Oberbaselbiet
Der stille Müll-Protest am Strassenrand in Liestal und im Oristal

Im Bezirk Liestal und Oristal werden immer öfter Kantonsstrassen mit Abfall «dekoriert». Hinter der Aktion steckt die Ziefner Einwohnerin Hilda Riesen.

Willi Wenger
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Die Ziefner Einwohnerin Hilde Riesen macht den Abfall am Strassenrand sichtbar: Sie stellt Büchsen und Flaschen auf dekorierten Stecken zur Schau.

Die Ziefner Einwohnerin Hilde Riesen macht den Abfall am Strassenrand sichtbar: Sie stellt Büchsen und Flaschen auf dekorierten Stecken zur Schau.

Willi Wenger

Hilda Riesen hat ihre Aktion nicht lange im Voraus geplant, sondern diese spontan umgesetzt. Sie habe «seit jeher» Abfall entlang von Strassen eingesammelt. «Jetzt wollte ich ein Zeichen setzen und der Bevölkerung, quasi als Denkanstoss, bewusst machen, wie viel aus Fahrzeugen geworfener Abfall der Umwelt zugemutet wird.»

Ihre Dekoration am Strassenrand

Ihre Dekoration am Strassenrand

Willi Wenger

Dass Riesen als Einzelperson ein derartiges Zeichen setzt, ist bemerkenswert. «Statt grantig zu werden, bin ich auf Tour gegangen und habe das Ganze umgesetzt», erklärt sie den Beweggrund hinter ihrem Einsatz.

Ahnungslose Behörden

Also steckt Riesen im Alleingang beispielsweise weggeworfene Alu-Dosen auf Stecken, ohne die Landeigentümer von ihrer Aktion ins Bild zu setzen. Auch die kantonalen Behörden wussten nichts von dieser Aktion, bis sie von der bz darauf aufmerksam gemacht wurden. Roland Ebner, der Leiter des Kreisbauamts III des solothurnischen Amts für Verkehr und Tiefbau in Dornach sagt, dass ihm diese «Mahnmale» zuvor nicht bekannt gewesen seien.

«Meine Mitarbeiter vom Unterhalt werden diese bei der Kehrichttour abräumen.» Urs Hess, der Chef des Geschäftsbereichs Kantonsstrassen beim Baselbieter Tiefbauamt, kommentiert generell, dass Littering ein zunehmendes gesellschaftliches Problem sei. «Wenn aus einer Einzelinitiative eine Aktion mit dieser Absicht lanciert wird, so kann das dem Tiefbauamt nur recht sein.» Hess sagt auch, dass diese «Mahnmale» den Verkehr nicht gefährden würden, da sie genügend weit weg von der Strassen stehen.

Das Aufstellen der vielen Dutzend Anti-Littering-Stecken ist eine Arbeit von nicht zu unterschätzender Dimension. Riesen erledigt die Aufgabe mit dem Fahrrad, einem Anhänger, Pfahleisen, Hammer und den notwendigen, vorbereiteten Stecken. «Wenn ich nach Hause komme, habe ich jeweils ein gutes Gefühl.» Sie sehe nur Positives hinter ihrer Aktion.

Gleichzeitig fragt sie sich aber, ob die Bevölkerung den Abfall entlang der Strassen überhaupt wahrnimmt. «Ich mache mir keine Illusionen, auch wenn klar sein sollte, dass das Wegwerfen von Abfall, der die Umwelt stark belastet, respektlos ist.» Sie mache sich wirklich grosse Sorgen und sei betrübt, bekräftigt sie mehrmals im Gespräch mit der bz.

Pfand auf PET und Alu-Dosen

Damit entlang von Strassen weniger Abfall weggeworfen wird, hätte Riesen einen konkreten Vorschlag zur Abhilfe. «Ich bin überzeugt, dass die Situation nur über das Portemonnaie geregelt werden kann. Ein Depot für PET-Flaschen, Aludosen oder Glasflaschen, wie es beispielsweise in Deutschland schon in Kraft ist, könnte die Situation sicher entschärfen.»
Riesen liest nicht nur Getränkegebinde zusammen, sondern auch andere Gegenstände wie McDonald’s-Verpackungen, Papier, Zigarettenpäckli oder Plastik in jeder nur erdenklichen Form. Sie werde den Mut zum Sammeln nicht verlieren. «Ich mache weiter», sagt sie.