Vor zwei Jahrzehnten interessierten sich die Schulen noch kaum für diese exotische Sprache. Heute aber gilt China als Grossmacht der Zukunft – und bereits ein Fünftel der Menschheit redet Chinesisch.

Ein winziger Teil dieser 1,2 Milliarden Chinesisch-Sprechenden kommt aus Basel. Denn einige Kursteilnehmer haben nach der Matur in China studiert und reden fliessend Chinesisch. Die meisten von ihnen hatten damals eher zufällig und spontan den Chinesisch-Kurs besucht. Heute berichten sie voller Begeisterung darüber, wie sie mitten in Basel an die fremde Sprache und Kultur herangeführt wurden.

Dafür verantwortlich ist seit 15 Jahren Brigitte Koller. Die Lehrerin, die in den 80ern drei Jahre in Peking gelebt hat, gestaltet den Unterricht abwechslungsreich. Zwölf Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 18 Jahren verbringen ihren Mittag im Schulzimmer. Freiwillig. Ihre Motivation: Oft schlicht die Faszination über die Sprache und die Schrift, wie etwa Salome und Dorothee sagen.

Interesse bei Buben gestiegen

In den Anfangsjahren der Chinesisch-Kurse kamen vor allem Mädchen, die «mal etwas anderes lernen wollten», erzählt Brigitte Koller. Heute ist das Geschlechterverhältnis sehr ausgeglichen. Die Buben kommen typischerweise vor allem aus wirtschaftlichen Überlegungen. Zum Beispiel Philipp und Johnny: «Für die Zukunft ist es wichtig, Chinesisch zu können», sind sie überzeugt.

Nach drei Jahren Chinesisch-Unterricht kann man sich damit verständigen – mehr nicht, denn dafür sind die zwei Wochenstunden zu wenig. Aber so schwierig, wie man meint, ist die Sprache nicht. «Im Gegenteil, Chinesisch ist verhältnismässig einfach», betont Koller. Es gibt keine Artikel, keine Konjugation, keine Deklination. Der grösste Stolperstein ist die Schrift. Hier gilt: büffeln. Doch von den rund 60000 Schriftzeichen werden auch in China nur 2000 bis 3000 gelehrt. «Und schon 800 reichen, um Zeitung zu lesen», sagt Koller.

Gemeinsame Reise nach China

Alle zwei Jahre reisen die Kursteilnehmer nach China. «Danach ist die Hemmschwelle überwunden und die Schüler gehen oft nach der Matur wieder hin», erzählt Koller. Sie erachtet die Auseinandersetzung mit China als wichtig. «Sonst wird die Diskrepanz immer grösser. Denn Chinesen wissen oft viel mehr über Europa als umgekehrt.»

Heute wird Chinesisch als Freifach an über 20 Gymnasien in der Schweiz angeboten. «Ziel ist, das Freifach zu festigen und an weiteren Schulen anzubieten», sagt Koller, die sich regelmässig mit anderen Chinesisch-Lehrpersonen austauscht. Allerdings gibt es noch zu wenige ausgebildete Lehrpersonen. Auch Koller hat sich ihr Können «on the job» angeeignet. In Zukunft sollen darum spezielle Didaktik-Kurse angeboten werden. Damit in Zukunft immer weniger Schweizer bei Chinesisch Spanisch verstehen.