Schnäppchenjäger
Dank schwachem Euro reisen Basler wieder ins Ausland

Herr und Frau Basler reisen in den Sommerferien an den Strand. Beanspruchen können sie den tiefen Eurokurs aber nicht nur in den Ferien, sondern bereits beim Buchen: Deutsche Anbieter können Reisepakete günstiger verkaufen.

Anna Wanner
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Den Blick in die Ferne gerichtet: Basel steckt im Reisefieber. Martin Töngi

Den Blick in die Ferne gerichtet: Basel steckt im Reisefieber. Martin Töngi

Spanien und Griechenland sind im Sommerhoch. Die Länder, die momentan mit ihrem Finanzhaushalt kämpfen, gehören heuer zu den Lieblingsdestinationen der Baselbieter und Basler Sommerurlauber. Wer dem Schweizer Wetter nicht traut oder wer während Finanz- und Wirtschaftskrise zu Hause blieb, fährt jetzt ans Meer. Denn je nach Angebot ist die Flugreise ins Ausland billiger als Wanderferien in der Schweiz.

Der schwächelnde Euro stimuliere die Nachfrage nach Reisen ins nahe Ausland, bestätigen verschiedene Reisebüros aus der Region auf Anfrage. Badeferien seien 5 bis 20 Prozent günstiger als im Vorjahr. Das Mittelmeer lockt am meisten Touristen an.

Basler Reisebranche profitiert nicht

Von der wachsenden Reisefreude sollte eigentlich auch die Basler Reisebranche profitieren. Doch Reisebüro-Inhaber René Baumgartner relativiert: «Wir verzeichnen keinen Zuwachs an Kunden im Vergleich zum Vorjahr, weil die Leute zunehmend ins Internet oder über die Grenze gehen, um dort zu buchen.» Letzteres bestätigt Verda Birinci-Reed, Direktorin der deutschen FTI Touristik: «Wir stellen durchaus fest, dass es Schweizer gibt, die in deutschen Reisebüros buchen.» Zahlen liegen bisher noch keine vor. Betroffen sei aber vor allem der grenznahe Bereich.

Reiseanbieter aus der Schweiz beschwichtigen. Peter Brun, Pressesprecher von Kuoni, sagt: «Wir spüren keine Abwanderung von Kunden und verzeichnen auch keinen Umsatzeinbruch bei unseren Basler Büros.» Kuoni könne mit flexiblen Preisen konkurrenzfähig bleiben. Die Katalogpreise seien am Publikationstag schon nicht mehr aktuell, sondern würden den Wechselkursen angepasst. Von der deutschen Konkurrenz zeigt er sich wenig beeindruckt und führt als Beispiel das Interesse an Griechenlandferien an: «Die Buchungen sind im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent gestiegen.»

Pressesprecherin Prisca Huguenin sagt, dass bei Hotelplan Suisse ebenfalls mehr Ferienbuchungen eingehen, und zwar im «hohen einstelligen Bereich». Der Preis allein sei eben nicht ausschlaggebend für die Wahl des Reiseanbieters, verteidigen sich die Schweizer gegen die Tiefpreis-Konkurrenten. Dass Basler vermehrt im Ausland buchen, schliesst denn aber auch Peter Brun nicht aus: «Vielleicht hätten wir sonst einfach noch mehr Buchungen.»

Um die Urlauber kämpfen vor allem die Reiseveranstalter. Denn auch Basler Reisebüros bieten Kataloge von deutschen Reiseveranstaltern an. Sie können den Kunden dieselben Angebote machen wie ennet der Grenze, weil die Preise jeweils in Euros gerechnet werden.

Ralph Lüll, Leiter des Swissexpress Reisebüros, bietet deutsche Reiseveranstalter an und kann sich nicht über eine Abwanderung der Kundschaft beklagen: «Vom Umwechslungskurs profitiert auch der Kunde, weil er bei uns in Euros bezahlen kann.» Auch Beat Bana, Geschäftsführer des SBB-Reisebüros Sissach, sieht, dass jene Reiseveranstalter profitieren, die in Euros rechnen. «TUI, Neckermann oder FTI gewinnen zulasten der Schweizer Anbieter», sagt er.

Kunden könnten auch in Euro bezahlen

Zwar gilt in der Schweiz die Preisbekanntgabeverordnung, die unter anderem die Reiseveranstalter dazu anhält, die Preise in Franken anzugeben. Laut Guido Sutter vom Seco hindert aber niemand die Schweizer Reiseanbieter daran, ihre Angebote gleichzeitig auch in Euros anzugeben. Ausserdem seien das Anschreiben von Preisen und die Bezahlung eines Gutes zwei Paar Schuhe. «Wenn der Verkäufer einverstanden ist, kann der Kunde auch in Euros bezahlen», sagt Sutter.

Die Schweizer Anbieter verkaufen die Reisen aber hauptsächlich in Franken, wobei sich der volatile Wechselkurs nicht immer eins zu eins auf die Kunden überträgt. Die deutschen Reiseangebote sind darum oft preiswerter.

Diese Tendenz beobachtet auch Zeynep Sahin, Filialleiterin der deutschen L’Tur. Die Zentrale von L’Tur sitzt zwar in Baden-Baden. Die günstigen Euro-Angebote verkauft Sahin aber auch in Basel. Sie relativiert deshalb den Buchungs-Tourismus an der Grenze: «Eigentlich kommt es nicht drauf an, ob bei uns oder auf der anderen Seite der Grenze gebucht wird. Der Preis ist gleich: Wir passen ihn jeden Tag dem aktuellen Wechselkurs an.»

Schnäppchenjäger brauchen also nicht über die Grenze zu gehen, um an die günstigsten Angebote zu kommen. Alternativ gibt es noch das Internet.

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