Tanz

Der zeitgenössische Tanz soll in Basel gefördert werden

Der bewegte Spaziergang des Tanzbüros Basel an den Zeitgenössischen Tanztagen in Basel – der einzige lokale Beitrag fand aber nur im Rahmenprogramm statt.ZVG/Barbara Jung

Der bewegte Spaziergang des Tanzbüros Basel an den Zeitgenössischen Tanztagen in Basel – der einzige lokale Beitrag fand aber nur im Rahmenprogramm statt.ZVG/Barbara Jung

Die Schweizer Tanztage, welche erstmals in Basel bis letzten Sonntag stattfanden, waren ein voller Erfolg. Dennoch spielten freie Basler Tanzschaffende lediglich eine Nebenrolle. Doch weshalb eigentlich?

Über 5000 Zuschauer, eine Gesamtauslastung von 95 Prozent, eine Flut begeisterter Reaktionen. Die Zeitgenössischen Schweizer Tanztage, die bis vergangenen Sonntag zum ersten Mal in Basel stattgefunden haben, waren ein Erfolg.

Nur spielten freie Basler Tanzschaffende beim national besetzten und international beachteten Anlass lediglich eine Nebenrolle. Im Rahmenprogramm lud das Tanzbüro Basel zu einem «Bewegten Spaziergang» ein; aber unter den 15 von der Jury ausgewählten Schweizer Vorzeige-Produktionen war keine Basler Compagnie, kein Basler Choreograf, keine Basler Tänzerin dabei – ausser man zählt die Tänzerin Alexandra Bachzetsis, die eben von Zürich hierhergezogen ist, zu Basel.

Weshalb eigentlich nicht? Wie steht es um die zeitgenössische freie Tanzszene in Basel? Und kann die enthusiastische Stimmung während der Tanztage der regionalen Szene neuen Schwung verleihen?

Potenzial vorhanden

«Wir glauben an das Potenzial des Zeitgenössischen Tanzes und möchten versuchen, dieses in Basel gezielter auszuloten», sagt Philippe Bischof, Leiter der Abteilung Kultur des Kantons Basel-Stadt. Noch vor wenigen Jahren sei behauptet worden, es gebe in der Region keine starke freie Theaterszene. Dann kam die neue Kasernenleitung, das Treibstoff-Festival für junge Theaterschaffende entstand, löste eine unerwartete Dynamik aus und belehrte die Skeptiker eines Besseren. Jetzt blühe die freie Basler Theaterszene und strahle überregional aus. Ähnlich könnte sich der Tanz entwickeln.

Bischof hält den zeitgenössischen Tanz für «eine der aktuellsten und interessantesten Kunstsparten». Er habe sich schon vor seinem Stellenantritt in Basel dafür eingesetzt, die Tanztage hierher zu holen. Nun sei er mit seinem Baselbieter Kollegen Niggi Ullrich sowie den Vertretern der Kulturhäuser Kaserne und Roxy daran, neue Förderkonzepte zu entwickeln. Die Hauptfrage laute: «Wie können wir bei der Nachwuchsförderung Anreize und Aufbauarbeit schaffen?» Nachgedacht werde unter anderem über kleinere Formate, die den Einstieg erleichtern.

Basler Tanz-Residance geplant

Ziemlich weit gediehen ist die Idee, in Basel eine Tanz-Residenz zu schaffen – eine Residance. Das Theater Roxy biete eine gute Tanzbühne; es hätte noch Platz für ein Büro und eine Wohnung, sagt der Roxy-Theaterleiter in spe, Sven Heier. «Wenn man Leute von woanders herholt, ergibt sich daraus eine schöne gegenseitige Beeinflussung. Tanzschaffende aus Basel könnten handkehrum mal in den Genuss einer ausländischen Residenz kommen.»

Auch Bischof gefällt das mögliche Residenz-Modell, Carena Schlewitt, künstlerische Leiterin der Kaserne, erwähnt es ebenfalls: «Es ist aber noch nicht in Sack und Tüten.» Schlewitt hat schon vor den Tanztagen «ein grosses Interesse des Basler Publikums für Tanzvorstellungen» festgemacht.

Nun sei es wichtig, beim Tanz national und international stärker mit anderen Häusern zusammenzuarbeiten, sagt Schlewitt. Die Kaserne kooperiere seit Neustem – auch dank des Pro-Helvetia-Projekts Triptic – mit Freiburg und Strassburg. Weitere Coproduktionen stünden in Aussicht. Dazu kommen Tanz-Workshops. Auch das Junge Theater produziere neuerdings eine Tanzproduktion jährlich. Viele kleine Puzzleteile, die sich langsam zu einem grösseren Ganzen fügen. Schlewitt ermahnt zu etwas Geduld: «Es braucht nun etwas Zeit, bis sich diese Szene entwickeln und etablieren kann.»

Skeptisch ist die Tanzspezialistin Esther Sutter – sie hat die Tanztage-Jury beaufsichtigt. «In Basel fehlt es nicht an Fördermöglichkeiten, sondern an Künstlerpersönlichkeiten, die sich durchsetzen», sagt Sutter. Ausser Cathy Sharp hätten sich in Basel in jüngster Zeit kaum profilierte, professionelle Choreografen hervorgetan, trotz des bikantonalen Fördertopfs für Tanz und Theater und der Unterstützung des Theaters Roxy.

Basisarbeit brauche mehr Mittel

Die Tänzerin und Choreografin Nathalie Frossard vom Vorstand des Tanzbüro Basel sieht das anders: «Bis vor kurzem war dem Tanzbüro nicht bekannt, dass überhaupt, und was für Förderstrategien im Bereich Tanz die Kantone beider Basel verfolgen.» Ausserdem hätte das Tanzbüro gerne mehr Mittel für seine existierende Basisarbeit – das professionelle Tanztraining, das Förderprogramm für junge Choreografen und diverse Austauschplattformen. Derzeit würden vor allem Tänzer gefördert, «die wenig Ausstrahlung auf das regionale Schaffen haben». Das Potenzial in Basel hält Frossard für gross: «Es gibt viele junge professionelle Tanzschaffende.» Nur sind diese nicht so bekannt. Noch.

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