Es ist eine tragische Geschichte, eine Geschichte um eine versilberte Grabkrone mit vier Lilien. Sie ist wahr, und sie nahm ihren Lauf im Jahr 1833, als der Kanton Basel gewaltsam in Basel-Stadt und -Landschaft unterteilt wurde. In der Folge wurde auch das Kantonsvermögen geteilt; dem neuen Halbkanton Baselland wurden unter anderem zwei Drittel des Münsterschatzes zugesprochen.

Der junge Halbkanton brauchte dringendst Geld, was ihn dazu verleitete, einen grossen Teil dieser altehrwürdigen Stücke zu Spottpreisen zu verkaufen. So kommt es, dass noch heute diverse Schatzkünste aus Basel in den renommiertesten Museen rund um den Globus zu sehen sind, etwa in St. Petersburg, Paris, London und New York. Und in der Mittelalterabteilung des Berliner Kunstmuseums.

Hier kann diese Grabkrone bewundert werden, jene der Königin Anna (1225–1281). Vor sechs Jahren startete Münsterpfarrer Lukas Kundert via den damaligen Basler Regierungspräsidenten Guy Morin den diplomatischen Versuch, die Krone anlässlich des Jubiläums von 1000 Jahre Basler Münster heimzuholen. Vergeblich, die Berliner schalteten auf stur. Es wäre ein Streich gewesen, der den Jubiläumsaktivitäten die Krone aufgesetzt hätte.

Zum Kreuz geformt

Für Brigitta Leupin kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Seit fünf Jahren führt die quirlige Frau eine Kunstgalerie am Münsterberg 13. Die tragische Geschichte rund um die Grabeskrone der Königin Anna kam auch ihr zu Ohren. Sie überlegte, wie sich das Thema Münsterschatz künstlerisch umsetzen liesse. Die Idee: Wenn Basel schon nicht die originale Grabeskrone heimholen kann, dann soll die Stadt ganz viele Kronen bekommen, gestaltet von lokalen Künstlern. Den Aufruf startete die Galeristin, die sich auf Kunst aus der Region spezialisiert hat, kurz vor der Fasnacht. «Rund 30 liessen sich dazu inspirieren. Die meisten Fantasiekronen sind bereits in der Galerie eingetroffen, eine jeweilige Auswahl wird hier ab sofort ausgestellt», sagt Leupin.

Eines der Exponate hält sie gerade in den Händen, als wir sie in der Galerie besuchen. Behutsam drapiert sie die Krone auf einer Ausstellungssäule. Die Krone ist vom Basler Künstler Amédé Flum, für ihn charakteristisch fast ganz aus Draht gefertigt, die Spitze zum Kreuz geformt, in der Mitte eine Glühbirne. Macht man das Licht an, zeichnet sich die Silhouette des Münsters an der Wand ab. «Ich bin überwältigt davon, was alles entstanden ist. Und das in so kurzer Zeit», sagt Leupin dazu.

Die von Amédé Flum gestaltete Fantasiekrone.

Die von Amédé Flum gestaltete Fantasiekrone.

Weitere Beiträge kamen etwa von Bildhauer Hanspeter Küng, der Reinacherin Marianne Maritz, dem Larvenkünstler Roman Peter oder Niccel Steinberger, der Frau von Emil Steinberger. Letztere kreierte ein goldenes Vogelnest, zur Krone hochstilisiert.

Münstergemeinde reagiert nicht

Die Fantasiekronen-Ausstellung hat Leupin in Eigenregie auf die Beine gestellt. «Zwar habe ich bei der Münstergemeinde noch nachgefragt, aber von dieser Seite kam keine Reaktion.» Sie hätte es schön gefunden, wenn ihre Aktion «auf irgendeine Art und Weise» in die Jubiläumsaktivitäten miteinbezogen worden wäre.

Die 30 Kunstwerke aus Basel und Umgebung zum Thema Münsterschatz werden am Samstag, 28. September, und Samstag, 5. Oktober, in Leupins Galerie zu sehen sein. Darauf folgt der Höhepunkt: Am Donnerstag, 10. Oktober, werden zur Finissage ab 17 Uhr sämtliche Basler Fantasiekronen in Anwesenheit der Künstler im Mentelin Hof am Münsterplatz 14 ausgestellt – und verkauft.

«Anfänglich hatte ich eine Versteigerung im Sinn, aber dazu bräuchten wir einen Auktionator», sagt Leupin. Trotzdem ist die Galeristin sich sicher, dass es ein «lustiger Event» wird – trotz der tragischen Vorgeschichte. Dem Münsterjubiläum setzt sie jedenfalls die Krone auf.