Der bürgerliche elsässische Politiker Philippe Richert (62, Les Républicains) ist seit Anfang Januar 2016 Präsident der neuen ostfranzösischen Grossregion Elsass/Champagne-Ardenne/Lothringen. Er amtete ab 2010 als Präsident der Region Elsass und war in dieser Eigenschaft bereits in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit der Nordwestschweiz aktiv.

Herr Richert, was ändert sich bei der grenzübergreifenden Kooperation durch die neue Grossregion?

Philippe Richert: Auch für sie bleibt die Zusammenarbeit mit den Nachbarn wichtig. Wir grenzen mit Belgien, Luxemburg, Deutschland und der Schweiz an vier Staaten an. Wir werden sicherlich die alten Strukturen der Kooperation mit den nahen Nachbarn wie der Nordwestschweiz, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz beibehalten. Die Zusammenarbeit mit der Nordwestschweiz bleibt wichtig.

Die ostfranzösische Grossregion Elsass/Champagne-Ardenne/Lothringen.

Die ostfranzösische Grossregion Elsass/Champagne-Ardenne/Lothringen.

Aber es gibt jetzt ganz andere Distanzen zu überwinden.

Es ist schon richtig, dass es von Altkirch im Sundgau bis zur nördlichen Grenze in den Ardennen 500 Kilometer sind. Die Hauptstadt aber bleibt Strassburg. Und was zählt, sind die Partner entlang der Grenzen – zehn, fünfzehn oder zwanzig Kilometer voneinander entfernt. Wichtig sind auch die Beziehungen zwischen Saint-Louis und Basel. Die Zusammenarbeit muss konkret bleiben.

Wie beurteilen Sie die Vereinbarung zur Besteuerung auf dem Euro-Airport? Schliesslich muss sie noch in einen Staatsvertrag umgesetzt werden.

Ich bin optimistisch. Die Vereinbarung zeigt, dass man sich schon intensiv mit Details auseinandergesetzt hat. Wir sind einen wichtigen Schritt vorwärtsgekommen und das läutet eine neue Etappe der Kooperation ein. Wie bei jedem Kompromiss hat jede Seite einen Schritt auf den anderen zugemacht.

Sie haben sich sehr für den Bahnanschluss des Euro-Airport engagiert. Haben Sie jetzt überhaupt noch Kapazitäten, sich darum zu kümmern?

Ich werde das Thema intensiv weiterverfolgen. Ich war damals nicht glücklich, dass die Schweiz den Bahnanschluss im Steuerstreit sistiert hat. Paris war sowieso nicht für den Bahnanschluss. Ich habe es dann geschafft, dass der Bahnanschluss wieder in den Rahmenplan 2014–2020 aufgenommen wurde. Er ist wichtig, damit sich der Flughafen und die Arbeitsplätze dort positiv weiterentwickeln.

Ein grosser Erfolg der Region Elsass war der TER 200, die Schnellzugverbindungen auf der Nord-Süd-Achse. Wie geht es damit weiter?

Ich werde mich intensiv dafür einsetzen, dass wir in den nächsten fünf Jahren neue, moderne Züge bekommen und mich gegenüber der SNCF dafür stark machen. In diesem Zusammenhang hilft mir, dass ich kürzlich zum Präsidenten der Vereinigung der französischen Regionen gewählt wurde. In dieser Eigenschaft verhandle ich mit der SNCF über die Bestellungen für sämtliche Regionen.

Die Region Elsass hat sich intensiv für die Zweisprachigkeit eingesetzt. Wie läuft das in Zukunft?

Ich habe für die Zweisprachigkeit gekämpft und werde das auch weiter machen – das ist eine Frage unserer Wurzeln und aufgrund der Grenzgänger auch eine wirtschaftliche. Unser Ziel ist, dass in den nächsten zehn Jahren 50 Prozent aller 3-Jährigen in deutsch-französische, zweisprachige Kindergärten gehen. Derzeit liegen wir bei 25 Prozent.

Wird die Gebietsreform wieder rückgängig gemacht, falls die Bürgerlichen 2017 die Wahlen gewinnen?

Die Reform hat viel Kraft und Energie gekostet. Es ist schwierig, derartige Veränderungen umzusetzen und sie nach drei Jahren schon wieder rückgängig zu machen. Nicolas Sarkozy hat neulich gesagt, dass wir die Situation Region für Region anschauen werden.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Basel und Guy Morin erlebt, der ja auf Ende 2016 zurücktritt?

Die Kooperation mit Basel war exzellent und Guy Morin stets sehr offen und herzlich – dabei war er in Hinblick auf die Resultate anspruchsvoll. Ich habe es sehr geschätzt, mit ihm zusammenzuarbeiten.