Noch vor einem Jahr gab sich Öko-Berater Daniel Wiener zuversichtlich. Sein Konzept eines «nachhaltig» ausgerichteten Shopping Centers werde «von den Eigentümern weiterhin getragen», zitierte ihn die «Basler Zeitung». Wiener wollte in der 1929 erbauten Markthalle ein Zentrum für ökologisches Denken verwirklichen. Einen «Nachhaltigkeitstempel».

Doch bereits einen Monat nach der Durchhaltelosung war klar, dass Wiener gescheitert war. Das Nutzungskonzept sei «wieder näher beim Ursprünglichen», sagte Philipp Strebel von der Betreiberfirma PSM im April 2011 in der BaZ. Es war bereits der zweite strategische Schwenker nach der Beauftragung Wieners. Und so wird die Markthalle, die am Donnerstag für geladene Gäste und am Samstag fürs Publikum geöffnet wird, ein wenig an alle Konzepte aus der Projektgeschichte erinnern. Oder an keines.

Eine anthroposophische Klinik

Im Gespräch mit dem «Sonntag» betont Wiener, er habe durchaus Spuren hinterlassen. Bis im vergangenen Sommer sei er noch mit an Bord gewesen. «Natürlich hätte ich mir gewünscht, noch mehr in Richtung Solaranlagen oder Wärmedämmung gehen zu können», sagt er. Doch das passte dann wohl doch nicht in ein Shopping Center.

Wiener verweist auf Energie Zukunft Schweiz, eine Lobbyorganisation der Stromwirtschaft, die er ins Markthallengebäude geholt habe. Oder auf die anthroposophische Ita Wegman Klinik, die ihr neues Ambulatorium im Randbau der Markthalle bereits bezogen hat. Ins Öko-Bild passt auch der Apotheker Dominik Saner, der sich auf Plakaten bereits prominent als «Naturarzt» bewirbt.

Mit Nachhaltigkeit nichts zu tun

Im Shopping-Bereichscheint das Nachhaltigkeitskonzept dagegen eher gescheitert. Viele, die sich für einen Laden im 5000 Quadratmeter fassenden Zentrum interessiert hatten, zogen sich zurück. So wie der Basler Bioladen-Pionier Andreas Höhener. «Wiener versuchte mich zu gewinnen, und ich war auch an einigen Konzeptsitzungen dabei», sagt Höhener zum «Sonntag». Es sei jedoch nicht gelungen, weitere Mieter zu finden, die ans Öko-Konzept glaubten und etwas wagen wollten.

«Man versuchte sogar, mich unter Druck zu setzen», sagt Höhener. «Man sagte, es gebe einen anderen Bio-Anbieter, der sich für den Laden interessiere. Ich solle mich entscheiden. Doch die hatten gar niemanden.»

Nebst finanziellen Argumenten – Höhener hat bereits mit seinem heutigen Geschäft Mühe, gegen die grossen Detailhändler zu bestehen – sprachen für Höhener auch konzeptionelle Gründe gegen einen Einzug in die Markthalle. So wollen die Hallenbetreiber die Markthalle im Winter auf Zimmertemperatur heizen, wie sie selber in Vermarktungsunterlagen schreiben. «Ich habe das von einem Vertreter der PSM erfahren», erzählt Höhener. «Das ist absurd und hat mit Nachhaltigkeit nichts mehr zu tun.» Die Energie verpuffe durch die dünne Hallendecke, konstatiert Höhener.

Höhere Mieten

Auch andere Interessenten wendeten sich ab, wie Recherchen des «Sonntags» zeigen. So erwog der Verband Biosuisse zunächst, seine Geschäftsstelle von der Margarethenstrasse in die Markthalle zu verlegen. «Das war ein Thema», bestätigt Sprecherin Sabine Lubow. Man habe sich im Sommer 2010 jedoch zurückgezogen, nachdem absehbar wurde, dass das Öko-Konzept scheiterte. Zudem sei man ursprünglich von tieferen Mietkosten ausgegangen.

Einen Rückzieher machte auch Schubecks Gewürze, dessen Name bereits von PSM kommuniziert wurde. «Das war vor einem Jahr so», sagt Geschäftsführerin Heidi Kälin. «Doch wir haben uns bereits aus dem «Stücki» verabschiedet, weil es da nicht lief. Wir gehen davon aus, dass das in der Markthalle nicht anders gewesen wäre.»

Ohne Migros und Coop

Als gemeinsamer Nenner bleibt bei den Mietern denn wohl eher die Ausrichtung auf ein erwachsenes, kaufkräftiges und im weitesten Sinne naturverbundenes Publikum. Etwa bei Bächli Bergsport, der von der Henric-Petri-Strasse in die Markthalle umzieht. Auch die Biokosmetika von Melvita oder die Kleiderläden Zooloose und Superdry, die vom Basler Unternehmer Matthias Weber betrieben werden, passen in dieses Bild. Der zweite grosse Ankermieter neben Bächli, der Computerdiscounter Digitec, hat mit Wieners Ökokonzept von einst jedoch nichts mehr zu tun.

Noch unklar ist, welche Lebensmittel es in der Markthalle zu kaufen gibt. Und ob überhaupt. Die grossen Detailhändler Migros, Coop und Manor haben alle abgesagt, wie deren Sprecher erklären. Ebenso Aldi. Nur Lidl gibt sich geheimnisvoll. Man habe «grundsätzlich Interesse» an Standorten in Basel, lässt Lidl per Mail ausrichten. Zur Markthalle konkret wolle man sich nicht äussern.

Ob die inzwischen bekannte Liste der Mieter abschliessend ist, oder ob es Markthallen-Betreiberin PSM gelungen ist, noch Überraschungen aufzubieten, ist unklar. Schon seit mehreren Wochen beantwortet die Firma keine diesbezüglichen Fragen mehr. Die Spannung solle aufrechterhalten werden, argumentiert die Pressestelle. Das ist ihr gelungen.