Pfarrei-Initiative
Der Basler Bischof Felix Gmür verlangt eine Erklärung

Die Pfarrei-Initiative trifft wunde Punkte: Über 500 Seelsorgende der katholischen Kirche machen mit ihrer Unterschrift darauf aufmerksam, dass ihre alltägliche Arbeit in den Pfarreien sich oft nicht mit den Vorgaben der Kirche vereinbaren lässt.

Miriam Glass
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Bischof Felix Gmür. (Archiv)

Bischof Felix Gmür. (Archiv)

Zum Beispiel sei es heute selbstverständlich, wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion einzuladen, Homosexualität nicht zu verurteilen oder Laientheologen predigen zu lassen. An diesem «Ungehorsam» wolle man festhalten, aber nicht im Verborgenen, sondern ganz offen, fordern die Initianten, die eine Erneuerung der Kirche anstreben.

Die Kirchenoberen haben reagiert. Felix Gmür, Bischof von Basel, hat den 159 Unterzeichnenden aus seinem Bistum nun einen Brief geschrieben. Er erinnert an die Gehorsamspflicht gegenüber der Kirche und verlangt mit vier Fragen Erklärungen dazu, warum die Seelsorger die Initiative unterschrieben haben. Bis Ende Monat erwartet er Antworten. Zudem lädt er zu Diskussionsveranstaltungen ein.

Die Reaktionen auf den Brief fallen unterschiedlich aus. Zwar äussern sich viele der Unterzeichnenden – in den Beiden Basel haben 36 Personen unterschrieben – auf Anfrage des «Sonntags» erfreut darüber, dass der Bischof mit seinem Schreiben ein Angebot zum Dialog mache. Doch es gibt auch kritische Stimmen. «Der Brief ist ein guter Aufruf zum Gespräch, doch er enthält Passagen, die ich bedenklich finde», sagt etwa Guido von Däniken, Seelsorger und Gemeindeleiter der römisch-katholischen Kirche Pratteln Augst.

Bischof Gmür findet es nicht verständlich

Bischof Gmür schreibt, es sei nicht verständlich, warum die Unterzeichnenden im Dienst der Kirche und im Auftrag des Bischofs arbeiteten, «wenn sie doch selber bestimmen, welches Handeln das Richtige ist». Von Däniken sagt dazu: «Da klingt an, dass diese Menschen nicht am richtigen Ort angestellt sind.»

Mit «gemischten Gefühlen» hat auch Peter Bernd das Schreiben entgegengenommen. Der Pfarrer und Leiter der Kirchgemeinde Dreikönig in Frenkendorf-Füllinsdorf sagt, der Brief sei ein Dialogangebot, das er begrüsse. «Irritierend» fand er den Hinweis, dass das verlangte Antwortschreiben auf den Brief in der Personalakte erfasst werde. Mit dieser Irritation steht er nicht allein da.

Die Angst, dass das Unterzeichnen der Initiative personelle Konsequenzen haben könnte, ist verbreitet. Sie wird verstärkt durch das Vorgehen des Bischofs von Chur, Vitus Huonder: Dieser hat bekannt gegeben, er verzichte in seinem Bistum vorerst «auf Personalentscheide bezüglich aller Personen, welche die Initiative unterstützen». Huonder schrieb zudem, es sei wichtig, dass die Bischöfe von Chur, St. Gallen und Basel gemeinsam «die Einheit mit dem Papst und der Weltkirche wahren».

Peter Bochsler, Pfarrer in Pfeffingen, geht denn auch davon aus, dass der Brief von Bischof Gmür «unter Druck von Rom» verfasst worden sei. Was der Dialog bringe, sei abzuwarten.

Tatsächlich scheint es zwar Gesprächsbereitschaft zu geben, inhaltlich hat jedoch keine Annäherung stattgefunden. Bischof Gmür räumt in seinem Brief ein, dass «beträchtliche Probleme bestehen und sich Seelsorgende öfters in schwierigen Situationen bewähren müssen». Er äussert aber auch Unverständnis für die Initiative, erklärt sie für «undifferenziert» und hält fest, sie widerspreche der Lehre und Disziplin der Kirche.

Initianten halten an Forderung fest

Die Initianten halten trotzdem an ihren Forderungen fest. Mehrere von ihnen überlegen zurzeit, ob es sinnvoll ist, eine gemeinsame Antwort auf den Brief von Felix Gmür zu verfassen. Einige Gruppen haben sich dafür bereits gebildet. Der Pfeffinger Pfarrer Walter Bochsler etwa wird seine Antwort mit Gleichgesinnten abstimmen. Monika Hungerbühler, Co-Leiterin der offenen Kirche Elisabethen in Basel, hat sich hingegen entschieden, persönlich zu antworten.

Denn der Brief des Bischofs sei an sie persönlich gerichtet, mit einer direkten, handschriftlichen Anrede. Nicht zu antworten kommt offenbar für niemanden infrage. «Das wäre ein Affront», sagt ein Basler Theologe. Eines der Ziele der Initiative sei es gewesen, eine Auseinandersetzung zu provozieren. «Nun müssen wir uns den Konflikten stellen, die wir angesprochen haben.»