Bahnersatz
Das «Läufelfingerli» weiss Passagiere hinter sich

Gelbe Luftballons stiegen am Donnerstag gen Himmel, «Stopp dem öV-Abbau!» prangte auf ihnen. Mit dieser Aktion protestierten rund 30 Personen vor dem Liestaler Regierungsgebäude. Gleichzeitig übergaben sie Landschreiber Alex Achermann eine Petition.

Fabio Halbeisen
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Als Bahnersatz fuhren gestern Busse im Viertelstundentakt von Sissach nach Olten

Als Bahnersatz fuhren gestern Busse im Viertelstundentakt von Sissach nach Olten

Fabio Halbeisen

Die Gruppe wehrt sich damit gegen den drohenden Abbau des Läufelfingerlis. Wenige Stunden später kam es in der Nähe von Olten zu einem Unfall. Zwei Regionalzüge kollidierten. Die Strecke Olten-Basel musste gesperrt werden (die bz berichtete). Als Bahnersatz fuhren gestern Busse im Viertelstundentakt von Sissach nach Olten und wieder zurück. Die bz begab sich an Bord und hat bei Passagieren nachgefragt, ob eine Busverbindung nicht auch generell als Alternative zum Läufelfingerli denkbar wäre.

«Läufelfingerli muss bleiben»

Viele Passagiere sind sich einig, dass das Läufelfingerli bleiben muss. «Ich bin total dagegen, dass das Läufelfingerli weg soll. Die Strecke ist so schön, die sollte man doch behalten», sagt etwa eine Passagierin, die von Sissach nach Olten fuhr. Viele Reisende schliessen sich ihr an. Ein Passagier meint, dass die Regierung am falschen Ort spare und er die Entscheidung, beim öV zu sparen, nicht nachvollziehen könne. Kritik an der Regierung hagelt es von einer Gruppe Wanderer: «Es hat schon so viel Autos auf den Strassen, es gibt überall Stau. Da sollte man doch nicht den Verkehr von der Bahn auf die Strasse lenken.»

Andere Reisegäste hängen weniger am Läufelfingerli, ein Passagier meint: «So eine ausserordentliche Busfahrt ist doch eine super Sache und gibt ein wenig Abwechslung. Eine Busverbindung wäre ein durchaus akzeptabler Ersatz.» Die Busverbindung findet noch weitere Befürworter, ein junges Paar etwa meint: «Ob mit der Bahn oder dem Bus, ist egal, Hauptsache wir kommen nach Olten.» Eine Geschäftsfrau im Anzug stimmt zu: «Ich muss einfach zur Arbeit, auf das Verkehrsmittel kommt es mir nicht an.»

Diskussionen im Bus

Nicht nur auf politischer Ebene gibt es heftige Diskussionen rund um das Läufelfingerli. Auf der Rückfahrt von Olten nach Sissach etwa diskutiert ein älteres Ehepaar während der ganzen Fahrt. «Ich fände es sehr schade, wenn es das Läufelfingerli nicht mehr geben würde. Für mich gehört es einfach zum Baselbiet», argumentiert die Frau. Ihr Mann dagegen meint, dass es letztlich nicht wirklich auf das Verkehrsmittel ankäme, sondern auf die Dienstleistung an sich. Man solle froh sein, dass es überhaupt eine Verbindung gibt. Die Frau schüttelt den Kopf und sagt: «Wieso bloss werden alle Traditionen aufgegeben?»