Basel

Der Architekt der Basler Promis kritisiert den geplanten Claraturm

Christian Lang ist Architekt des «Club de Bâle».

Christian Lang ist Architekt des «Club de Bâle».

Architekt Christian Lang verantwortet den Bau des «Club de Bâle». Nun mischt er sich in die Basler Politik ein. Er kritisiert den Bau des geplanten Claraturms beim Messeplatz. Der Bau seine «gesuchte Spekulation» am falschen Ort, sagt Lang.

Eine Hauptrolle beim geplanten «Club de Bâle» in den Räumlichkeiten des Restaurants Spillmann am Rheinsprung spielt der Architekt Christian Lang (49).

Wie die «Schweiz am Sonntag» bereits im Mai berichtete, soll das Restaurant durch die Villa Nova Architekten AG zu einem exklusiven Memberclub umgebaut werden.

Lang ist der Kopf hinter dem 1985 gegründeten Büro. Er ist Gründer, Inhaber, Verwaltungsratspräsident und geschäftsführender Architekt des Unternehmens in Personalunion. Nun soll er aus dem «Spillmann» ein erstklassiges Restaurant mit Lounge und Sitzungszimmer machen.

Lang hat sich in einer Konkurrenzpräsentation gegen weitere Bewerber durchgesetzt und freut sich über den Auftrag. «Die Idee, eine Plattform zu schaffen, wo sich die Leute austauschen können, finde ich gut», sagt er. Der Club dürfe aber nicht den Fehler begehen, einen zu elitären Charakter zu haben.

Dass Lang den Zuschlag für den Umbau des «Spillmann» erhielt, liegt auf der Hand. Wann immer es gilt, in Basel und Umgebung ein historisches Gebäude zu renovieren, kommen er und seine Firma zum Zug.

Monopol beim Renovieren

Lang ist der Renovationsarchitekt Basels schlechthin und hat in diesem Bereich – ähnlich wie Barbara Buser bei Um- und Zwischennutzungen – eine Art Monopolstellung inne.

Seit der Renovation des Fünf-Sterne-Hotels Les Trois Rois am Blumenrain (2004 bis 2006) des Unternehmers Thomas Straumann haftet an ihm der Status des detailverliebten Promi-Architekten.

lang ist Die Liste von Langs Projekten. Aktuell renoviert er etwa das Sutter-Haus in Binningen, das älteste Gebäude in der Basler Vorortsgemeinde.

Lang ist vor allem in Basel, aber auch in Riehen und der Agglomeration tätig. Bekannte Projekte neben dem «Trois Rois» in Basel sind etwa der Andlauerhof an der Petersgasse (2010 bis 2013), die ehemalige Klingentalkirche bei der Kaserne (2011), der Spiesshof am Heuberg (2010) sowie das Restaurant Schlüsselzunft an der Freien Strasse (2007).

«Abbruch ist selten nötig»

Lang sagt, er habe schon früh eine Affinität entwickelt für alte Gebäudesubstanz. «Ich bin der Meinung, dass Bauherren und Architekten leider viel zu wenig mit den heutigen, bestehenden Gebäuden arbeiten. Der Abbruch eines Gebäudes ist in den seltensten Fällen wirklich nötig.»

Die von Lang verantworteten Umbauten erhielten mehrfach Auszeichnungen. So prämierte der Basler Heimatschutz die Schlüsselzunft und den Spiesshof.

Der Heimatschutz will sich auf Anfrage aber nicht zu seinen Arbeiten äussern. In der Architekturszene, in der man sich generell zurückhält mit öffentlichen Kommentaren zu Berufskollegen, ist Anerkennung für Langs Leistung, aber auch etwas Neid wegen dessen Monopolstellung herauszuhören.

In Langs Unternehmen arbeiten auch Bruder Wendelin und Mutter Annemarie. Der Bruder ist Delegierter des Verwaltungsrats und in der Geschäftsleitung zuständig für die Finanzen.

Die 74-jährige Mutter, eine geborene Moog, arbeitet im Sekretariat und in der Administration. Sie sei die «gute Seele im Betrieb», sagt Lang. Von ihr, die aus einer Seilerei- und Schneidereidynastie stammt, habe er auch den Unternehmergeist geerbt.

Nun auch im Nidwaldischen aktiv

Die Villa Nova Architekten AG, die ihr Domizil in einer von Lang renovierten Villa an der Gartenstrasse im Gellert-Quartier hat, ist aber mehr als ein Familienbetrieb und beschäftigt heute 14 Mitarbeiter. Seit Anfang Jahr hat das Unternehmen eine Zweigniederlassung in Beckenried im Kanton Nidwalden.

Doch auch in der Biografie von Erfolgsarchitekt Lang gibt es Brüche. Lang, der in Basel aufgewachsen ist, zog es nicht gleich zur Architektur. Nach der Matur am Gymnasium am Kohlenberg begann er an der Universität Basel ein Chemie-Studium, das er aber wieder abbrach, um sich der Architektur zu widmen. Das Rüstzeug holte er sich unter anderem beim Basler Querdenker Lucius Burckhardt im deutschen Kassel. «Er war sicher eine prägende Figur.»

Neben der Architektur hat Lang eine zweite Leidenschaft: die Gastronomie. Hört man sich über ihn um, so heisst es immer wieder, der in zweiter Ehe mit der Vorarlbergerin Roswitha Lang-Sandholzer verheiratete Vater von drei Kindern sei ein begnadeter Koch. Lang, der sich selbst als «fanatischen Koch» bezeichnet, ist auch ein Weinliebhaber. In seinem imposanten Weinkeller lagern mehrere tausend Flaschen.

Unaufgeregter Netzwerker

Lang gilt als aktiver, aber unaufgeregter Netzwerker, was ihm auch bei der Akquisition von neuen Aufträgen zugute kommen dürfte. In der Daig-Zunft zum Schlüssel ist er als Irtenmeister für das leibliche Wohl der Zunftbrüder verantwortlich.

Er ist zudem im Rotary-Club Basel-St. Jakob, in der Vorstadtgesellschaft zum Rupf und an den Veranstaltungen des Business Club im «Trois Rois» anzutreffen.

Und er ist Mitglied des Stiftungsrats der Karl-und-Margrith- Schaub-Tschudin Stiftung, die sich der Förderung des Zoo Basel verschrieben hat. Im persönlichen Gespräch tritt der Oberst im Generalstab der Luftwaffe mit rund 1250 Diensttagen alles andere als militärisch-zackig auf, sondern freundlich, zurückhaltend und interessiert.

Nichts geworden ist aus einem Engagement in der Politik, für die er ohnehin kaum Zeit gefunden hätte. Bei den letztjährigen Grossratswahlen kandidierte er auf der Liste der LDP, gewählt wurde er aber nicht.

Gegen Claraturm - wegen Denkmalschutz

Beim geplanten Claraturm beim Messeplatz, über den voraussichtlich im November abgestimmt wird, dürfte er quer zur offiziellen Parteimeinung stehen. Bereits 2008 hatte er sich in einem Gastbeitrag in der «Basler Zeitung» gegen den Abbruch der Warteck-Häuser am Riehenring ausgesprochen.

Er führt denkmalschützerische, aber auch städtebauliche Argumente gegen das Neubauprojekt ins Feld und spricht von einer «gesuchten Spekulation» am falschen Ort.

«Es wäre sehr bedauerlich, sollten die Warteck-Häuser als Kontrast zur Messehalle, zum Herzog & de Meuron-Bau, wirklich abgerissen werden», sagt er. Da ist sie wieder, die Leidenschaft für historische Gebäude – und die Enttäuschung, dass immer mehr von ihnen von der Bildfläche verschwinden.

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