Klimajugend

Das Comeback der Klimajugend

«Make Love Not CO2»: Vor einem Jahr klangen die Parolen der Basler Klimaprotestler noch versöhnlich. Nun macht sich allmählich Zorn breit.

«Make Love Not CO2»: Vor einem Jahr klangen die Parolen der Basler Klimaprotestler noch versöhnlich. Nun macht sich allmählich Zorn breit.

«Nichts ist in Basel passiert»: Die Klimastreikenden stellen jetzt konkrete Forderungen an die Politik.

Klimastreik-Mitorganisator Philippe Kramer geht mit dem rot-grünen Basel hart ins Gericht. «Die Politik hat hier immer noch das Gefühl, dass es eine zweite Erde gibt. Sie informiert nicht über die Gefahren der Klimaerwärmung. Und wenn, dann in irgendwelchen Fachberichten, die nur Interessierte lesen.»

Seit vergangenem Spätherbst ist die Basler Klimabewegung eingeschlafen – aber nur scheinbar. Im Hintergrund wurde am Comeback gearbeitet. Es soll am Sonntag ab 14 Uhr auf dem Barfüsserplatz über die Bühne gehen. An einer Demo soll den Baslern der Spiegel vorgehalten werden. «Vor einem Jahr wurde hier der Klimanotstand ausgerufen», sagt Kramer. Aber passiert sei kaum etwas. Andere Städte, in denen der Notstand ausgerufen wurde, hätten vorwärts gemacht. In Luzern gab es beispielsweise eigens Klimasessionen. In einigen deutschen Städten habe sich etabliert, dass alle Gesetze zunächst auf die Klimaverträglichkeit hin geprüft werden müssen. In Paris würde ein Grossteil der Parkplätze abgebaut und in Kopenhagen die Velofahrer, die vor den Ampeln stünden, bevorzugt behandelt. In Basel aber dominierten vor allem Lippenbekenntnisse: «Eine Motion hier, ein Versprechen dort. Der Klimanotstand ist Symbolpolitik, jetzt müssen Taten und echte Politik folgen», heisst es auf der Website der Bewegung.

Submissionswesen soll umgekrempelt werden

Von dieser Kritik ausgenommen sind auch die Linken nicht, schliesslich richtet die ausserparlamentarische Bewegung ihren Frust gegen die gesamte Politik. Die Grünen-Grossrätin Jo Vergeat, welche die neu gegründete Klimakommission präsidiert, zeigt Verständnis. «Es gibt keine sichtbare Veränderung – ich kann die Ungeduld bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen.» Auch ihr gehe es bisweilen nicht schnell genug. Doch das sei systembedingt in der Schweizer Konkordanz. «Seit ich in der Politik bin, bin ich realistischer geworden.» Vergeat erhofft sich aber auch von den langsamer greifenden Massnahmen viel. Die Klimakommission beispielsweise sei vielversprechend gestartet, weil sie «die Diskussionen von einer anderen Seite aufrollt», wie die Junge Grüne sagt. Hier werde die Basler Klimapolitik grundsätzlich überprüft.

Das geht den Klimastreikenden alles nicht schnell genug. Sie sind der Meinung, nun sei die Zeit der konkreten Forderungen gekommen. Bis zur Demonstration vom Sonntag werden Ideen gesammelt, welche danach dem Parlament übergeben werden. Erste Ideen stehen bereits im Raum. So verlangen die Klimastreikenden beispielsweise, dass das Submissionswesen umgekrempelt wird. «Wenn der Staat einen Auftrag vergibt», sagt Kramer, «soll nicht nur der Preis berücksichtigt werden, sondern auch die Nachhaltigkeit».

Mobilisierung wie im Zweiten Weltkrieg

Gleichzeitig sollen im Forderungskatalog auch einfacher umzusetzende Massnahmen aufgelistet werden. Eine Idee: In den Verkehrskreiseln sollen künftig rote Streifen signalisieren, dass die Velofahrer in der Mitte fahren dürfen. «Die Regel gibt’s heute schon. Aber das Selbstvertrauen hat kein Velofahrer, vor einem Auto herzufahren», sagt Kramer. Eine Möglichkeit sei auch, die BVB mit einzubeziehen. Kramer schwebt ein Klimawandel-Drämmli mit den berühmten Climatestripes vor.

Der Fächer an Ideen ist breit, doch die Zeit drängt, meint die Klimajugend. «Ein Wissenschaftler hat jüngst in einem Interview mit dem englischen ‹Guardian› gesagt, dass es eine Mobilisierung bräuchte wie in Amerika im Zweiten Weltkrieg, um die Welt zu retten», sagt Kramer. Er ist der Meinung, dass diese Mobilisierung, wonach alle am gleichen Strick ziehen, mit demokratischen Entscheidungsprozessen angestossen werden könne. Er sagt aber auch: «Falls wir dieses Zeitfenster nicht nutzen, müssen wir unsere Demokratie gegen unser Leben auf dem Planeten abwägen.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1