Telebasel

Der Täufer Willy Surbeck

Willy Surbeck, der Telebasel-Chefredaktor, liebt den Blues. Foto: Martin Töngi

Willy Surbeck, der Telebasel-Chefredaktor, liebt den Blues. Foto: Martin Töngi

Alle kennen ihn, aber nur wenige wissen, was ihn bewegt: Telebasel-Chef Willy Surbeck (56), seit zwölf Jahren bereits Chefredaktor des Basler Regionalfernsehens Telebasel. Nun erzählt er, wie er seinen Sender sieht.

Willy Surbeck (56), seit zwölf Jahren bereits Chefredaktor des Basler Regionalfernsehens Telebasel, ist bekannt in der Rheinstadt. Da kann es schon mal vorkommen, dass ein Tramführer fernab einer Haltestelle stoppt und den Promi aufnimmt: «Das sind schöne Erlebnisse», sagt er.

Der Ostschweizer hat sich dank Telebasel einen Namen gemacht: Er lebt für diesen Sender, wieselt in der Redaktion herum, tritt an vielen Anlässen in der Region auf, moderiert Diskussionen. Willy Surbeck ist neugierig, debattiert gerne, gestikuliert und findet immer wieder originelle Denkansätze.

Der Sender sei ein «System Willy», sagen Branchenkenner. Von der Stiftung Kabelnetz, welche den Sender besitzt, erhält der Chefredaktor viel Spielraum. «Ich kann mich voll entfalten, soweit Geschäftsführer Dominik Prétôt dies zulässt», bestätigt er.

Vor seinem TV-Engagement war Surbeck als freier Journalist beim früheren Radio Raurach und Radio Basilisk sowie diversen Tageszeitungen tätig. Er wechselte 1988 auf die Redaktion des «Blick» Basel, 1993 zum «Doppelstab». 1996 startete er seine Telebasel-Karriere als Redaktor beim damaligen TV-Stadtkanal.

Wer aber ist dieser TV-Mann, der regelmässig am Bildschirm erscheint? Er ist kein Blender. Viel lieber stellt er die Moderatorinnen und Moderatoren der Sendungen in den Vordergrund. Für die Rolle des eitlen TV-Lieblings eignet er sich nicht. Im Grunde genommen ist er immer noch der grosse Junge vom Land.

Im Bauerndorf Oberhallau im Kanton Schaffhausen ist er aufgewachsen: 425 Einwohner, 28 Bauernbetriebe, schöne Landschaften im Klettgau, etwas Weinbau. Hier auf dem Land ging Surbeck zur Schule. Schon damals als Erstklässler interessierten ihn die Neuigkeiten in der Geschichtsstunde der Sechstklässler, die gleichzeitig unterrichtet wurden, viel mehr als das Büffeln des Einmaleins. «News elektrisieren mich», sagt er.

Trotzdem kam er erst relativ spät zum Journalismus. Service public betrieb er aber schon als Knabe: Als Sohn eines Posthalters übernahm er als Achtjähriger am Schalter den Verkehr mit Geld, Briefen, Zeitungen und Paketen. Schliesslich machte er eine Maschinenmechaniker-Lehre im Schaffhauser Grosskonzern Georg Fischer und arbeitete einige Jahre auf diesem Beruf. Das Handwerkliche war aber nicht eigentlich seine Stärke. Darum ging er zum Berufsberater, der in ihm eher einen Sozialarbeiter oder Berufsberater sah.

Also machte er ein Jahr lang ein Praktikum in einem Schulheim mit schwerbehinderten Kindern, die an Muskelschwund litten. Kinder, die Angst vor Schnee haben, weil sie sich dann auf glitschigem Terrain kaum bewegen können. Diese Zeit war für ihn eine Lebensschule und auch sonst wichtig: Hier lernte er seine Ehefrau Heidi Basler kennen, mit der er drei Kinder hat und seit 1984 in Allschwil lebt. Nach dem Heim bot sich ihm die Gelegenheit, drei Jahre in der freikirchlichen, durch Radio 24 ausgestrahlten Radiosendung «Gospel Radio» zu arbeiten: Im Studio in Au am Zürichsee gestaltete Surbeck Sendungen über den Glauben.

Sein Glaube ist eine andere Seite von ihm. Wie einst seine Mutter ist er Mitglied der Evangelischen Täufergemeinde (ETG), die an der Missionsstrasse in Basel ihre Kirche hat. Die Neutäufer als freikirchliche Bewegung hatte ein reformierter Aargauer Pfarrer im 19. Jahrhundert begründet. Die Täufer lassen sich als Erwachsene taufen, stellen den Glauben an Jesus Christus in den Vordergrund und wollen vom Staat unabhängig sein. Das hindert die Gemeinde aber nicht, jeden Dienstag um 7.15 Uhr «für Regierung und Stadt Basel» zu beten.

Telebasel-Chefredaktor nennt Gott als Schlüsselfaktor für Emanzipation und Durchhaltevermögen: «Das Nachdenken über den gekreuzigten Jesus verschafft mir Denkweite, Energie und Hoffnung.» Dies habe er im Kampf um die Unabhängigkeit des Senders gut brauchen können, sagt er. Laut Branchenkennern war diese Unabhängigkeit aber nie wirklich in Gefahr.

Surbeck betont, dass er im «Sonntag» erstmals und nur auf Anfrage über seinen Glauben rede. So halte er es auch in der Redaktion. Bei der Anstellung von Redaktoren versuche er, möglichst Leute mit anderen Denkweisen als der eigenen zu engagieren. In dieser Hinsicht hatte er in den letzten zwei Jahren viel zu tun:

Telebasel hat einen grossen Schritt nach vorne gemacht. Neu mit Gebühren aus dem SRG-Topf von 2,5 Millionen Franken plus die 1,6 Millionen von Cablecom sowie Werbung und Sponsoren ist der Sender heute ein Unternehmen mit 8,6 Millionen Franken Umsatz im Jahr sowie 110 Angestellten geworden.

Neue Sendungen wie «061 live» oder «Telebasel Report» setzten neue Schwerpunkte. Doch ein Renommee wie etwa, dass der Sender die politische Diskussion in den beiden Basel bestimmt, fehlt allerdings. Trotz beachteten Beiträgen wie etwa die Diskussion über die Einsatzpolitik der Polizei oder über das U-Abo der Verkehrsbetriebe herrscht weitherum noch das Klischee, dass Telebasel jeden Feuerwehreinsatz für ein verirrtes Kätzchen filmt. Diese partielle Einschätzung ist auch Surbeck bekannt.

«Der Sonntag» versuchte Stellungnahmen über Telebasel zu erhalten, was sich als schwierig erwies. Denn die meisten gesellschaftlichen Gruppierungen von der Wirtschaft, Kirche, Medien, Mieter, Schulen bis zu den Gewerkschaften sind alle im Aufsichtsorgan, der Stiftung Kabelnetz Basel, vertreten. Allgemeiner Tenor: Lob für den engagierten Surbeck, Vorbehalte aber, dass wegen des grossen Ausbaus des Senders die Qualität der Programme nicht gehalten werden könne. Ein Beispiel sei ein Beitrag, in dem Regierungsrat Hans-Peter Wessels mit ausgestreckter Zunge gezeigt wurde. Von dieser Aufnahme ihm Vorfeld des Gesprächs wusste Wessels aber nichts.

Gut darum, dass Surbeck künftig auf mehr inhaltliches Profil, mehr Zuschauer und grössere Marktanteile setzt. Geschäftsführer Prétôt hat eine umfassende Analyse des Senders mit externen Spezialisten, aber auch mit internen Teams in Angriff genommen. Sie soll zeigen, wie dieses Ziel erreicht werden kann. Erste Resultate folgen im Januar.

Bis dahin wird Surbeck auch Auftritte als Blues-Musiker hinter sich haben: Er spielt Bass in Bands wie den Rollin’Fities, der Freewheelin Bluesband, in Caesars Blues Connection, im Ruedi-Thöni-Trio oder in Dieter Werthemanns Swing Band. Sein Schlüsselerlebnis hatte er 1974 im texanischen Austin, als er von «der Authentizität» dortiger Musiker wie Kris Kristofferson oder Willie Nelson überwältigt war. Sein liebstes Lied ist ein Song des schwarzen Jazzpianisten Andraé Crouch «The Blood (of Jesus) never looses it’s Power».

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