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Die Fuchsräude wütet

Im Baselbiet greift die Seuche um sich. Auch Hunde sind gefährdet.

Birgit Günter
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Die Fuchsräude wütet

Die Fuchsräude wütet

Die Hautkrankheit endet für die Füchse fast immer tödlich. Nach den im letzten Jahr betroffenen Bezirken Arlesheim, Laufen und Liestal wird die Seuche jetzt im ganzen Baselbiet zur Plage.

Grausige Funde machen derzeit viele Baselbieter Jagdaufseher: Tote Füchse mit teilweise fehlendem Fell und aufgekratzter, verkrusteter Haut. Die Tiere sind Opfer der Fuchsräude. Diese von Milben übertragene Krankheit kann auch Hunde, Katzen und Menschen befallen. Bei Haustier und Mensch ist sie behandelbar – bei Wildtieren endet sie aber in der Regel tödlich.

Hermann Zehntner, der Jagdaufseher aus Reigoldswil, hat diesen Frühling allein in seinem Bann schon rund sechs Füchse «zusammengelesen», die der Krankheit erlegen sind. «Und ich höre von vielen Fällen aus dem ganzen Oberbaselbiet», erzählt er. Die Krankheit sei deutlich auf dem Vormarsch. Denn noch im letzten Jahr hat Zehntner selber keinen Fall erlebt. Die Räude war damals hauptsächlich erst in den Bezirken Arlesheim, Liestal, Laufen verbreitet.

Tiere sind geschwächt und verhungern

Befallene Tiere spüren einen starken Juckreiz. Denn der Parasit gräbt sich in die Haut und legt Eier und Kot darin ab. «Die Opfer kratzen sich dauernd und es gibt Infektionen», erklärt die stellvertretende Kantonstierärztin Anna Jaggi. An sich sei die Milbe harmlos, aber wegen des durch sie entstehenden Stresses würden die Tiere nach ein paar Monaten qualvollen Leidens eingehen. «Sie verhungern dann meist», sagt Jaggi.

Ist einmal ein Fuchs befallen, erkranken oft ganze Rudel, denn die Räude ist hochansteckend: Sie breitet sich bei Körperkontakt rasend schnell aus und kann bis zu 90 Prozent eines Bestandes töten. Menschen schützen sich und ihre felltragenden Haustiere darum am besten, indem sie den direkten Kontakt mit Füchsen vermeiden. Nur im Ausnahmefall ist es möglich, dass zu Boden gefallene Milben überleben und ein später auftauchendes Tier anstecken. Wer bei sich oder seinem Haustier starken Juckreiz feststellt, soll zum Arzt, rät Jaggi – denn mit Medikamenten ist die Krankheit behandelbar.

Füchse auf keinen Fall füttern

Um das Ansteckungsrisiko zu mindern, ist es aber auch wichtig, die Füchse aus den Siedlungsgebieten fernzuhalten. Die abgemagerten Tiere würden nämlich ihre Scheu verlieren und auf Nahrungssuche mitten unter die Häuser vordringen. «Die Tiere zu füttern, ist aber so ziemlich das Dümmste», betont Jagdaufseher Zehntner. «Man sollte darum keine Hunde- und Katzengeschirre draussen stehen lassen und idealerweise auch den Kompost abdecken.»

Die Räude gibt es laut Jaggi schon seit Menschengedenken. Sie wurde jedoch zeitweise auf den Alpenraum zurückgedrängt. Im Baselbiet ist sie erst seit vergangenem Jahr ein Thema. Vermutlich wird sie von Füchsen auf der Suche nach neuen Revieren verschleppt. Neben der Räude macht sich eine andere, hierzulande schon ausgerottete Krankheit auf, das Land wieder zurückzuerobern: die Tollwut. Von Norditalien breitet sie sich nun ins Tessin aus. Mit dem Sprung über den Gotthard rechnet man in den nächsten Monaten.

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