Schifffahrt

Das Risiko der Schiffsriesen in Basel

Der Rhein in Basel ist eine der schwierigsten Strecken zwischen Rheinfelden und Rotterdam mit der Mittleren Brücke als «Nadelöhr». Im Bild: Die Havarie der «Roma» im August 2011.

Der Rhein in Basel ist eine der schwierigsten Strecken zwischen Rheinfelden und Rotterdam mit der Mittleren Brücke als «Nadelöhr». Im Bild: Die Havarie der «Roma» im August 2011.

Die Hafenwirtschaft will die zu enge Mittlere Brücke abreissen und ersetzen. Mehr Ladung und Container verspricht aber auch eine andere Lösung: die Zulassung von 135-Meter-Schiffen.

Die Geheimaktion mit «Sandra» startete im vergangenen Mai: Peter Sauter, Geschäftsleitungs-Mitglied der Schweizerischen Rheinhäfen in Basel, reiste nach Duisburg. Sein Ziel: Der Flachwasserfahr-Simulator «Sandra» des Entwicklungszentrums für Schiffstechnik und Transportsysteme DST. Dort prüfte Sauter zusammen mit Ingenieur Andreas Gronarz während mehreren Tagen, ob 135 Meter lange Rheinschiffe die Strecke Basel-Birsfelden-Muttenz/Au-Basel künftig befahren dürfen. Derzeit ist dies nicht erlaubt.

Die 135 Meter- langen Schiffe seien heute aber eine Realität und sollten auch nach Basel-Kleinhüningen weiterfahren,sagt ein Sprecher des Logistikers Rhenus Alpina.. Auch André Auderset, Geschäftsführer der Schweizerischen Vereinigung für Schiffahrt und Hafenwirtschaft, betont, dass die Reedereien die Weiterfahrt ihrer 135 Meter-Schiffe schon lange fordern. Dank den heutigen Bugstrahlern, einer Art Hilfsmotor im Vorschiff, seien diese grossen Kähne heute gut manövrierbar. Einen Vorteil hätten diese Grossschiffe auf jeden Fall: Es könnte mehr Ladung, auch mehr Container, transportiert werden, die sonst wegen der viel zu engen Mittleren Brücke in Basel nicht hochgeladen werden könnten. In einem Bericht hatte die BZ letzte Woche aufgezeigt, dass grosse Teile der Hafenwirtschaft einen Abbruch der knapp 100jährigen Brücke fordern. Die künftige massive Zunahme an Containern auf dem Rhein sei sonst nicht zu bewältigen.

Ein Rheinschiffer beurteilt das Risiko der langen Schiffe als «irrsinnig gross». Im Fall eines Unfalls könnten die 135-Meter-Riesen auf der Strecke Basel-Muttenz/Au-Basel nicht gewendet werden. Die möglichen Risiken sind der Grund, warum Sauter den Simulator in Duisburg nutzte. «Wir können am Simulator in Echtzeit mit einem virtuellen Schiff in einer virtuellen Umgebung fahren», sagt Experte Gronarz. So konnte die Berg- und Talfahrt von 135 Meter-Schiffen in Basel in verschiedenen Situationen und Pegelständen des Rheins wie auch die Durchfahrt unter der Mittleren Brücke simuliert werden.

Der Bericht aus Duisburg mit seinen Empfehlungen wird derzeit von den Verantwortlichen in Basel ausgewertet. «Wir prüfen dies seriös», sagt Sauter. Er schätzt, dass er die Frage der Zulassung für 135 Meter-Schiffe bis nächstes Frühjahr beantworten kann. Tatsache ist, dass die Rheinschiffe in den letzten Jahren grösser und länger geworden sind. Auf der Strecke Basel-Birsfelden-Muttenz/Au-Basel sind zwar nur Schiffe bis 110 Metern Länge zugelassen. Neben der engen Mittleren Brücke ist vor allem die Talfahrt mit einer 67-Grad-Kurve vor der Wettstein-Brücke bis zur Mittleren Brücke ein nautisch schwerer Brocken, weil das Strömungsverhalten des Rheins hier unterschiedlich ist. «Die Kurve ist das eigentliche Problem», sagt Sauter.

Dennoch dürfen 125 Meter lange Schiffe die Strecke mit einer Sondergenehmigung fahren. «Wir überprüfen, jedes Einzelne dieser Schiffe und legen die Pegelmarke fest», betont Sauter. Wenn der Pegelstand an der Marke Rheinhalle (gegenüber der Birsmündung) höher als 6,7 Meter ist, dürfen diese Schiffe auf der Strecke nicht mehr verkehren.
Eine Lösung wäre, eine ähnliche Sonderregelung für 135 Meter-Schiffe zu schaffen, wenn es das Risiko zulässt.

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