Es ist das Lieblingsmotiv in Computer-Werbungen: Schnittige Büromenschen, die in der freien Natur arbeiten. Einmal ist es eine Managerin, die unter einem Baum sitzt und eine Tabelle erstellt. Ein anderes Mal liegt ein Anzugträger im Stroh und feilt an einer Powerpoint-Präsentation.

Das Notebook packen und ab ins Freie - das hat sich in den vergangenen schwül-heissen Tagen wohl so mancher Angestellte gewünscht. Und im Zeitalter von WLAN, Smartphone und IPad wäre das auch möglich. Doch entspricht sie der Realität, die schöne neue Arbeitswelt der Werber?

Viele Jobs sind ortsgebunden

«Ich kenne niemanden, der das macht», sagt Martin Lüthy, Leiter des kantonalen Personalamts Baselland. «Rein technisch wäre es aber möglich, sich mit dem Laptop auf einer Wiese unter einen Baum zu setzen und ein Konzept zu schreiben», so Lüthy. Und grundsätzlich wäre es auch erlaubt, jedoch nur nach Absprache mit den Vorgesetzten.

Beim Gewerbeverband Basel-Stadt war das Draussen-Arbeiten bisher kein Thema, sagt Elias Schäfer. Sein eigenes Büro sei nicht klimatisiert, wie Schäfer anmerkt. Trotzdem müsse er vor der Hitze nicht in einen Park flüchten: «Wir behelfen uns mit den bekannten Haustricks: Früh ins Büro kommen und lüften. Sobald es wärmer wird, Türen und Fenster schliessen, Storen hinunterlassen.»

Bei der Basler Kantonalbank (BKB) mit ihren insgesamt 800 Angestellten in Basel stelle sich die Frage nach dem Arbeiten im Freien nicht, sagt Sprecher Michael Buess. «Das Verlagern des Arbeitsplatzes nach draussen ist per se schwierig. Viele Mitarbeitende haben Kundenkontakt und auch die übrigen Stellen sind weitestgehend von der bestehenden Informatik-Infrastruktur der Bank abhängig.»

Das bedeute aber nicht, dass sich BKB-Angestellte gar nie nach draussen begeben würden, wie Buess versichert - eine Besprechung könnte durchaus in einem Café erfolgen, wenn die Vertraulichkeit gewährleistet bleibe.

Nicht nur geduldet, sondern gefördert wird das Outdoor-Office bei Novartis. Der Pharmakonzern bietet im Campus im St. Johann-Quartier über das gesamte eingezäunte Gelände verstreut Arbeitsplätze an. Das tönt dann in Firmendeutsch: «Spezifisch entwickelte Multi-Space-Konzepte bringen ein vielfältiges Raum- und Arbeitsplatzangebot mit einer Auswahl von individuellen, gemeinsamen, offenen und geschlossenen Bereichen. (...).»

Die Novartis-Angestellten haben also die Qual der Wahl - verlassen sie jedoch den Campus, so ist es mit der grossen Freiheit vorbei. «Bei der Arbeit unterwegs oder an öffentlichen Orten gibt es interne Verhaltensrichtlinien, wie man mit sensiblen Informationen umgehen soll», sagt Firmensprecherin Esther Keller.

Schwierigkeiten mit Diskretion

Keinen Campus besitzt die Basler Kantonsverwaltung. Und so ist es «nicht vorgesehen», dass die Angestellten ihr Büro an die frische Luft zügeln, wie Andrea Wiedemann, Leiterin zentrale Personaldienste, sagt: «Das hat damit zu tun, dass die Informationen, mit denen die Verwaltung zu tun hat, oft sensibel sind.»

Sie macht das Grösste Problem beim Datenschutz und bei der fehlenden Diskretion aus: «Die Bevölkerung würde es kaum schätzen, wenn Kantonsangestellte an der Buvette arbeiten würden. Man stelle sich vor: Die Leute von der Steuerverwaltung bearbeiten am Rheinbord Steuererklärungen - nein, das ist nicht denkbar!»