Muttenz

Die Gründerväter am Gym Muttenz räumen ihr Pult

Gymnasium Muttenz

Gymnasium Muttenz

Umbruch statt natürlicher Fluktuation am Gym Muttenz: Letzte Lehrer der ersten Stunde hören auf. Die Rektoren der Baselbieter Gymnasien versprechen, dass sie einem erneuten Exodus künftig vorbeugen werden.

Das Problem, mit dem sich das Gymnasium Muttenz herumschlägt, wäre in der Privatwirtschaft höchstens bei kleinen, neuen Unternehmen denkbar: Gleich fünf Lehrer und eine Lehrerin, die bereits seit 39 Jahren an der Schule unterrichteten, wurden im vergangenen Schuljahr in den Ruhestand entlassen. Mit ihnen sind zugleich auch die letzten Lehrer der ersten Stunde verabschiedet worden. Denn damals, 1972, nahm das Gymnasium Muttenz in einer Baracke als letztes der fünf Baselbieter Gymnasien den Betrieb auf.

Umbruch in der Schule

In den vergangenen fünf Jahren verabschiedeten sich 29 Lehrpersonen am Gymnasium in den Ruhestand. Diese 20 Prozent des Gesamtbestandes bescherten der Schule einen eigentlichen Umbruch. Von natürlicher Fluktuation kann keine Rede sein. Kommt hinzu, dass die abtretende Lehrergeneration – Frauen unterrichteten dort damals kaum – meist ein Vollzeitpensum bekleidete und nun mehrheitlich durch Teilzeiter ersetzt wird. Es gilt die Faustregel: Für zwei pensionierte werden drei neue Lehrkräfte eingestellt.

Das Phänomen, das man in Muttenz durchlebt, kennen andere Gymnasien auch: In Oberwil wurde in sieben Jahre gleich die Hälfte des Bestands altersbedingt ersetzt. Der Umbruch sei reibungslos gelungen, sagen die Oberwiler. Das vernimmt man in Muttenz gerne.

Der Grund für den abrupten Generationswechsel liegt auf der Hand: Um 1972 in Muttenz in Betrieb gehen zu können, wurden frisch ausgebildete Lehrer im Alter von Mitte zwanzig eingestellt. 39 Jahre später nehmen die letzten Vertreter der Gründergeneration den Hut. Liestal, das 48 Jahre alte und damit älteste Baselbieter Gymnasium, machte die grosse Fluktuation entsprechend früher durch.

Ulrich Maier, der Muttenzer Rektor, weiss, dass damit seine Schule angesammeltes Fachwissen schlagartig einbüsst. Gleichwohl lässt er sich den Vorwurf, eine schlechte Personalpolitik betrieben zu haben, nicht gefallen. «Diese Lehrer hatten gültige Arbeitsverträge», sagt er, «man kann sie ja nicht vertreiben. Und wir hatten auch keinen Anlass dazu.»

Lehrer identifizieren sich stark mit Schule

Gerade diese Loyalität schätztMaier bei den abtretenden Kollegen sehr. Hat bereits die jüngste Befragung des Kantons ergeben, dass sich Lehrpersonen in der Regel stark mit ihrer Schule identifizieren, so gelte das für die Gründerväter des Gymnasiums erst recht. Noch vor fünf Jahren habe man misstrauisch reagiert, wenn sich ein Lehrer aus einer anderen Schule um eine Stelle bemühte. «Heute sind solche Wechsel aber durchaus üblich», sagt er.

Auf verschiedene Arten versuchen die Rektoren zu verhindern, dass Gründerväter alles Fachwissen einpacken, wenn sie ihr Pult räumen. «Wir haben spezielle Konzepte, wie der Wissenstransfer vollzogen werden kann», sagt Maier. Er denkt an das Mentoren-System oder an privates Unterrichtsmaterial, das der Lehrer der Schule abtritt. Der Liestaler Rektor Thomas Rätz führt mit Lehrern, die bald pensioniert werden, fixe Mitarbeitergespräche eigens zu diesem Thema. Beide Rektoren betonen aber, dass bei jedem Wechsel nicht nur Wissen verloren gehe, sondern auch neues, aktuelles Wissen Eingang finde.

Gleichwohl steht für Maier bereits fest, dass sein Gymnasium nie mehr einen so starken Personalwechsel durchleben wird. Bei den Neueinstellungen habe er auch stark darauf geachtet, dass alle Altersgruppen vertreten sind. «Die Durchmischung stimmt jetzt.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1