Basler Fasnacht

Die Ausweitung der Fasnachtszone

Symbolbild

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Nach Jahren des Rückzugs macht sich die Fasnacht in der Basler Innenstadt wieder breiter – nicht zuletzt dank Guggen und Bängg.

Es gibt da an der Fasnacht diesen Begriff des Bermudadreiecks. Dort, so munkelt man, komme keiner mehr raus, der einmal reingeraten sei. Und wer es – entgegen allen Wahrscheinlichkeiten – doch herausschafft, der ist nicht mehr derselbe, der er vorher war. Wo dieses Bermudadreieck liegt, weiss heute allerdings keiner mehr so genau. Es wabert und wandert mit den Fasnächtlern umher. Früher, es muss um die 1970er-Jahre gewesen sein, siedelte man es im Kleinbasel an, irgendwo zwischen Ochsengasse und Rheingasse, wo sich Spelunke an Spelunke reihte und die Tanzflächen gewisser Etablissements förmlich bebten.

Dann, spätestens nach den Achtzigern, verortete man es eher im Grossbasel, direkt im Auge des gerade aufziehenden Fasnachtssturms, zwischen Rümelinsplatz, Andreasplatz und Harmonie. Doch wer weiss, vielleicht ist dieses Dreieck am Schluss aber auch nur das, was die alten Humanisten als «Topos» bezeichnen, mehr Thema als Ort, ein Gemeinplatz, der stets dasselbe beschreibt: Einen Ort, wo man vom Geschehen zutiefst ergriffen sich selbst verliert und die wunderlichsten Dinge geschehen.

Wie die Steinenvorstadt wieder zum Fasnachtsleben kam

Die Fasnacht kennt einige solcher Orte. Sie befinden sich stets in den engsten, innersten Gassen der Altbasler Innenstadt. Hierhin zog sich die Fasnacht in den vergangenen Jahren auch oft zurück. So entstanden die Hochburgen von Pfeifern und Trommlern (A) rund um Rümelinsplatz, die Heimat der Guggen im Glaibasel (B) sowie die eher gelassene Verweilmeile rund um Barfi und neuerdings um die Steinenvorstadt (C). Letztere ist ein gelungenes Beispiel für die aktuelle Tendenz zur Ausweitung der Fasnachtszone. Vor wenigen Jahren, noch vom fasnächtlichen Aussterben bedroht, beginnt sie wieder zu leben. Insbesondere am späten Dienstagabend verweilen hier unzählige Familien, welche die Kinderfasnacht vom Nachmittag hinter sich gebracht haben.

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Im kritischen Brennpunkt der vergangenen Dekade stand hingegen das Kleinbasel. Stammcliquen beklagten den Niedergang von Lokalen, die ausreichend Platz für einen Halt boten. Schnitzelbänggler verkürzten angesichts zunehmender Auftrittsdichten ihre Routen und viele Schissdräggzyygli strebten nach der intimen Engnis, die ihnen noch die Umgebung des Spalenbergs bot. Es ist nicht zuletzt den Guggen zu verdanken, dass das Kleinbasel fasnächtlich in Stimmung gehalten wird.

Der Verkehr an der Grenze und der blinde Fleck im Innersten

Tatsache ist, dass die Fasnachtszone das öffentliche Leben in der Basler Innenstadt abbildet: ohne Einkehrmöglichkeiten keine Umgänge, ohne Atmosphäre kein Verweilen. Entsprechend endet die Zone definitiv am nächsten alltäglich genutzten Verkehrsträger – und damit am inneren Cityring. Schon die Wettsteinbrücke gilt ausserhalb des Cortège am Montag und Mittwoch als «Killer». Entsprechend richtet man sich auch 2020 noch nach Mittelalter-Norm aus: Nur die Mittlere Brücke und allenfalls die Fähren führen die Fasnacht über den Rhein.

Zuletzt haben es aber nicht nur die Fasnächtler selbst in der Hand, wo sie sich aufhalten. Das beste Beispiel ist die als «Gläbbergässli» bezeichnete Grünpfahlgasse, die zwar mitten im Herz der Fasnachtsstadt liegt, aber wegen pöbelnder Partygänger einige Zeit abends für Kostümierte praktisch tabu war. Es ist also auch eine Frage des Angebots, das sich seine Nachfrage schafft: Dünnt eine Verpflegungsmeile aus oder verwechseln deren Beizer hiesige Fasnachtskultur mit drei Tagen banaler Partykultur, wird der jeweilige Ort von den Aktiven gemieden. Es liegt an den Gastgebern genauso wie an den Stadtplanern, wo sich das Bermudadreieck halten kann – oder wohin es eben dislozieren muss.

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