Basler Kunstmuseum

Das Prinzip Hoffnung führte ins Elend

Elisabeth Ackermann vor dem Neubau des Kunstmuseums, welcher die Regierungspräsidentin unter Zugzwang bringt. NIZ

Elisabeth Ackermann vor dem Neubau des Kunstmuseums, welcher die Regierungspräsidentin unter Zugzwang bringt. NIZ

Der Neubau reisst ein Millionenloch ins Budget des Basler Kunstmuseums – geahnt hatten es praktisch alle.

«Es ist nicht zu befürchten, dass der ganze Betrieb zusammenfällt oder erneut eine Erhöhung der Beiträge des Kantons gefordert wird, wenn die privaten Gelder nicht aufgetrieben werden können.» Mit diesem Statement räumte die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann 2010, damals noch als Sprecherin der Grünen im Parlament, Zweifel an der Finanzierung des Kunstmuseum-Neubaus aus. Ein Jahr nach der Eröffnung tönt es nun ganz anders: Im Budget des Museums klafft ein Millionenloch. Der Direktor Josef Helfenstein sieht die Institution bereits in ihrer Existenz gefährdet, und mehrere Exponenten fordern lauthals, dass der Kanton finanziell in die Bresche springt. Ackermann will sich erst nach weiteren Abklärungen äussern. Momentan sagt sie nur: «Wir sind intensiv am Thema.»

Ein Blick zurück ins Jahr 2010 zeigt, dass praktisch keinem der Involvierten wohl war angesichts der Finanzierungspläne für den Neubau. Deswegen das Millionengeschenk von Roche-Erbin und Mäzenin Maja Oeri aufs Spiel zu setzen, wollte allerdings auch niemand. Für 20 Millionen hatte diese den Burghof gekauft, der Stadt geschenkt und angeboten, zusätzlich die Hälfte der Baukosten von 100 Millionen Franken zu übernehmen, sofern der Kanton vorwärtsmache mit der Erweiterung des Kunstmuseums. So musste auf die Schnelle ein Finanzkonstrukt entworfen werden, bei dem offensichtlich zu optimistisch kalkuliert wurde.

Der damalige SP-Präsident Martin Lüchinger warnte im Parlament, dass dies zum Problem werden könnte: «Ich hoffe sehr, dass trotz dem hohen Zeitdruck die Rechnung auch wirklich aufgeht.» Für seine Partei sei entscheidend, «dass nicht weitere Kosten auf den Kanton zukommen». Sowohl in den Kommissionen wie auch im Parlament verliehen eine Vielzahl Politiker ihren Sorgen um die Stabilität der budgetierten Finanzen Ausdruck, nur um diese dann im nächsten Satz vom Tisch zu wischen. Einzig Basta-Grossrätin Heidi Mück stimmte im Grossen Rat mit Nein. «Das ist ein extrem riskantes Finanzierungsmodell.»

2,5-Millionen-Missverständnis

Mit der Eröffnung des Neubaus würden die jährlichen Betriebskosten des Museums um rund 4,8 Millionen Franken steigen, rechneten die Verantwortlichen vor. Für die Mehrkosten wurde ein Kompromiss gefunden: 2,3 Millionen übernahm der Kanton. 2,5 sollte die Stiftung für das Kunstmuseum einbringen. Nur: Diese will mit ihren Geldern nicht Personal- oder Heizkosten, sondern exklusiv Ausstellungen finanzieren. «Wir haben immer klar kommuniziert, dass man das auseinanderhalten muss», sagt Stiftungspräsident Markus Altwegg. Michael Koechlin, damals als Kulturbeauftragter federführend und nun LDP-Grossrat, sagt: «Meiner Erinnerung nach war die Frage, wie die Zusatzkosten aufgeteilt werden. Dabei wurde nicht zwischen Unterhalt und Ausstellungen unterschieden.» Das Missverständnis fiel während der ganzen Zeit niemandem auf. Auch im Kommissionsbericht, auf den sich Ackermann im Parlament berief, wird das Finanzierungsproblem heruntergespielt.

Nur halb so viele Eintrittsgelder

Der damals zuständige alt Regierungspräsident Guy Morin sagt zur bz: «Entscheidend war das ausgeglichene Modellbudget 2015 des Kunstmuseums inklusive Erweiterungsbau.» Nur, dabei passierte offenbar die zweite gewichtige Fahrlässigkeit: Eine externe Ingenieur- und Planungsfirma, die im Auftrag der Regierung zusammen mit dem Kunstmuseum die zu erwartenden Kosten und Erträge berechnete, kam zum Schluss, dass man neu statt mit rund 2 mit 4,4 Millionen Franken aus Eintritten und Führungen rechnen dürfe. Allerdings ging dieses Szenario davon aus, dass jeder Besucher den vollen Eintrittspreis von 16 Franken bezahlt. Faktisch bezahlen die Besucher im Schnitt aber nur 8 Franken, entsprechend fehlt nun rund die Hälfte der budgetierten Gelder; unter dem Strich rund 2 Millionen Franken. Auch der Museumsshop bleibt offenbar deutlich unter der geplanten Umsatzsteigerung. Wie gross das Loch im Budget des Museums tatsächlich ausfallen wird, lässt sich aber erst Ende Jahr definitiv sagen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1