Rainer Ganz zeigt zur Leuchtstoffröhre an der Tunnelwand hinauf: Auf jener Höhe fliesst in etwa die Wiese, in knapp zehn Metern Entfernung parallel zum Tunnel der Zollfreien Strasse. Deren Projektleiter Ganz steht neun Meter unter der Erde; über ihm rollt auf dem Weilweg seit April wieder der Pendlerverkehr von Lörrach nach Weil am Rhein und umgekehrt - über Riehener Bann.

Sieben Monate lang wurde dieser Verkehr über eine Hilfsbrücke geführt; währenddessen wurde der Tunnel unter dem Weilweg gebaut. Der Ostteil des 388 Meter langen Tunnels wurde vergangene Woche im Rohbau fertiggestellt; seit April sind die Arbeiter mit dem Westteil Richtung Weil beschäftigt.

Am Schluss wird die Decke verschalt

Zehn Meter in der Woche von Montag bis Samstag schaffen die Bauarbeiter, erklärt Ganz: Erst werden Spundwände in die Grube gesetzt, die weit in die Erde reichen, dann die Wände mit Querspriessen stabilisiert. Die Bodenplatte des Tunnels wird dann mit Eisenstangen «bewehrt»: Sie bilden das Gerüst, in das anschliessend der Beton gegossen wird. Dasselbe passiert mit den Wänden, wenn die Querspriessen entfernt worden sind.

Zum Schluss des Rohbaus wird die Decke mit einer entsprechenden Maschine verschalt. Die 9,55 Meter breite Strasse erhält dann zusätzlich je 30 Zentimeter Frostschutz und Asphalt. Die Zehn-Meter-Schritte sind wichtig: Zwischen die Betonplatten kommt ein elastisches Fugenmittel, damit sich der Beton bei Wärme ausdehnen, bei Kälte zusammenziehen kann.

Bauen im Wasserschutzgebiet

Der erste Teil der «Zollfreien», die Weiler Südumfahrung, wurde bereits 1998 fertiggestellt und endet bisher vor dem Altweiler Zoll. Die engen Platzverhältnisse zwischen Wiese und Tüllinger machten die Planung für die restliche Strecke bis zum Anschluss an die Lörracher Wiesentalstrasse komplizierter.

Beim Tunnelbau befürchteten viele, dass der Hang des Tüllingers abrutschen könnte. Laut Ganz untersuchen Geologen seit den Achzigern die Struktur des Hanges. Auch während der Bauarbeiten seien mehrere Messpunkte aktiv. Die 139 Meter lange Wiesenbrücke, die bereits 2007 gebaut wurde, führt in einer ungewöhnlichen, S-förmig geschwungenen Form über den Fluss (der wohlgemerkt nie die Grenze darstellt). Die Erbauer wollten sie besonders unauffällig an die Landschaft anpassen - ein schwacher Trost für all jene, die jahrelang für den Erhalt der Auenlandschaft kämpften.

Noch etwas ist an der Brücke besonders: Sie wird nicht vom üblichen Geländer und der Leitplanke eingegrenzt, sondern von schenkelhohen Betonwänden. «Da bricht mir keiner durch», sagt Ganz. Auf Riehener Boden bauen die Arbeiter nämlich auf einem Wasserschutzgebiet. Das erfordert besondere Massnahmen: So sind auch die Wände des Tunnels mit 80 Zentimetern sehr dick und aus wasserundurchlässigem Beton gebaut.