Coronavirus
Ungeimpfte auf der Intensivstation: «Das ist ziemlich genau der Wert, ab welchem wir das OP-Programm anpassen müssen»

Die Basler Spitäler rüsten sich für die vierte Corona-Welle. Das Personal ist zunehmend konsterniert.

Julian Förnbacher
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Von 29 Covid-Patientinnen und -Patienten liegen am Unispital Basel derzeit sieben auf der Intensivstation.

Von 29 Covid-Patientinnen und -Patienten liegen am Unispital Basel derzeit sieben auf der Intensivstation.

Themenbild: Alex Spichale / BAD

Mit Sorge blickt man in den Basler Spitälern auf die kommenden Wochen. Zwar bestehen aktuell noch Kapazitäten auf den Intensivstationen, die Lage spitzt sich aber zu, wie Nicolas Drechsler, Sprecher des Unispitals, bestätigt: «Wir haben derzeit 29 Covid-Patientinnen und -Patienten im Haus, sieben auf der Intensivstation. Das ist ziemlich genau der Wert, ab welchem wir das OP-Programm anpassen müssen, um die Intensivstationen nicht zu überlasten und genügend Platz für Notfälle zu haben.»

Entsprechend würden, je nach Infektionslage und in engem Austausch mit dem Kanton, auf den chirurgischen Stationen Anästhesiepersonal, Pflegekräfte, Ärzte und Betten freigemacht, um die Covid-Kohorte zu vergrössern. Dies habe jedoch Konsequenzen: «Wir betreiben keine leeren Betten. Kommen also mehr Covid-Patientinnen und Patienten, müssen wir anderswo Abstriche machen, oder aber Personal rekrutieren, was sehr schwierig ist», sagt Drechsler.

Intensiv-Pflege benötigen aktuell ausschliesslich Ungeimpfte

Auch sei beim Personal steigende Konsternation spürbar. Bereits zum vierten Mal rüstet es sich für einen Corona-Ansturm – diesmal jedoch mit einem gewichtigen Unterschied. Denn die vierte Welle, hierin sind sich Experten einig, hätte mit einer höheren Impfquote abgeschwächt werden können. Die Zahlen aus den Basler Spitälern bestätigen dies: So ist ein Löwenanteil der Covid-Patienten im Unispital ungeimpft, Intensiv-Pflege benötigen aktuell ausschliesslich Ungeimpfte.

Das Claraspital bestätigt auf Anfrage dieselbe Situation auf seiner Intensivstation. Drechsler zeigt deshalb Verständnis für die Ermüdung des Personals – hält jedoch auch fest: «Man darf nicht vergessen: Das medizinische Fachpersonal behandelt immer wieder Menschen, deren eigenes Verhalten zu ihrem Zustand beigetragen hat, von Risikosportlern über Substanzmissbrauch bis zu Selbstverletzungen. Es ist letztlich nicht erheblich, wie der Patient krank geworden ist, sondern dass er unser Haus in besserem Zustand verlässt.»

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