Zoo Basel
29 Millionen Franken haben Spender dem Basler Zoo im vergangenen Jahr zugehalten

Die Pandemie hat zu einem Ertragsausfall geführt. Doch tierliebende Baslerinnen und Basler haben diesen durch Legate mehr als nur ausgeglichen.

Christian Mensch
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Das Vogelhaus im Zoo Basel wird für 25 Millionen Franken um- und neu gebaut. Eine Person allein stellt dafür 10 Millionen Franken zur Verfügung.

Das Vogelhaus im Zoo Basel wird für 25 Millionen Franken um- und neu gebaut. Eine Person allein stellt dafür 10 Millionen Franken zur Verfügung.

Zoo Basel (torben Weber),zvg / BLZ

Das Pandemiejahr 2020 hat ein Loch in die Kasse des Zoo Basel gerissen. Gut zwei Millionen Franken fehlen bei den Eintritten. Zoo-Restaurant und -Laden liegen bei den Erträgen ebenfalls mit über einer Million Franken unter dem Vorjahr. Auf 3,5 Millionen Franken summieren sich die Ausfälle.

Das Loch ist jedoch mehr als nur gestopft, wie aus dem neu publizierten Geschäftsbericht hervorgeht. Ein anonymer Spender – beim Zoo sind es häufig Spenderinnen – hat der Basler Institution angesichts der schwierigen Situation fünf Millionen Franken zukommen lassen. Damit sind wohl auch die in diesem Frühjahr entstandenen Ertragsausfälle ausgeglichen.

Die Spendenbereitschaft war noch nie so hoch

Das vergangene Jahr war bezüglich der Spenden, Geschenke, Nachlässe und Legate ohnehin herausragend: 29,5 Millionen Franken hat der Zoo eingesammelt – so viel wie noch nie. Als vor rund zehn Jahren gleichzeitig Geld für die neue Elefantenanlage wie für ein Ozeanium gesammelt worden ist, schlug das Spendenbarometer jeweils über 20 Millionen Franken aus. Doch in den vergangenen Jahren lag das Spendenaufkommen jeweils unter zehn Millionen. Den Ausschlag hat vor allem eine zehn Millionen-Franken-Gabe einer anonym gebliebenen Person für den Neubau des Vogelhauses gegeben. Zwei weitere Personen haben fünf beziehungsweise drei Millionen Franken überwiesen, um das 25-Millionen-Franken-Projekt zu finanzieren.

Der Zoo hat in der Rechnung ein strukturelles Defizit von durchschnittlich rund acht Millionen Franken jährlich. Die meisten Legate sind zwar zweckgebunden für einzelne Projekte reserviert und die staatliche Beihilfe ist auf rund 1,6 Millionen Franken beschränkt. Doch die Finanzen sind sehr gesund, die Töpfe gut bestückt. Selbst um in einem schlechten Jahr das Betriebsdefizit zu decken, bestehen Rückstellungen in Höhe von zehn Millionen Franken. Insgesamt liegen in den zweckbestimmten Fonds 82,2 Millionen Franken, was gegenüber Vorjahr einem Zuwachs von 16,7 Millionen Franken entspricht.

Im Ozeanium-Fonds befinden sich noch fast 18 Millionen

Der Zoo rechnet auch künftig mit einer positiven Entwicklung des Geschäftsganges. So sollten sich die Investitionen der vergangenen zehn Jahre in neue Tieranlagen und einer verbesserten Infrastruktur für die Besucher auch bei den verbuchten Eintrittszahlen niederschlagen.

Die weiteren Entwicklungsfelder sind abgesteckt. So könnte nach dem geplanten Bau eines Parkings im Wall des Erdbeergrabens die heutige Parkfläche integriert werden – und auch auf Binninger Boden bestehen Landreserven.

Geld dafür ist bereits zur Seite gelegt. Nach dem Scheitern des Ozeanium-Projekts auf der Heuwaage haben viele das gespendete Geld nicht zurückverlangt. So finden sich auch in diesem Fonds noch 17,8 Millionen Franken.

Zoos wollen zu den Kulturinstitutionen gehören

Die Coronapandemie und die damit verbundenen Schutzmassnahmen haben gezeigt: Die zoologischen Gärten und Tierparks der Schweiz gehören irgendwie zu keiner der grösseren Kategorien. Sie sind kein Museum, keine Sportanlage, keine Kulturinstitution. Darum fielen sie im vergangenen Jahr durch die Maschen, konnten sich etwa für Härtefallunterstützung nicht bewerben.

Katja Christ kämpft auf Bundesebene für die Schweizer Zoos.

Katja Christ kämpft auf Bundesebene für die Schweizer Zoos.

Kenneth Nars

Die Basler GLP-Nationalrätin Katja Christ hat dazu einen Vorstoss eingereicht. Sie will vom Bundesrat wissen, welches Amt für die Zoos zuständig ist und zu welcher Kategorie von Einrichtung sie zählen. «Die zoologischen und botanischen Einrichtungen stehen ohne Verankerung in Bundesbern da», sagt Christ. Keine Bundesstelle sei explizit für die Zoos zuständig. Durch die Coronapandemie habe sich dieses Problem noch stärker gezeigt. So waren Zoos und Tierparks zuerst von den Härtefallentschädigungen ausgenommen. Kurzarbeitsgelder erhielten die Institutionen jedoch auch 2020. Ob die Zoos dem Bundesamt für Kultur untergeordnet werden sollen, lässt Christ in ihrer Interpellation offen.

Der Zoo Basel wünscht sich ebenfalls eine bessere Zuteilung. «Wir wollen, vergleichbar mit den Museen, zu den Kulturinstitutionen gehören», sagt Marc Riggenbach, stellvertretender Zoodirektor. Im Jahresbericht von 2020 schreibt der Zoo, Tierparks würden von der Bundespolitik und den Behörden nicht als Teil der Kultur eingestuft. Das hänge mit der vergleichbar geringen Anzahl Institutionen zusammen. Zoodirektor Olivier Pagan wird im Bericht zitiert: «Es ist nicht einzusehen, weshalb eine Institution, welche wie ein Museum präparierte tote Tiere zeigt, als Kultur gilt, ein Zoo, bei welchem das lebende Tier im Zentrum steht, jedoch nicht.» (sil)