Reaktionen

Die beiden Basel wollen den Atomausstieg

Die Stimmberechtigten wollen die Laufzeit von Schweizer Atomkraftwerken nicht befristen (Archivbild)

Die Stimmberechtigten wollen die Laufzeit von Schweizer Atomkraftwerken nicht befristen (Archivbild)

Sieger frohlocken, Verlierer machen sich Mut. Und beide Lager wollen ihren Kampf nun fortsetzen – in entgegengesetzte Richtungen

Harald Friedls Enttäuschung hält sich in Grenzen. Der Co-Präsident der Basler Grünen hat mit einem Nein zur Atomausstiegs-Initiative gerechnet. Die Laufzeit der Schweizer Atomkraftwerke wird nicht befristet. 54,2 Prozent der Stimmenden haben das Volksbegehren abgelehnt. Immerhin aber hätten die beiden Basel die Initiative angenommen – notabene als die zwei einzigen Deutschschweizer Kantone, wie Maya Graf auf Twitter betont. «Der Einsatz hat sich gelohnt!», findet die Baselbieter Grünen-Nationalrätin, die sich auch im nationalen Ja-Komitee engagiert hat.


Im Baselbiet sagten knappe 50,4 Prozent der Stimmenden Ja zur Initiative, in Basel-Stadt waren es deutliche 60,5 Prozent. Dennoch hätte sich Friedl im atomkritischen Stadtkanton mehr erhofft. Immerhin zeige Basel-Stadt bereits seit Jahren, dass die Stromproduktion atomfrei und sicher funktioniere. Das sieht Luca Urgese zwar ganz anders. Aber auch der Basler FDP-Präsident ist über die deutliche Zustimmung nicht erstaunt. «Basel-Stadt war schon immer atomkritisch», sagt er. Froh ist er daher über das nationale Nein. Nun könne geordnet mit der Energiestrategie 2050 fortgefahren werden.


Wirtschaftsverbände atmen auf


Das sieht der Basler Gewerbedirektor Gabriel Barell genauso: «Das Nein ermöglicht einen wirklich geordneten Ausstieg aus der Kernenergie.» Planungs- und Versorgungssicherheit blieben gewährleistet – beides wichtig für die Wirtschaft. Dem pflichtet Franz Saladin bei: «Die Schweiz muss zuerst genügend Alternativen zur Kernenergie und ebenso die nötige Infrastruktur zur Verfügung stellen, bevor alle Kernkraftwerke abgeschaltet werden», so der Direktor der Handelskammer.


Sebastian Frehner zeigt sich positiv überrascht über die Deutlichkeit des gestrigen Resultats. Für den Basler SVP-Präsidenten ist klar: «Das Resultat zeigt, dass man eine solch fundamentale Frage wie die Energiewende der Bevölkerung vorlegen muss.» Er spricht damit auch ein mögliches Referendum seiner Partei gegen die Energiestrategie 2050 des Bundes an. Dieses sei nötig, findet Frehners Baselbieter Kollege Oskar Kämpfer. Auch hier sei der Fahrplan zu ambitioniert und zudem zu stark auf einzelne Energieformen fokussiert, meint er. Das Volk solle daher die Gelegenheit erhalten nachzudoppeln.


Dass man aus der Atomenergie aussteigen wolle, sei klar, findet die Baselbieter FDP-Präsidentin Christine Frey. «Die Frage ist nur der Zeitplan.» Erstaunt ist sie allerdings über das Baselbieter Ja zum Atomausstieg – angesichts des Neins zum Energiegesetz. «Ich glaube, das kann man psychologisch begründen: Man ist zwar für die Energiewende, aber nur, wenn es nicht ans eigene Portemonnaie geht», sagt sie. «Das gute Gewissen gibt es aber nicht zum Nulltarif.»


Verpasste Chance beklagt


Diese Diskrepanz zwischen Atomausstieg und geplanter Energieabgabe ist auch Adil Koller aufgefallen. Der Baselbieter SP-Präsident kommt allerdings zu einem anderen Schluss: «Das spricht dafür, dass die Abgabe nicht aus energiepolitischen Gründen abgelehnt wurde.»

Deutlich enttäuschter als ihr Baselbieter Kollege äussert sich Brigitte Hollinger. Die Basler SP-Präsidentin ist sehr enttäuscht über das Nein zum Atomausstieg: «Ich finde es fahrlässig, einfach so weiterzumachen.» Gestern hätte die Schweiz den Kurs ändern können. «Diese Chance haben wir vertan.» Offenbar hätten die Drohungen vor einer Stromlücke bei der Bevölkerung verfangen.


Trotz der Niederlage wollen die Grünen das Glas nun als halb voll ansehen: «Zumindest ist der Atomausstieg nicht bestritten, es ging nur ums Tempo», betont der Basler Co-Parteipräsident Harald Friedl. «Das haben im Abstimmungskampf sogar die Gegner versichert.» Gleichzeitig habe die Kampagne gravierende Sicherheitsmängel bei den Schweizer AKW aufgedeckt, ergänzt Florence Brenzikofer. «Diese Missstände müssen trotz des Neins dringend behoben werden», sagt die Baselbieter Grünen-Präsidentin.

Abstimmung Basel Stadt: Atomausstiegsinitiative

  . Ja Nein Ja%
Basel 30'685 18'402 62.51
Bettingen 192 277 40.94
Riehen 3944 3847 50.62
Kanton Basel-Stadt 36'284 23'713 60.48

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