Coronavirus

Die grosse Corona-Wirtschaftsstudie der Region: So trist ist die Stimmung des Gewerbes wirklich

Bild: Montage / Archiv

Während die Pharmabranche die Coronakrise weitgehend unbeschadet überstanden hat, leiden Restaurants umso mehr.

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Eine neue Studie zeichnet ein hoffnungsvolles Bild der Unternehmen in der Region. Aber nicht für alle Branchen.

«Die Unternehmen sind auf dem Weg aus der Krise» – zu diesem Schluss kommt eine Umfrage, die Ende Juni vom Arbeitgeberverband Basel, dem Gewerbeverband Basel-Stadt, der Handelskammer beider Basel sowie von den Standortförderungen der beiden Kantone durchgeführt wurde. Über sechshundert Unternehmen unterschiedlicher Grösse aus allen Branchen wurden gefragt, wie die Coronakrise ihren Geschäftsgang beeinflusst hat. Obwohl praktisch kein Unternehmen der Region von der Pandemie unberührt blieb, war die Betroffenheit je nach Branche unterschiedlich gross.

Mehrheit der Unternehmen ist zuversichtlich

Die Studie mit dem Stimmungsbarometer «Spezial Sommer 2020» zeigt die Ergebnisse einer Onlinebefragung, die unter den Mitgliedern der beteiligten Verbände durchgeführt wurde. Dabei wurden Führungspersonen von 343 Unternehmen aus Basel-Stadt und 259 Unternehmen des Kantons Basel-Landschaft gefragt, wie sie die bisherigen Auswirkungen von Corona auf ihr Geschäft beurteilen und wie sie künftige Entwicklungen einschätzen. Dabei zeigte sich: Nicht allen geht es schlecht. Immerhin 43 Prozent der Befragten geben an, gleich gut oder sogar besser zu wirtschaften als im Vorjahr. Ganze zwei Drittel der Unternehmen wagen eine optimistische Prognose für die Zukunft.

Es sei nicht das Ziel gewesen, eine repräsentative Statistik zu erstellen, sagt der für die Studie Zuständige, Andreas Meier, von der Handelskammer beider Basel. «Unser Ziel war es, ein Stimmungsbild der Region zu erhalten», erklärt er. Die Stimmung im Landkanton scheint indes noch etwas positiver zu sein als in der Stadt. Das liegt gemäss den Verantwortlichen der Studie insbesondere am geringeren Anteil von Branchen wie Gastgewerbe und Tourismus, die von der Krise besonders hart getroffen wurden.

In diesem Sektor zeichnet die Studie ein negatives Bild: Kein einziger der befragten Betriebe bezeichnet den aktuellen Geschäftsgang als «gut». Fast alle beurteilen die Lage als unbefriedigend oder gar schlecht. Knapp siebzig Prozent der Unternehmen rechnen mit einem Personalabbau.

Diese Ergebnisse sind wenig überraschend. Vor wenigen Tagen gab der Branchenverband Gastrosuisse bekannt, dass Schweizer Restaurants und Bars auch im Juli hohe Umsatzeinbussen verzeichneten. Über alle Gastronomiebereiche hinweg erlitten Betriebe einen Umsatzrückgang von 30 bis 60 Prozent. Diese Tendenz beobachtet auch Maurus Ebneter vom Wirteverband Basel-Stadt. Er sagt, es gebe in Basel zwar einige Lokale, die in den letzten Wochen dank schönem Wetter und grosser Aussenflächen recht guten Umsatz gemacht hätten. «Aber was wird im Herbst und Winter passieren?»

Temporäre zusätzliche Massnahmen für die Beizen

In einer ganz anderen Situation befinden sich Betriebe der Pharmabranche, des Baugewerbes oder der IT- und Kommunikationsbranche, welche tendenziell besser dastehen als der Gesamtdurchschnitt der Befragten. Dass die hiesige Wirtschaftslandschaft zweigeteilt scheint, bestätigt der Basler Regierungsrat Christoph Brutschin (SP): «Das schätze ich auch so ein. Einige Betriebe hat es empfindlich getroffen, andere sind wenig bis fast gar nicht tangiert.»

Der Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt schliesst nicht aus, den besonders von der Coronakrise gebeutelten Sektor mit weiteren Massnahmen zu unterstützen, betont aber: «Im Vordergrund stünde dann eine temporäre Verlängerung bestimmter Massnahmen. Wichtig hierbei ist das ‹temporär›.» Die eingesetzten Massnahmen dürfen laut Brutschin nicht dazu führen, dass Strukturen erhalten werden, die auch ohne Corona keine Zukunft gehabt hätten. Das sieht auch Maurus Ebneter so. Er findet, ein Strukturwandel müsse zwar stattfinden, es dürfe aber nicht zu einem unkontrollierten Kahlschlag kommen. «Wir hoffen auf weitere Unterstützungspakete, sehen aber auch den Bund in der Pflicht. Die nationalen Entscheidungsträger hätten die Branche viel früher unterstützen müssen, etwa mit einer befristeten Senkung der Mehrwertsteuer für die Hotellerie und Gastronomie», so Ebneter.

Bei den Machern der Studie ist man vorsichtig optimistisch und hofft auf eine rasche Normalisierung und Erholung. An die Politik wird insbesondere eine zentrale Forderung gestellt: «Stabile Rahmenbedingungen für die Wirtschaft», sagt Andreas Meier von der Handelskammer beider Basel.

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