Oft merkt man es erst, wenn es zu spät ist. Eine viel zu hohe Handyrechnung flattert ins Haus und man stellt fest, dass man in einem ausländischen Handynetz zu einem teuren Tarif telefoniert hat – obwohl man gar nicht im Ausland war. Eine Situation, die in der Grenzregion Basel regelmässig für Ärger sorgt.«Entlang den Grenzen gibt es ein Wettrüsten», sagt Swisscom-Sprecher Carsten Roetz, «die verschiedenen Netzanbieter decken die Grenzen bewusst sehr gut ab. Sie haben ein Interesse daran, Kunden auf ihr Netz zu holen.» Das ist für die Mobilfunkanbieter lukrativ. «Diese Firmen sind auf Roamingkunden aus», sagt der Basler Politiker und Anwalt Daniel Ordás, zu dessen Spezialgebiet Handyantennen gehören. Dank Roaming können Handybesitzer auch telefonieren, wenn sie sich in einem fremden Netz – sprich im Ausland – befinden. Dafür verrechnen die Netzbetreiber in der Regel hohe Durchleitungsgebühren. Die EU hat deshalb vor vier Jahren Obergrenzen für Roaming-Gebühren eingeführt. Auch in der Schweiz sind solche Gebührendeckel ein Thema. Vor zweieinhalb Wochen hat der Ständerat aber einen entsprechenden Vorstoss sistiert.


Zehnmal stärkere Strahlung
Deutsche und französische Telekomfirmen haben gegenüber den Schweizern einen entscheidenden Vorteil: Ihre Antennen dürfen viel stärker strahlen als diejenigen hierzulande. «Im Vergleich sind bei uns die Strahlungsnormen zehnmal strenger als in Europa», sagt Swisscom-Sprecher Roetz. Grund dafür sind Schweizer Umweltschutzgesetze. Handys buchen sich aber automatisch in die Netze ein, die am stärksten strahlen. In Grenzgebieten ist es also gut möglich, dass eine französische oder deutsche Antenne die Schweizer Masten aussticht, auch wenn man sich noch im Inland befindet. Innerhalb der Schweiz wiederum ist der Bau von Mobilfunk-
antennen einerseits streng reglementiert und andererseits oft umstritten. Einsprachen von Bürgern, die sich wegen der Strahlung sorgen, verzögern oder verhindern häufig neue Antennen. Deshalb können Swisscom, Orange und Co. wenig dagegen unternehmen, dass ausländische Anbieter in «ihr» Gebiet strahlen. «Das Problem kann technisch nicht gelöst werden», sagt Roetz.


Man muss selbst aktiv werden
Rechtlich gegen die ausländische Strahlung vorgehen kann man laut dem Bundesamt für Kommunikation (Bakom) nicht. Und auch etwas gegen die Antennen in Deutschland und Frankreich zu unternehmen, ist kompliziert. «Juristisch ist das sehr schwierig», meint Daniel Ordás.
Zwar warnt in der Regel ein SMS davor, wenn man in ein fremdes Netz fällt. Darauf kann man sich aber nicht verlassen und oft kommen diese SMS verspätet. Die Handynutzer kommen also nicht darum herum, selbst aktiv zu werden. Bakom-Sprecherin Deborah Murith empfiehlt, sich mit dem Anbieter in Verbindung zu setzen: «Mobilfunkbetreiber können in der Regel den automatischen Zugang zu ausländischen Netzen sperren.» Swisscom-Sprecher Carsten Roetz – der selbst in Riehen wohnt und das Problem daher bestens kennt – rät wiederum, das Natel auf «manuelle Netzsuche» einzustellen. Zwar habe man dann im Zweifel mal keinen Empfang. «Dafür bleibt man von unangenehmen Überraschungen verschont.»
Und was macht die Swisscom eigentlich, wenn sich ein Kunde beschwert, weil er unbewusst im ausländischen Tarif telefoniert hat? «Wir schauen es individuell an.»