Zusammenarbeit

Der Kanton Jura wird 40 Jahre alt – und kommt Basel-Stadt näher

2014 war Basel-Stadt auf dem Marché Concours in Saignelégier als Gastkanton präsent.

Neben den gemeinsamen Kultur- und Sprachprojekten gibt es vor allem wirtschaftliche Interessen.

Fragt man Samuel Hess, was es dem grossen Basel bringt, mit dem kleinen Jura zusammenzuspannen, muss er nicht lange nachdenken. Für den Leiter der Abteilung Wirtschaft des Basler Amts für Wirtschaft und Arbeit liegt es auf der Hand: «Der Jura ist der Kanton der Uhrmacher, der Mikro- und Medizinaltechnik. Das ist die ideale Ergänzung und Bereicherung für die Basler Pharma und Biotechnologie.»

Seit 2010 kutschieren Jura, Baselland und Basel-Stadt in der Innovationsförderung und Standortpromotion in der Organisation Basel Area zusammen. «Auch unsere Rahmenbedingungen für die Niederlassung von Unternehmen sind sehr komplementär. Im Gegensatz zu Basel hat der Jura noch grosse Flächen zu günstigen Preisen anzubieten.» Ausserdem seien die Beziehungen zum frankophonen Nachbarn eine Brücke in die Romandie und eine kulturelle Bereicherung. Hess amtet auch im Vorstand von Basel Area.

Der Jura ist dort 2010 eingestiegen. Wirtschaftsminister und Regierungspräsident Jacques Gerber (Parti libéral radical) sagt: «Die Kooperation mit der Romandie hat nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Da haben wir uns in Richtung Basel orientiert.» Man sei schon immer sehr verbunden gewesen. «Ich empfinde das als eine enge Partnerschaft mit der Region Basel.»

Jährlich 600'000 Franken

Claude-Henri Schaller, Direktor des jurassischen Service de l'Economie et de l'emploi, ergänzt: «Im Mittelalter gehörte das ganze Gebiet über das Fürstbistum Basel zusammen.» Ab Herbst 2019 beherbergt Delémont einen Standort des Switzerland Innovation Park Basel Area, der sich derzeit im Bau befindet. Weitere gibt es bereits in Allschwil und Basel. Mit einem jährlichen Beitrag von 600'000 Franken gilt der Haupt-Effort des Juras der Mitgliedschaft in Basel Area. «Das Engagement Richtung Romandie ist viel zurückhaltender.» Das Budget von jährlich 3,6 Millionen Franken für Basel Area wird von Basel-Stadt und Baselland mit je rund 960'000 Franken im Jahr finanziert, dazu kommt eine Unterstützung des Bundes.

«Die jurassischen Unternehmer orientieren sich immer mehr in Richtung Basel», freut sich Schaller. Das sei nicht selbstverständlich und wäre in den 1970er oder 1980er Jahren noch undenkbar gewesen. Gerber erklärt: «Aufgrund unseres langen Kampfes um die Selbstständigkeit gab es im Jura lange Jahre Vorbehalte gegenüber der Deutschschweiz, auch wenn sich dies vor allem gegen Bern gerichtet hat.»

In den 80er-Jahren seien die Jungen fast stolz gewesen, wenn sie eine schlechte Note in Deutsch nach Hause brachten. Diese Zeiten sind seit langem vorbei. Heute ist die bilinguale Matura zwischen Porrentruy und Laufen ein Erfolgsmodell.

Kooperation bei Gesundheit

Gerber sieht die Zukunft auch in der Zusammenarbeit im Gesundheitswesen. So stehen das Unispital und das Kinderspital beider Basel auf der jurassischen Spitalliste. Zwischen dem Hôpital du Jura (HJU) und dem Universitätsspital Basel gab es 2015 bis 2016 ein Projekt der Zusammenarbeit im Bereich der Onkologie. Auch das Claraspital und das HJU kooperieren.

Insgesamt haben die beiden Kantone zwischen 2009 und 2015 16 gemeinsame Projekte in so unterschiedlichen Bereichen wie dem Austausch zwischen Schulen und Schulklassen, Kinderfasnacht, Paläontologie, Landwirtschaft, zweisprachige Theateranimationen, Reitertagen, Tanz und Parkour, Performances sowie dem Austausch der Symphonieorchester samt Kunstprojekt umgesetzt. Das gemeinsame Budget dafür lag bei immerhin 560'000 Franken. Das Geld war stets als Anschubfinanzierung gedacht. 2015 entschieden die beiden Kantone, keinen neuen Fonds zu äufnen.

Kosten werden geteilt

«Die gemeinsamen Projekte wurden immer zu gleichen Teilen finanziert. Hintergrund war die Zweisprachigkeit», erläutert Sabine Horvath, die als Verantwortliche für das Standortmarketing und die Aussenbeziehungen in Basel die Beziehungen zum Jura koordiniert. 2014 hatte Basel-Stadt als Gastkanton beim Marché Concours in Saignelégier einen grossen Auftritt. Ein Jahr zuvor waren die beiden Kantonen mit dem Baselbiet in Lausanne beim Concours Suisse präsent.

Der erste gemeinsame Auftritt zu zweit, der sich auf Jura und Basel-Stadt beschränkt, folgt am 28. Juli in Vevey bei der Fête des Vignerons. Beim riesigen Fest, das das letzte Mal 1999 stattfand, treten die beiden Kantone unter dem Titel «Carnaval et plus encore» auf. Allein aus Basel werden 150 Personen mitwirken, Drummler und Pfyffer aus verschiedensten Cliquen. Aber auch die Kunst ist mit der Maschinenskulptur «Klamauk» von Jean Tinguely vertreten. Das Unesco-Weltkulturerbe von 2017, die Basler Fasnacht, trifft so auf das von 2016, die Fête des Vignerons. Neben einem 45-minütigen Umzug werden vier Bühnen bespielt. Das Budget beträgt für jeden Kanton 100'000 Franken.

Grosszügig gegenüber dem Jura, das mit rund 70'000 Einwohnern rund ein Drittel von Basel zählt, zeigte sich der Stadtkanton 2017. Er unterstützte das Projekt, mit dem Théâtre du Jury in Delémont ein jurassisches Theater zu bauen, mit 300'000 Franken. Katrin Grögel, Co-Leiterin der Abteilung Kultur im Basler Präsidialdepartement, sagt: «Es war der letzte Tropfen, der für die Finanzierung fehlte.» An die Unterstützung des Kantons Basel-Stadt sei keine Bedingung geknüpft gewesen. «Es wäre natürlich erfreulich, wenn es zu Kooperationsprojekten mit Basler Institutionen käme. Aber für einen Dialog braucht es eine künstlerische Direktion, und die gibt es noch nicht.»

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Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

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