Novartis Campus

Der Novartis Campus - eine Produktive Wellnessoase mit Architektur als Katalysator

Park im Campus: Wenn es warm ist, finden hier Sitzungen statt.

Park im Campus: Wenn es warm ist, finden hier Sitzungen statt.

Die kreative Atmosphäre und die grosszügige Anlage des Novartis Campus in Basel soll auf andere Novartis-Niederlassungen übertragen werden. Dadurch sollen Kreativität und Leistungsfähigkeit gefördert werden.

Die Tatsache, dass die neue Yahoo-Chefin Marissa Mayer ihre Angestellten in die Firma zurückpfeift und damit die Arbeit zu Hause praktisch untersagt, hat diese Woche in den Medien teils für heftige Diskussionen gesorgt. Schnell war der Vorwurf zur Stelle, «die Neue» würde «den Faulen» auf die Pelle rücken. Zudem habe sie habe nicht begriffen, dass flexible Arbeitsmodelle heute eine Selbstverständlichkeit sein müssten, gerade für einen Informatikkonzern.

Diese Interpretationen dürften zu kurz greifen. «Einige der besten Ideen entstehen durch Diskussionen auf dem Gang oder in der Cafeteria, dadurch, dass man neue Leute trifft oder auf spontanen Teamtreffen», schreibt Yahoo-Personalchefin Jackie Reese in einem internen Memo.

«Dieser Campus soll Katalysator sein»

Das Zitat könnte ebenso gut aus Basel stammen. Denn auch Novartis hat erkannt, dass das Arbeitsumfeld für Kreativität und Leistungsfähigkeit matchentscheidend ist. Und zwar schon vor mehr zehn Jahren, als die ersten Ideen zum Novartis Campus entworfen wurde. Dieser war, trotz des Staraufgebots von internationalen Architekten, nie nur ein architektonischer Masterplan. Die Idee war es, ein möglichst kreatives Arbeitsumfeld zu schaffen: Der Raum soll dafür sorgen, dass sinnvolle Ideen entstehen und Ansätze entwickelt werden.

«Die langfristige Forschung gebiert ihre neuen Ideen meist nicht in Sitzungszimmern und auf Positionspapieren, sondern in Kantinen und auf bekritzelten Papierservietten», schreibt Gottfried Schatz, ehemaliger Biozentrum-Direktor im Vorwort zum Buch «Novartis Campus – eine moderne Arbeitswelt». Der Campus soll die Hemmschwellen für die Geburt neuer Ideen verringern. «Um es chemisch auszudrücken: Dieser Campus soll Katalysator sein.»

Erfahrungen hätten gezeigt, dass in Gebäuden mit weniger Geschossen mehr Kontakte stattfinden, weil man beispielsweise bei fünf Stockwerken noch eher mal die Treppe braucht.

Werben um Spitzenkräfte

Ein zweiter Hintergedanke: Novartis steht auf dem internationalen Arbeitsmarkt für Spitzenkräfte, Forscher, Manager, in Konkurrenz mit anderen Top-Arbeitgebern der Welt. Auch hier ist klar: die Mitarbeitenden müssen das «productive well-being», wie es bei Novartis genannt wird, spüren und als Bereicherung empfinden. Dass sie in Monumenten moderner Architektur arbeiten, dürfte als Wertschätzung des Arbeitgebers empfunden werden. Abgesehen davon bietet der Campus eine hervorragende Infrastruktur mit schicken Cafeterias, diversen Restaurants, Grünanlagen, Läden und Kinderhort.

Die Campus-Philosophie bleibe nicht auf Basel beschränkt, sagt Claudio Beccarelli, verantwortlich für die Novartis Campus Kommunikation. Sukzessive werde das Modell in Schanghai, Boston und East Hanover (USA) umgesetzt. Novartis sieht sich auch ein bisschen als Pionier in dieser Frage. Dabei habe man schon von Beginn weg mit namhaften Wissenschaftlern wie Vittorio Magnago Lampugnani, Professor für Geschichte des Städtebaus an der ETH Zürich, und Roman Boutellier, Professor für Innovations- und Technologiemanagement an der ETH Zürich, zusammengearbeitet.

Auch andere Weltkonzerne arbeiten daran, ihre Arbeitsbedingungen – zumindest für Spitzenkräfte – aufzuwerten. Dabei werden auch unkonventionelle Lösungen gesucht. Beispiele: Der geplante Apple-Hauptsitz ist kreisrund, im Zentrum ein riesiger, parkähnlicher Innenhof. Auch der Pixar-Hauptsitz in Emeryville (USA) ist so angelegt, dass diese zufälligen Kontakte gefördert werden: Haupteingänge der Gebäude gehen auf das Artium, ebenso die Treppen und Gänge. Café und Briefkästen sind dort zu finden, alles ist auf diese Begegnungszone ausgerichtet.

Apple-Mitgründer Steve Jobs hätte sich bei Novartis wohlgefühlt. «In unserer vernetzten Welt ist die Versuchung gross zu glauben, Erfindungen könnten per E-Mail und iChat gemacht werden. Kreativität kommt bei zufälligen Diskussionen und spontanen Begegnungen zustande», sagt Jobs in der Biografie von Walter Isaacson.

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