Pratteln
Credit Suisse im Clinch mit ehemaliger Betreiberfirma

Das Erlebnisbad Aquabasilea startete 2010 schlecht: Die Betreibergesellschaft wurde ausgewechselt, der Chef ging und noch immer ist ein Gerichtsverfahren hängig. Die ehemalige Betreiberfirma von Aquabasilea und die Credit Suisse streiten noch immer.

Iso Ambühl
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Die Wasserwelten des Aquabasilea in Pratteln erfreuen heute mehr Besuchern aus der Region Pratteln, aus dem Elsass und aus Südbaden. Martin Töngi

Die Wasserwelten des Aquabasilea in Pratteln erfreuen heute mehr Besuchern aus der Region Pratteln, aus dem Elsass und aus Südbaden. Martin Töngi

bz Basellandschaftliche Zeitung

Eintauchen, erleben, entspannen». So heisst die Devise der «vielfältigsten Wasserwelt der Schweiz». Doch mit Entspannen war es nach Eröffnung des Prattler Erlebnisbads Aquabasilea vom März 2010 nicht weit her. Denn drei Monate später wurde bereits die Betreiberfirma ausgewechselt. Auch der Aquabasilea-Chef sprang ab.

Nun zeigen Recherchen des «Sonntags»: Die Grossbank Credit Suisse, der das Bad über die Anlagestiftung Real Estate Switzerland (CSA RES) gehört, liegt im Clinch mit der früheren Betreiberfirma Aquabasilea-Wasserwelt, die Forderungen geltend macht. Ein erstes Verfahren endete mit einem Vergleich. Laut dem Liestaler Anwalt Thomas Christen, bis Februar 2011 Verwaltungsratspräsident der Aquabasilea-Wasserwelt, ist derzeit ein weiteres Verfahren am Handelsgericht Zürich hängig. Hier gehe es um Eröffnungs- und Eventkosten in Höhe einer tiefen sechsstelligen Zahl, die man von der CS fordere, sagt Christen. Die Bank will sich wegen des laufenden Verfahrens dazu nicht äussern.

Eitel Sonnenschein in der Wasserwelt

Heute herrscht eitler Sonnenschein in der riesigen Wasserwelt von Pratteln. Auch wenn der Aquabasilea-Chef schon wieder gewechselt hat: Nach einem Jahr verliess Kurt Glettler den Posten bereits wieder im vergangenen August. Neuer Geschäftsführer ist seither Spa- und Wellness-Experte Ingo Oswald.

Seit die Swiss Spa Management AG (Lachen SZ) des Deutschen Andreas Steffen Schauer im Mai 2010 als Betreiberfirma auftritt, besitzt das Bad immerhin eine erfahrene Oberleitung. Dies zeigt sich an den Zahlen: Im Jahr 2010 zählte man seit der Eröffnung ab März 212113 Besucher. Aufs ganze Jahr hochgerechnet sind es 254535 Personen, was einen Durchschnitt von 701 im Tag ergibt. In diesem Jahr waren es bislang von Januar bis Ende September 278151 Personen, hochgerechnet aufs ganze Jahr 370875, was einen Durchschnitt von 1021 ergibt. Es geht aufwärts mit Aquabasilea.

In den kommenden kalten Wintermonaten sei das Bad besonders gefragt, sagt Schauer. Um erfolgreicher zu werden, mussten die Aquabasilea-Verantwortlichen jedoch nochmals viel Geld
in die Hand nehmen: Zu den Baukosten von 111,34 Millionen Franken kamen nochmals 6 Millionen Franken für die Optimierung des Baus, für zusätzliche Duschen im Sauna-Bereich, für eine grosse, grüne Breitrutsche, neue Textilsaunen (Gäste tragen Badekleider) sowie vor allem für den Bau eines Hamam.

Der Hamam kommt zur rechten Zeit

Die Arbeiten für das orientalische Dampfbad, das mit 600 Quadratmeter Nutzfläche die Nummer eins der Schweiz sein wird, sind voll im Gange: Da wird geschraubt, gebohrt und gehämmert. Orientalische Lampen oder ein über 500 Jahr altes Tor aus Indien sollen eine besondere Atmosphäre vermitteln. Die Handwerker müssen sich aber sputen: Eröffnung ist Anfang Dezember.

Schauer setzt grosse Hoffnungen auf den Hamam. Es gebe Aquabasilea-Besucher, die nicht gern in Saunen gehen. Asiatische Gäste etwa aus dem nahen Hotel besuchten lieber einen Hamam, wo man einen Pestemal, ein Lendentuch, trage. Der günstigste Eintritt in den Hamam kostet 35 Franken für zwei Stunden inklusive Tuch und Waschset.

Der Hamam komme zur rechten Zeit. «Wir haben an Vitalität gewonnen», freut sich Schauer. Auch die Eigentümerin der Aquabasilea-Immobilie, die Credit Suisse Anlagestiftung Real Estate Switzerland (CSA RES), ist zufrieden. «Wir sind mit den Besucherzahlen auf Kurs und die Frequentierung konnte deutlich gesteigert werden», sagt CS-Sprecherin Karin Schwerzmann. Erfahrungsgemäss würden Grossprojekte mit Wasserwelten ein paar Jahre brauchen, bis sie einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangten und sich im Markt etablierten.

Die CSA RES ist mit einem Vermögen von 4,6 Milliarden Franken das grösste Immobilienanlageprodukt aller Schweizer Anlagestiftungen. Investoren sind über 850 Vorsorgeeinrichtungen der Schweiz, darunter die Pensionskasse der Novartis. Hauptfokus sind Wohnimmobilien. Die Anlagerendite betrug im letzten Geschäftsjahr fünf Prozent.