Soziales Projekt

Die Gabenzäune erobern Basel: «Ja zu ‹Social distancing›, Nein zu sozialer Kälte»

Viele soziale Institutionen in Basel sind wegen der Coronakrise geschlossen. Freiwillige wollen darum aushelfen und haben eine Idee aus Deutschland abgekupfert: die Gabenzäune.

Eine warme Winterjacke, ein paar Socken, eine Decke, Müsliriegel und drei Äpfel. Die Plastiksäcke hängen an einem Zaun im Wettsteinpark. Der eigentlich trostlose, oft von Obdachlosen als Übernachtungsort genutzte Platz hat vor einer Woche plötzlich einen tieferen Sinn erhalten. Er ist Standort des ersten Gabenzauns in Basel.

Aus Deutschland ist die Idee in die Schweiz rübergeschwappt. Initiiert wurde der Basler Gabenzaun und die dazugehörige Facebook-Seite von einer Gruppe junger Menschen aus Basel. Das Kollektiv besteht aus rund zehn Personen, die sich um Koordination, Betreuung der Gabenzäune und Social Media kümmern. Als Einzelpersonen und mit Namen wollen die Initianten nicht auftreten.

«Es kann ja nicht schaden»

Ein Mitglied der Gruppe erzählt auf Anfrage der bz: «Wir haben die Idee aus Deutschland abgekupfert, da die Coronakrise auch in der reichen Schweiz viele Bedürftige, Armutsbetroffene, Obdachlose, Geflüchtete und Sans-Papiers unvorbereitet traf.» Durch die Pandemie könnten soziale Projekte nur noch eingeschränkt operativ tätig sein. Da habe sich die Gruppe, bestehend aus langjährigen Freunden, gedacht: «Es kann nicht schaden, ein ergänzendes, mit Absicht niederschwelliges Angebot ins Leben zu rufen.» Nach dem Motto: «Ja zu ‹Social Distancing›, Nein zu sozialer Kälte.»

Am 23. März startete das Projekt beim Wettsteinplatz. Mittlerweile hat es sich vervierfacht: Drei weitere Gabenzäune kamen hinzu. Einer beim Bahnhof St. Johann, einer unter der Dreirosenbrücke auf Kleinbasler Seite, einer – seit gestern Abend – im Gundeli.

Laut der Gruppe werden die Standorte rege genutzt. Dies zeigen auch Fotos in den sozialen Medien, auf denen die Zäune reich behangen mit Plastiksäcken und Gaben zu sehen sind. Bisher gab es – bis auf herumliegenden Abfall oder zerrissene Plastiksäcke – keinen Missbrauch der Aktion. Die Gruppe sagt: «Ein gewisses Restrisiko besteht natürlich immer, da sind wir nicht blauäugig. Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen aber, das Angebot wird recht solidarisch genutzt.»

Lebensmittel, Kleidung oder Hygieneartikel

Die Gruppe ist zwar Urheber der Gabenzäune in Basel-Stadt, als ihr Werk betrachten sie das soziale Projekt jedoch nicht. «Wir haben das Konzept bewusst offen gestaltet. Wenn andere Menschen sich einbringen, vernetzen und einen eigenen Standort lancieren möchten, finden wir dies super.»

Wer selbst Gaben an einen der drei Zäune hängen möchte, ist eingeladen, dies zu tun. Lebensmittel, die ungekühlt gelagert und ohne Zubereitung verzehrt werden können sowie warme Kleidung, Schuhe, Hundefutter und Hygieneartikel für Frauen seien gefragt. Alle Produkte sollen wasserdicht verpackt und mit dem Inhalt angeschrieben sein.

Meistgesehen

Artboard 1