Basel-Stadt

Der Krampf mit der Gleichstellung: Zu wenig Führungsfrauen bei IWB und BVB

Die kantonsnahen Betriebe tun sich schwer: In den Geschäftsleitungen sitzen zu wenige Frauen. (Symbolbild)

Die kantonsnahen Betriebe tun sich schwer: In den Geschäftsleitungen sitzen zu wenige Frauen. (Symbolbild)

Kantonsnahe Basler Unternehmen erreichen den Frauenanteil in ihren Geschäftsleitungen grösstenteils nicht. Das liegt unter anderem daran, dass der Kanton keine klaren Zielvorgaben macht.

Zu Beginn des Jahres verkündete der Kanton Basel-Stadt erfreut: «Basel liegt schweizweit an der Spitze.» Damit gemeint ist die Geschlechterquote, die seit 2014 für die Verwaltungsgremien der kantonsnahen Unternehmen gilt. Mindestens ein Drittel der Mitglieder muss weiblich oder männlich sein. Das Quotenmonitoring von 2019 zeigte, dass der Frauenanteil bei 47,8 Prozent liegt.

Weniger erfreulich sieht der Frauenanteil jedoch im oberen und mittleren Führungskader der kantonsnahen Firmen aus. GLP-Grossrätin Esther Keller fragte in einer Interpellation bei der Basler Regierung nach, wie die Anteile aussehen. Die Ergebnisse der vergangenen fünf Jahre sind ernüchternd: Die Basler Kantonalbank (BKB) hatte 2014 keine Frau in der damals siebenköpfigen Geschäftsleitung, 2018 waren es drei Frauen. Seit vergangenem Jahr sitzt wieder nur eine Frau im mittlerweile sechsköpfigen Führungsgremium.

Ähnlich sieht es bei den Basler Verkehrs-Betrieben (BVB) aus: Die Geschäftsleitung besteht aktuell aus sechs Männern und einer Frau. Mehr weibliche Mitglieder – deren zwei – hatte das Unternehmen 2015 bis 2017 und 2019. Gleichzeitig nahm bei den Industriellen Werken Basel (IWB) zwischen 2014 und heute nie eine Frau Einsitz in der Geschäftsleitung.

Kanton gibt IWB keine Zielvorgabe

Der Regierungsrat anerkennt in der Beantwortung von Kellers Interpellation den tiefen Frauenanteil. «Die Zahlen zeigen, dass grosse Unterschiede zwischen den beherrschten Beteiligungen bestehen und vor allem bei den IWB, der BKB und den BVB die Frauenanteile im Kader noch zu tief sind», schreibt er. Man müsse jedoch berücksichtigen, dass in gewissen Branchen vor allem Männer arbeiteten und es darum eine «grosse Herausforderung darstellt, die Frauenanteile im Kader deutlich zu erhöhen».

Die Regierung fördert die Gleichstellung über Vorgaben in den Eignerstrategien. Diese werden jährlich geprüft und gegebenenfalls angepasst. Bei der BKB besagt die Eignerstrategie, dass «im Kader und in der Geschäftsleitung Frauen und Männer mindestens zu je einem Drittel vertreten» sein sollen. Auch die BVB wollen den Frauenanteil innert vier Jahren steigern – wenn auch ohne klare Mindestvorgabe. Einzig bei den IWB ist in der Eignerstrategie keine Rede von einem Ziel zur ausgeglichenen Geschlechtervertretung.

Spitäler suchen mit Uni nach mehr Chefärztinnen

Weiter hat der Kanton den öffentlichen Spitälern eine Vertretung von mindestens einem Drittel Frauen in der Geschäftsleitung vorgeschrieben. Die Universitäre Altersmedizin Felix Platter und das Universitäre Kinderspital beider Basel können diese Vorgabe gut einhalten. Das Universitätsspital, die Universitären Psychiatrischen Kliniken und das Universitäre Zentrum für Zahnmedizin hingegen erfüllen den Drittel nur haarscharf.

Thomas Pfluger, Sprecher des Unispitals, sagt: «Unsere Schwierigkeit liegt vor allem im Bereich der Ärztinnen und beim Frauenanteil unter den Chefärztinnen und Chefärzten.» Dieser sei tief, wenn auch im gesamtschweizerischen Vergleich in der Norm. Dort will das Unispital zusammen mit der medizinischen Fakultät der Uni Basel den Frauenanteil steigern.

Das Problem bei der Wurzel packen: Diese Strategie befürwortet auch die Interpellantin Esther Keller. «Wir müssen bei der Bildung ansetzen, um eine Veränderung zu erreichen. Denn welchen Beruf man ergreift, bestimmt nicht das Geschlecht.» Es brauche einen Kulturwandel, damit Frauen etwa bei den IWB oder in den Spitälern bereits früh berücksichtigt und gefördert würden. Keller: «Meine Interpellation ist als Aufforderung an den Regierungsrat zu verstehen, sich diesem Thema verstärkt anzunehmen.»

Meistgesehen

Artboard 1