Frankreich ist daran, den trinationalen Euro-Airport zur Festung auszubauen. Das bekommen sowohl Passagiere wie auch Unternehmen zu spüren. Etwa die Schweizerische Rettungsflugwacht: Rund 1000 Gäste begrüsste die Rega 2015 auf ihrer Basis – in diesem Jahr war es noch kein einziger. Denn der Flughafen gestattet der Rega keine Führungen mehr. Nicht einmal Besuche von Schulklassen sind noch möglich.

Der Flughafen wird immer mehr zur allgemeinen Hochsicherheitszone. Grund sind die Terroranschläge in Paris vom 13. November 2015. In deren Folge rief Staatspräsident François Hollande für Frankreich den Ausnahmezustand aus. Der Euro-Airport musste die Sicherheitsbestimmungen verschärfen – lockern durfte er sie seither nicht mehr.

Für Passagiere bedeuten die Restriktionen, dass sie wieder häufiger kontrolliert werden. Bei ankommenden Fluggästen finden systematische Ausweiskontrollen statt. Beim Besteigen des Flugzeugs wird die Bordkarte mit einer Identitätskarte oder dem Pass abgeglichen – auch bei Flügen innerhalb des Schengenraums. Diese Regelung führte die französische Zivilluftfahrtbehörde am 20. November ein, exakt eine Woche nach den Pariser Anschlägen. Dabei waren die systematischen Passkontrollen 2009 im Rahmen des Schengen-Beitritts der Schweiz auch im schweizerischen Sektor aufgehoben worden.

Beschränkter Zugang in der Nacht

Bemerkbar ist auch die erhöhte Präsenz von Polizei und Militär auf dem Flughafengelände. Weiter wurden die Öffnungszeiten eingeschränkt. So ist das Flughafengebäude seit November von Mitternacht bis 4 Uhr geschlossen – bis auf einen Einlass, bei dem Berechtigte Zugang erhalten. Darunter fallen auch Passagiere mit gültigem Ticket. Nach den Anschlägen am Brüsseler Flughafen am 22. März wurden die Bestimmungen erneut verschärft. So ist seither die Besucherterrasse permanent verriegelt.

Und es weist alles darauf hin, dass die neuen Massnahmen zum Normalzustand werden. Obwohl der Ausnahmezustand ursprünglich bis Ende Februar begrenzt war, wurde er mehrfach erneuert. Mittlerweile erstreckt er sich auch über die vierwöchige Fussball-Europameisterschaft, die am 10. Juni beginnt. Und mit der nächsten Verlängerung ist zu rechnen.

Auch auf dem Euro-Airport waren die strengeren Sicherheitsrichtlinien ursprünglich «nur» bis zum Ende der EM am 10. Juli vorgesehen. «Die Massnahmen», sagt Flughafensprecherin Vivienne Gaskell, «könnten aber nochmals verlängert werden, je nach Entwicklung der Situation.»

Flughafen selber auch betroffen

Die am Flughafen ansässigen Unternehmen rechnen offensichtlich nicht mehr mit einer baldigen Lockerung der neuen Bestimmungen. Die Rega zum Beispiel hat auch Führungen storniert, die weit nach der EM hätten stattfinden sollen. So hat etwa der kaufmännische Verband Basel eine Absage erhalten für eine Führung am 27. September, dies «aufgrund der sicherheitspolitischen Lage», wie der Verband die Rega zitiert.

Und es trifft bei weitem nicht nur die Rega, wie Flughafensprecherin Gaskell bestätigt: «Alle Firmen, die sich in dieser Zone befinden, sind betroffen.» Mit Zone gemeint ist die pistenseitige «zone réservée». In diese haben nur berechtigte Personen Zugang. Laut Gaskell musste ein anderes Unternehmen in der «zone réservée» einen Tag der offenen Türen für das eigene Personal streichen. «Auch wir», so berichtet Vivienne Gaskell, «mussten Besichtigungen für Schüler, Unternehmen und andere Bevölkerungsgruppen bis auf weiteres annullieren.»

Der Ausnahmezustand erklärt aber nicht alle Massnahmen. Demonstrationen sind im Euro-Airport bereits seit Mitte 2015 nicht mehr erlaubt. Im vergangenen Herbst hielt die französische Polizei neun Aktivisten der Tierrechtsgruppe Basel fest, die in der Empfangshalle – also vor Check-in und Sicherheitskontrolle – gegen Tiertransporte der Air France demonstrierten.

Schon damals begründeten die französischen Behörden das Demo-Verbot mit der «veränderten Sicherheitslage». Dies zeigt: Die Pläne der französischen Behörden, den Euro-Airport zur Hochsicherheitszone umzugestalten, sind schon älter.

Bleibt zu hoffen, dass die Trutzburg auch tatsächlich uneinnehmbar ist.