht 15 Leute vor der Praxis von Doktor Müller in Oltingen. Das geht doch nicht.

(Quelle: Tobias Eichenberger, Präsident Ärztegesellschaft Baselland)

Doch weshalb führt Baselland keine Liste? «Das halten wir nicht für sinnvoll», sagt Bürki. Es bestünde die Gefahr, dass aufgeführte Praxen überrannt werden – und das nicht nur von den eigenen Patienten. Tobias Eichenberger, Präsident der AeGBL, erklärt es anhand eines fiktiven Beispiels: «Dann stehen morgens um Acht 15 Leute vor der Praxis von Doktor Müller in Oltingen. Das geht doch nicht.»

Wer will, darf auch nur eigene Patienten testen

Dazu sagt Tschudin: «Die Arztpraxen sind freiwillig auf der Liste und können vermerken, wenn sie nur eigene Patienten testen möchten.» Auch wird empfohlen, vorher anzurufen. Auch Kradolfer kann das Argument nicht nachvollziehen. Er bietet selbst Tests an und sei noch nie überrannt worden – obwohl seine Tür für jedermann offen stehe: «Ich appelliere an alle Hausärzte in beiden Basel, mitzumachen.» Voraussetzung sei freilich, dass man genug Platz habe sowie wegen Alter oder Vorerkrankungen nicht selbst zur Risikogruppe gehöre.

Immerhin: Eichenberger möchte das Thema an der nächsten Vorstandssitzung der AeGBL doch noch einmal diskutieren.