Freifunk
Deutscher Verein sorgt in Basel für flächendeckendes Gratis-WLAN

Nachdem die Behörden gescheitert sind, organisieren nun Freiwillige in Basel ein kostenloses WLAN. Die Freifunk-Bewegung hat in Deutschland schon ganze Städte abgedeckt – seit einigen Tagen ist auch der erste Basler Freifunk-Anschluss in Betrieb.

Samuel Hufschmid
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Jonas Witmer (links) und Tilo Levante testen den ersten Freifunk-Sender vor dem Restaurant «Manger & Boire».

Jonas Witmer (links) und Tilo Levante testen den ersten Freifunk-Sender vor dem Restaurant «Manger & Boire».

Roland Schmid

Seit über fünf Jahren befasst sich die Basler Regierung damit, der Bevölkerung und Touristen ein kostenloses öffentliches WLAN zur Verfügung zu stellen. Mit dem vorläufigen Entscheid, kein solches einzuführen: Wegen des «ungünstigen Kosten-Nutzen-Verhältnis, ungewissen Folgekosten sowie diverser weiterer Risiken», wie sie vor einem guten Jahr einen Vorstoss aus dem Grossen Rat beantwortete.

Darüber können die Mitglieder des vor fünf Wochen gegründeten Vereins «Freifunk 3Ländereck» nur lachen. «Wir sind daran, im ganzen Dreiländereck einen offenen, kostenlosen Internetzugang zu realisieren», sagt Vereinsmitglied Tilo Levante. Im deutschen Städtchen Grenzach seien bereits über 60 Zugänge installiert und auch in Deutschen Teil von Rheinfelden werde die Fussgängerzone dank einer Zusammenarbeit mit den Behörden bis im Sommer flächendeckend mit Gratis-WLAN versorgt.

Erster Sender bereits in Betrieb

Nun nehmen sich die Vereinsmitglieder die Stadt Basel vor. «Bis Ende Jahr wollen wir die Innenstadt abgedeckt haben», sagt Jonas Witmer, Vereinsmitglied und Präsident der Piratenpartei beider Basel. «Im Restaurant ‹Manger & Boire› haben wir soeben den ersten Freifunk-Sender installiert. Auch Privatpersonen haben schon Geräte bestellt und im Moment haben wir sogar mehr Anfragen, als wir WLAN-Sender liefern können», so Witmer.

Freifunk-Geräte sind ab 30 Euro zu haben.

Freifunk-Geräte sind ab 30 Euro zu haben.

zvg

Die programmierten WLAN-Geräte der Freifunker sind das eigentliche Herzstück der Bewegung. Für 30 bis 70 Franken verbinden sie sich per Internet und untereinander zu einem sogenannten Maschennetzwerk. «Auf den handelsüblichen WLAN-Geräten läuft eine von uns programmierte Open-Source-Software, die den privaten Internetanschluss der Teilnehmer öffentlich zugänglich macht», erklärt Levante. «Das hat auch Vorteile für Privatpersonen, denn sollte sein Internetanschluss einmal ausfallen, übernimmt automatisch der nächste Freifunk-Sender.»

Verein agiert als Provider

Rechtlich gesehen sichert sich der in Deutschland eingetragene Verein dadurch ab, dass er für alle Freifunk-Nutzer als Provider auftritt – und dadurch nicht für die möglicherweise illegale Nutzung von Internetinhalten haftbar gemacht werden kann. «Eine Telefongesellschaft kann auch nicht dafür haftbar gemacht werden, wenn jemand über ihre Telefonleitungen einen Mord in Auftrag gibt», so Levante. Dadurch erübrigt sich für Freifunk-Nutzer auch die heute in vielen Restaurant-Ketten übliche Registrierung per SMS: Ein Vorteil gerade für die Betreiber von kleinen, unabhängigen Restaurants und Geschäften, die ihren Kunden dadurch ohne grossen Aufwand kostenloses WLAN anbieten können.

Rund um Basel sind bereits zahlreiche Freifunk-Antennen am Netz.

Rund um Basel sind bereits zahlreiche Freifunk-Antennen am Netz.

zvg

Entstanden ist die Freifunk-Bewegung vor gut acht Jahren in Berlin. Seither haben sich in Deutschland über 120 lokale Gruppen formiert, die jeweils für ein klar abgegrenztes Gebiet zuständig sind. Das Paradebeispiel der Freifunk-Bewegung ist die Deutsche Stadt Paderborn, in der über 2000 Freifunk-Sender für eine flächendeckende WLAN-Versorgung sorgen.

Internet sogar im vollen Joggeli

Während die Basler Verkehrsbetriebe jüngst ihr WLAN-Pilotprojekt «aufgrund einer zu geringen Nachfrage» eingestellt haben, glauben die Basler Freifunk-Pioniere, dass WLAN-Verbindungen in Zukunft eher noch wichtiger werden. «Eine aktuelle EU-Studie besagt, dass bereits jetzt 80 Prozent der via Smartphone empfangenen Daten nicht über die Handy-Antenne, sondern über WLAN übertragen werden», sagt Levante.

Sämtliche Telecom-Betreiber seien daran, sogenannte Offloading-Lösungen zu entwickeln, um das auf Gespräche ausgelegte Handy-Netz zu entlasten. «Alle, die schon einmal im vollen Joggeli mit dem Smartphone aufs Internet zugreifen wollten, kennen das Problem», fügt Witmer an. Die Handy-Antennen seien in solchen Situationen von der grossen Anzahl gleichzeitiger Nutzer rasch überfordert. «Unser Maschennetzwerk hingegen verteilt die Datenströme auf weiter entfernte Sender und gleicht dadurch allfällige Überlastungen automatisch aus.»

Auf der Suche nach Partnern

Für ihren Ausbau in Basel sind die Freifunk-Vereinsmitglieder auf die Unterstützung von Privatpersonen, Shop-Inhaber und Wirte angewiesen. Auch über eine Zusammenarbeit mit den Behörden würden sie sich freuen. «Die Stadt hat viele zentral gelegene Immobilien, in denen wir unsere Sender installieren und dadurch rasch eine gute Abdeckung erreichen könnten.»

Alle Informationen zum Thema Freifunk finden sich auf der Vereins-Internetseite unter www.freifunk-3laendereck.net.