Windenergie

«Das ist kein Freipass für Bauprojekte»: Windkraftprojekt in Birsfelden wirbelt viel Staub auf

So könnte es dereinst aussehen, wenn sich über dem Muttenzer Dächermeer plötzlich zwei Windräder erheben.

So könnte es dereinst aussehen, wenn sich über dem Muttenzer Dächermeer plötzlich zwei Windräder erheben.

Birsfeldens Gemeindepräsident Christof Hiltmann kritisiert das Windkraftprojekt in der Hard – unter anderem weil das Gebiet schon genug belastet sei. Das kommt in Muttenz nicht gut an.

Zwei Windräder von über 200 Metern Höhe in der Muttenzer Hard zwischen Autobahn und Rangierbahnhof sollen schon bald Elektrizität für 1200 Haushalte liefern. Als die Pläne vor zehn Tagen publik wurden, war die Überraschung gross. Die einen waren vom Vorhaben zur nachhaltigen Energiegewinnung begeistert, andere fürchten sich vor einer Verschandelung der Landschaft und vor Lärmbelastung.

Dass zu den ersten lautstarken Kritikern ausgerechnet der Birsfelder Gemeindepräsident Christof Hiltmann (FDP) gehört, erstaunte den Muttenzer Gemeinderat Thomi Jourdan. «Es überraschte mich ehrlich gesagt schon, dass sich der Gemeindepräsident unserer Nachbargemeinde so pointiert gegen das Projekt äussert, nachdem die Gemeinde Birsfelden 2009 im Rahmen der Mitwirkung zur Muttenzer Zonenplanrevision keine Einwände gegen den Standort für eine Windkraftanlage hatte und Hiltmann selbst 2015 im Landrat der Festlegung eines Windkraftstandortes Muttenz Hard im kantonalen Richtplan zugestimmt hat.»

Gebiet ist schon genug belastet

Die geplanten zwei Windräder sollen auf Muttenzer Boden stehen. Im Regionaljournal von SRF scheute sich Hiltmann aber nicht davor, das Projekt zu kritisieren. Man müsse sich fragen, ob solche «extreme Installationen» überhaupt Platz haben im Kanton. Mit der Autobahn und dem Rangierbahnhof sei das Gebiet schon genug belastet. «Es ist nicht nur gleich vor Basel, sondern inmitten von Birsfelden und Muttenz. Der Hardwald stellt für uns quasi den Central Park dar.» Wenn man ein 200 Meter Bauwerk mitten in die Agglomeration hineinsetzt, würden sich auch ästhetische Fragen stellen. Hiltmann bezweifelt zudem, ob es am besagten Standort genügend Wind gibt. Er schloss im Gespräch mit SRF nicht aus, dass sich Birsfelden gegen die Windräder wehren wird.

An der Muttenzer Gemeindeversammlung von vergangener Woche betonte Thomi Jourdan, dass die Windräder in der Hard keine Überraschung sind, sondern die Idee auf Grundlage der Entscheidung der Muttenzer Bevölkerung durch den Gemeinderat weiterentwickelt wurde. Dabei äusserte er auch sein Unverständnis über das Vorgehen von Christof Hiltmann im Rahmen des Interviews mit dem Regionaljournal.

Hiltmann: Nur die eigene Meinung geäussert

Hiltmann sieht in seinem Vorgehen aber keinen Widerspruch. «Ja, ich habe der Richtplanrevision mit den sechs Standorten zugestimmt. Das heisst aber nicht, dass ich automatisch auch Ja zu einem konkreten Projekt mit diesen Dimensionen sage», hält der FDP-Politiker fest. Die Abstimmung im Landrat habe nur die Standortfrage in einem gesamtkantonalen Kontext betroffen. «Das ist kein Freipass für Bauprojekte.»

Weiter möchte sich Hiltmann nicht mehr zum Thema äussern. Er stellt aber klar, dass die Aussagen im Regionaljournal seine persönliche Meinung als Gemeindepräsident gewesen seien und nicht dem Gesamtgemeinderat von Birsfelden entsprechen müssen. «Wir haben beschlossen, dass wir uns vor Ausarbeitung einer gemeinsamen Haltung detailliert über das Projekt informieren wollen.»

Dazu erhalten Hiltmann und seine Birsfelder Gemeinderatskollegen bereits am 1. September Gelegenheit, wenn der Muttenzer Gemeinderat zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung lädt. Eine emotionale Debatte ist vorprogrammiert. Dies zeigte sich bereits an der Gemeindeversammlung am vergangenen Dienstagabend, als SVP-Landrätin Anita Biedert das Projekt scharf kritisierte – wie sie es zuvor schon in der bz getan hatte.

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