Starr stehen sie da, entweder auf der Wiese, im oder direkt neben dem Wasser. Es scheint, als würden sie bald erfrieren. Doch für die Störche im Basler Zoo und in den Langen Erlen sind die kalten Temperaturen nicht neu.

«Die Störche, die in unseren Breitengraden überwintern, sind sich die Witterung gewöhnt», erklärt Bruno Gardelli, Regionsleiter Nordwestschweiz der Gesellschaft Störche Schweiz. Er betreut die Störche im Zolli und weiss genau, wie es ihnen geht. Aktuell befinden sich 13 Weissstörche im Zolli. Dazu noch einzelne in den Langen Erlen.

Über die Jahre wurden es immer weniger. Dies entspricht aber der Strategie der Gesellschaft Storch Schweiz. Es sind dies die letzten sogenannten «Projektstörche», mit denen ab den 1960er-Jahren versucht wurde, Störche in der Schweiz wieder anzusiedeln.

Natürliches Verhalten verlernt

Die hierzulande überwinternden Störche haben es laut Gardelli verlernt, im Winter in den Südwesten zu ziehen. «Vor Jahren habe ich aufgehört, die hier lebenden Störche im Winter zu füttern», trotzdem hätten sie das artgerechte Verhalten nicht wieder erlernt. «Wir machen im Winter gar nichts mehr. Die Störche sind Wildvögel, und so behandeln wir sie auch», erklärt Gardelli. Nur wenn wirklich Not am Mann wäre, dann würde er eingreifen und die Störche füttern.

Das Problem ist nicht nur die Kälte an sich, sondern die Tatsache, dass die Störche wenig Futter finden. So kann es jetzt auch mal vorkommen, dass die Störche, die sich sonst von Kleintieren ernähren, Salat essen. Die Starrheit, in die sich die Tiere bei Kälte versetzen, senkt ihren Energieverbrauch. «Sie zehren aktuell von ihren Reserven.»

Solange sie offene Gewässer auffinden würden, können die Störche alleine überleben, weiss Gardelli. So geniessen sie es, im Wasser zu stehen, denn dieses ist momentan um einiges wärmer als die Luft. Meiden tun sie aufgrund des Windes die Höhe der Horste.

Bald keine Störche mehr

Die Gesellschaft Störche Schweiz formulierte in einem gross angelegten Aktionsplan mehrere Ziele. Grundsätzlich hat sie das Ziel, dass «der Weissstorch in der Schweiz eine sich selbst erhaltende, langfristig stabile oder zunehmende, von weiteren Förderungsmassnahmen unabhängige Population von sich natürlich verhaltenden Individuen aufweist».

Wenn die noch lebenden «Projektstörche» in ein paar Jahren ausgestorben sind, sollten im Winter keine Störche mehr im Basler Zolli zu sehen sein. Wenn alle Storchenstationen eine ähnliche Strategie fahren würden, so wäre es sogar möglich, dass keine Störche mehr in unseren Breitengraden überwintern würden.